Stadtplanung im Wandel der Zeit

Dortmund. Metropolenbau am Reißbrett gibt es zur Zeit im „Dortmunder U“ zu bestaunen. Die Ausstellung „Stadtvisionen 1910|2010“ zeigt am Beispiel der vier Großstädte Berlin, Paris, London und Chicago, wie sich unser Bild vom urbanen Leben im Laufe des letzten Jahrhunderts geändert hat. Die Entwickler des Projektes, darunter auch die TU Dortmund, kommen dabei zu einem überraschendem Ergebnis: Die Themen- und Problemfelder sind im Grunde noch dieselben.

Die TU-Ausstellung im Dortmunder U (1. OG)

Die Ausstellung der TU im Dortmunder U ist bis Mitte April geöffnet.

Entstanden sind die „Stadtvisionen 1910|2010“ anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Allgemeinen Städtebau-Ausstellung 1910, die damals in Berlin stattfand. Diese gab anhand der vier Weltstädte Berlin, Paris, London und Chicago einen internationalen Überblick des Städtebaus mit all seinen Problemen und Möglichkeiten. Mit überraschendem Erfolg. Mit 65.000 Ausstellungsbesuchern wurden die Erwartungen bei weitem übertroffen.

Es geht um dieselben Wünsche

Die großen Visionen waren eine höhere Mobilität, die Integration von Grünflächen und gut erreichbare Wohnorte außerhalb des Stadtzentrums. „Berlin 1910 hat uns wichtige Dinge gezeigt, von denen man noch heute lernen kann“, sagt Professor Wolfgang Sonne von der TU Dortmund, der die Ausstellung zusammen mit der TU Berlin und WissenschaftlerInnen anderer Einrichtungen entwickelt hat. Thematisch gehe es bei der Stadtplanung noch heute um dieselben Wünsche: Schön muss es sein. Dazu hygienisch sauber, grün, gute Luft muss auch vorhanden sein und im besten Fall erreicht man alle wichtigen Orte des Alltags in kürzester Zeit.

Professor Dr. Wolfgang Sonne vom Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur an der TU Dortmund

Professor Dr. Wolfgang Sonne vom Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur an der TU Dortmund.

Die Menschen strömen in die Städte

Einen Bruch in der Städteplanung bildeten die Jahre nach dem zweiten Weltkrieg. Die Großstadt, geplant, hoch industrialisiert, galt als böse und schlecht. Es gab über einen längeren Zeitraum hinweg eine anti-städtische Planung. „Die Internationale Bauausstellung (IBA) 1977 in Berlin war ein ganz wichtiger Schritt“, erklärt Wolfgang Sonne. „Dort fand eine kritische Rekonstruktion der Städte statt. Die dichten, bestehenden Großstädte sollten erneuert und verbessert werden.“ Ein Schritt, der sich gelohnt hat. Heute strömen die Menschen zurück in die Städte. Dadurch rücken auch die alten Visionen von Berlin 1910 wieder in den Vordergrund: Angenehmes Leben auf geringem Raum. Sowohl von der ökologischen, als auch von der ökonomischen Seite, spricht laut Sonne sehr viel für eine Verdichtung von Städten. „Man müsste nur sehr wenig mit dem Auto fahren, der Kindergarten wäre zu Fuß erreichbar und auch der kleine Einkaufsladen an der Ecke könnte sich halten.“

Es ist eine Frage der Einstellung und des Willens

Das größte Problem sieht der Architekturprofessor darin, dass teilweise noch immer in innenstädtischer Lage, vorstädtisch gebaut wird. „Ein Einfamilienhaus ist ja eine hübsche Sache, aber im Endeffekt lediglich verschenktes Potential“. Die „Stadtvisionen“ im Dortmunder U weisen den Weg: hohe Häuserfassaden, paralell zur Straße. Die Grünanlagen liegen innen, die Wege zwischen Einkaufsmöglichkeit, Schule und Kindergarten sind kurz, die Verkehrsanbindung ins Zentrum ist gut.

Ein gutes Beispiel für gelungene Städteplanung: Das "quartier du parc" in Paris

Ein gutes Beispiel für gelungene Städteplanung: Das "quartier du parc" in Paris.

Viel gehe bereits in die richtige Richtung, doch ganz glücklich sei man noch nicht. Wolfgang Sonne zieht das Ruhrgebiet als Beispiel heran: „Diese Region ist besonders interessant. Ein großes Problem ist der Kulturbereich. Die alten Industrieanlagen wurden häufig umgebaut und werden nun für Konzerte oder Ausstellungen genutzt. Sie liegen aber meist sehr weit abseits und sind schlecht zu erreichen“ Aber es gäbe auch einige sehr positive Projekte, die den Stadtvisionen 2010 entsprechen. Der Althoffblock in Dortmund sei ein Paradebeispiel, in Ansätzen auch die Siedlung am neu strukturierten Innenhafen in Duisburg. „Auch die Margarethenhöhe in Essen ist sehr gut gelungen. Es ist eine kleine durchstrukturierte Stadt in der Stadt.“ Für Sonne ist eine vernünftige und sinnvolle Stadtplanung übrigens keine Frage des Geldes. „In erster Linie ist es immer eine Frage der Einstellung und des Willens.“

Auf 97 Hängetafeln werden interessierten Besuchern die Stadtvisionen präsentiert. Fotos: Martin Schmitz/Portraitfoto: TU Dortmund

Auf 97 Hängetafeln werden interessierten Besuchern die Stadtvisionen präsentiert. Fotos: Martin Schmitz/Portraitfoto: TU Dortmund

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.