Crash vorprogrammiert

Seit einigen Wochen wird das Blindenleitsystem auf dem Dortmunder Campus erneuert. Weiße Steine mit Rillen sollen die Blinden von Gebäude zu Gebäude führen. Wer sich als Blinder allerdings auf das System verlässt, der kommt sich an einer Stelle ziemlich verlassen vor. Denn mitten auf dem Pfad zur Mensa steht eine Straßenlaterne. Zusammenstöße sind vorprogrammiert. Bastian Rothe kommentiert diesen absurden Fall.

Laterne neben der Mensa

Abbau im Gange: Mittlerweile wurde die Laterne auf dem Blindenpfad eingezäumt. Foto: Karina Strübbe

Da hat wohl jemand Tomaten auf den Augen gehabt – oder einfach nicht richtig auf den Bauplan geguckt? Man könnte ja fast denken, die wären blind gewesen. Dabei sollten die Bauarbeiter, die das Blindenleitsystem installiert haben, doch den Blinden einen Dienst erweisen – das haben sie wohl falsch verstanden. „Licht ins Dunkel zu bringen“ – das kann, nein das muss auch seine Grenzen haben.

Nun ist es ja nicht so, dass die Straßenlaterne zu übersehen wäre – ok, außer vielleicht von Blinden. Aber ich gehe mal davon aus, dass die fleißigen Bauarbeiter des Sehens – hoffnungsvollerweise – mächtig sind. Und das Blindenleitsystem, dass im Boden vor dem Mensa-Gebäude installiert wurde, sollte die Sehbehinderten und Blinden gerade davor bewahren, gegen eine Laterne oder andere Gegenstände zu laufen, die einfach so im Weg rumstehen.

Nun bin ich sicher nicht vom Fach der Architekten, Raumplaner und Blindenleitsysteminstallateure; aber ist es so schwierig, die gesamte Linie der hilfreichen Steine einen halben Meter neben die Laterne zu verlegen? Meine Fantasie ist leider nicht ausreichend um sich vorzustellen, dass die Laterne bis zum letzten Moment gewartet hat, um sich dann – vielleicht sogar im Dunkeln – einfach in den Weg zu stellen. Ich schließe ebenfalls als Ursache aus, dass der Bauplan verkehrt herum gehalten wurde – oder dass ein Eichhörnchen vorbei sprang und die Bauarbeiter abgelenkt hat.

Bastian Rothe Nicht blind aber von dem Fehler der Bauarbeiter geblendet:

Nicht blind aber vom Fehler der Bauarbeiter geblendet: Bastian Rothe Rothe denkt über ein Schild in Blindenschrift nach, um vor der Laterne zu warnen. Foto: privat

Den Grund für diese grandiose Fehlkonstruktion werde ich wohl nicht erfahren und verstehen können. Aber wie löst man das Problem? Im Land der Schilder und Hinweise könnte man ein Schild an die Laterne hängen mit dem Hinweis: Vorsicht, Laterne kreuzt den Weg. Aber da war doch was – ach stimmt, Blinde können Schilder so schlecht sehen. Dann vielleicht ein Schild in Blindenschrift? Das könnten sie dann ertasten. Wie reagiert wohl ein Blinder, der sich entlang der Hilfssteine bewegt und plötzlich auf ein Schild an einer Laterne trifft, auf dem steht: „Vorsicht, Laterne kreuzt den Weg“. Ich würde das persönlich nehmen.

Ein Schild ist also keine Lösung. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und ich blicke – denn ich kann das – optimistisch in die Zukunft und werde einfach die Augen offen halten, ob sich etwas verändert. Und an die netten Herrn Bauarbeiter: Wenn Sie die Blindensteine verlegen – halten Sie die Augen offen, da in der Gegend steht ein Mensa-Gebäude im Weg.

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