Duell: Klausur oder Hausarbeit?

Duell Verena vs Sarah

Das Semesterende rückt näher – und damit auch Klausuren und Hausarbeiten-Deadlines. Während die einen selbst in S-Bahn und Mensa ihre Karteikärtchen nicht aus der Hand legen, verbringen die anderen Stunden mit der Literatursuche oder schleppen Büchertaschen mit Henkeln bis zum Boden. Der Campus scheint in zwei Lager gespalten: Klausur- und Hausarbeiten-„Fans“. Unsere Autoren Verena Beringhoff und Sarah Teschlade haben sich gefragt: Welches ist das geringere Übel?

HAUSARBEIT

Ganz klar: Die Hausarbeit!

Jetzt mal ernsthaft: Wer drückt sich schon freiwillig seitenweise Seminarstoff in die Birne, wenn man die Möglichkeit hat, sich stattdessen mit einem selbstgewählten Thema auseinanderzusetzen, das einen nicht nur interessiert, weil es einen als Student der XX-Wissenschaften zu interessieren hat?

Vielleicht ist es naiv, aber ich gehe davon aus, dass Studierende an der Uni sind, um vor allem eins zu tun: Zu studieren. Sprich: Etwas zu lernen. Horizonte zu erweitern. Wissenschaftlich zu arbeiten.

Das Bulimie-Prinzip

Das stelle ich mir mit Vorlesungsnotizen vorm und Prüfungsängsten im Kopf etwas schwierig vor. Wer schonmal mehr als drei Klausuren im Semester geschrieben hat, weiß wovon ich spreche: „Lernen“ funktioniert nach dem einfachen Prinzip – Stoff rein, Klausur, Stoff raus. Manch einer  spricht von „Bulimie-Lernen“.

Klar, mit dem Einsammeln der letzten Klausur gehen die „Semesterferien“ los. Damit streicht der durchschnittliche Student aber auch den letzten Klausurstoff aus dem Hirn – Platz schaffen für Freizeitstress.

Wer eine Hausarbeit schreibt, bringt schon mit der Themenwahl eine Eigenleistung – und zeigt, dass er mitgedacht hat. Dahinter steht nicht nur das Interesse am Schein, sondern – idealerweise – auch ein gewisses Interesse am Thema.

Produzieren statt reproduzieren

Statt zu reproduzieren, produziert der Hausarbeitenschreiber selbst. Professoren und Dozenten erwarten, dass der Prüfling sich in sein Thema eindenkt, es intellektuell durchdringt, sich kritisch damit auseinander setzt. Etwas, das für einen Studenten selbstverständlich sein sollte – in einer Klausur allerdings in aller Regel nicht abgeprüft wird.

Eine Klausur prüft, wie viel Zeit der Studierende zum Lernen hatte, wie gut er auswendig lernen kann, ob er an Prüfungsangst leidet. Sie prüft nicht, was der Student weiß – sie prüft, welche Daten er in einer unnatürlichen Situation von der Festplatte abrufen kann.

Eigenständige intellektuelle Leistungen

Wir sind keine Kinder mehr, die man zur Überprüfung des Lernfortschritts irgendwelcher Tests unterziehen muss. Studierenden kann und muss man zutrauen, dass sie eigenständige intellektuelle Leistungen vollbringen – und wenn das bedeutet, ihr Leben über den Zeitraum von mehreren Wochen eigenverantwortlich so zu organisieren, dass Hausarbeit, Party und Praktikum einander nicht ausschließen.

Ein Wort zum Schluss an diejenigen, denen Auswendiglernen liegt und denen es – verständlicherweise – beim Studium vor allem darum geht, es abzuschließen:

Am Ende des Studiums wartet in der Regel eine besondere „Hausarbeit“ auf alle: Die Bachelor-Arbeit. Wäre ja blöd, wenn sie die erste wäre.

 

 

 

KLAUSUR

Nur noch zwei Wochen, dann ist es so weit: die Semesterferien fangen an. Endlich! Endlich wieder lange Schlafen, Zeit für Hobbies, im Bestfall sogar Sommer, Sonne, Strand und Meer. Oder? Ach nein, da sind ja noch die drei Hausarbeiten, die man irgendwann im Laufe der vorlesungsfreien Zeit schreiben muss.

Eigentlich müsste ich an dieser Stelle gar nicht mehr weiter ausführen, warum ich für Klausuren und definitiv gegen Hausarbeiten als Prüfungsform bin.

Hausarbeiten-Dauerstress

Hausarbeiten bedeuten immer unglaublich viel Arbeit und Stress – real oder nur psychisch – und zerstören einem so die wohlverdienten freien Tage. Szenario eins, die reale Arbeit: Man steht früh auf, geht in die Bibliothek, sichtet Literatur, ändert daraufhin dreimal das Thema und fängt irgendwann an zu schreiben. Hausarbeit Nummer eins fertig. Dieses Prozedere wiederholt sich bis alle Arbeiten ausgedruckt auf dem Schreibtisch des Professors liegen – am Ende der Semesterferien. Freizeit? Fehlanzeige.

Szenario zwei, die psychische Arbeit, auch genannt Stress oder schlechtes Gewissen: Man schiebt die Hausarbeiten zunächst vor sich her frei nach dem Motto: „Ach die Hausarbeiten? Damit fang ich morgen an!“ und gönnt sich ein paar schöne Tage. Problem: die Hausarbeiten verfolgen einen. Bei jedem Tag mit Freunden sorgen sie für Bauchschmerzen. Bei jedem Schluck Cocktail am Strand für einen bitteren Nachgeschmack. Richtig entspannen kann man also auch in diesem Fall nicht.

Klausur: Erst Power-Learning, dann frei

Bei Klausuren verhält es sich anders. Je nach Studienfach und Klausuren-Anzahl muss man sich je drei bis vier Wochen in seinem Zimmer einschließen und lernen. Häufig geht diese Lernphase zwar einher mit einem Raubbau am eigenen Körper in Form von extremem Schlafmangel und übermäßigem Konsum energieliefernder und wachmachender Getränke wie Kaffee oder Red Bull. Dies macht aber nichts, denn nach diesen Wochen und ein paar Stunden höchster Konzentration kann man sich ja dann in den SemesterFERIEN erholen.

Was tun bei Prüfungsstress?

Und was tut man gegen Prüfungsstress? Neben guter Vorbereitung und ausgeklügeltem Zeitmanagement helfen folgende Tipps: Im Hörsaal den Platz neben dem Hektiker meiden, sondern den neben dem Genie wählen – falls man mal nicht weiter weiß. Immer mit den einfachen Fragen beginnen und dann zu den schwierigen wechseln. Und die Glückssocke ist auch nie verkehrt, um für innere Ruhe zu sorgen.

     

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Foto: stockxchng/bizior, Montage: Steinborn/Patzwald, Teaserfoto: berwis  / pixelio.de

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