Kurzfilmfestival: Großes Kino im Kurzformat

Der kleine Ferdi hat einen Traum: Fliegen lernen. Als Fliege sollte das eigentlich kein Problem sein. Doch Ferdi ist eine Steinfliege und damit viel zu schwer, um abzuheben. Um nichts unversucht zu lassen, verlässt der Steinfliegenjunge seine Eltern und zieht in die weite Welt hinaus, um doch einen Weg zu finden, in die Lüfte abzuheben.

Foto: Susanna Zdrzalek

Volles Haus und Popcorn gratis beim neunten XXS Kurzfilmfestival in Dortmund. Foto: Susanna Zdrzalek

Die Steinfliege mit den Stummelflügelchen und den kugelrunden, blauen Augen war der Publikumsliebling beim XXS Kurzfilmfestival  Dortmund am Samstag, 14. November, im Cinestar-Filmpalast. Zum neunten Mal hatte die Dortmunder Werbe- und Medien-Akademie Marquardt junge Filmemacher aufgerufen, ihre Kurzfilme einzureichen. Von 160 Einsendungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz schafften es zehn Filme in die engere Auswahl. Vom Kinderanimationsfilm bis zum actiongeladenen Kurz-Thriller und von lustig bis düster – beim Kurzfilmfestival waren alle Genres vertreten. „Das machte es schwer, einheitliche Bewertungskriterien zu finden“, sagt Joe Bausch. Der Schauspieler, den man sonst als Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth vom WDR-Tatort kennt, saß neben Regisseur Felix Dünnemann und Schauspielerin Tanja Wenzel in der Jury. In seinen Augen ist der Kurzfilm die Königsdisziplin des Films.

„Bei der Bewertung haben wir geschaut, ob der Film das erfüllt, was man von einem Kurzfilm erwartet. Schaffen es die Bilder, die Handlung zu transportieren? Ist die Story gut?“ Die Kreativität der Filmemacher beeindruckte Bausch besonders. „Zwei Filme haben mich total überrascht, da war nichts, was ich in der Form schon mal gesehen oder gelesen hätte“, sagt der Schauspieler. So wie der Siegerfilm von Lena Liberta, der Schwarzweißfilm „Stiller See“. Er handelt von einem Mann, der sich nach dem Tod seiner Frau mit seinem autistischen Sohn auseinandersetzten muss, der ihm bislang völlig fremd war.

Jedes Bild muss sitzen

Anne Walther und ihr Hauptdarsteller, Publikumsliebling Ferdi. Foto: Susanna Zdrzalek

Anne Walther und ihr Hauptdarsteller, Publikumsliebling Ferdi. Foto: Susanna Zdrzalek

Dem Publikum machte die vier Stunden dauernde, von Slam-Poet Mischa Vérollet moderierte Veranstaltung sichtlich Spaß. Vor allem junge Menschen zog es in den Kinosaal – eigentlich untypisch für ein Kurzfilmfestival, findet Jimmy Grassiant. Der Student der Hamburger Media School trat mit seinem Film „Birdland“ an, ebenfalls einem Schwarzweißfilm, in dem sich zwei Saxophonisten duellieren. „Jeder, der einmal ein großer Regisseur werden möchte, fängt mit Kurzfilmen an“, meint Grassiant. Für ihn bietet der Kurzfilm eine Möglichkeit, neue Dinge auszuprobieren und experimentell zu arbeiten. Die Herausforderung: „Man hat gerade mal 10, 20 Minuten Zeit, eine tolle Geschichte zu erzählen. Da muss jedes Bild sitzen.“

Anne Walther kann es sich momentan einfach noch nicht leisten, längere Filme zu drehen. „15 Minuten zu finanzieren, das ist schon schwer genug“, sagt die Regisseurin. Ihr Abschlussfilm „Steinfliegen“ gewann am Samstag den Publikumspreis. Drei Jahre arbeitete sie an dem Stop-Motion-Film. „Stop Motion ist ziemlich aufwendig. Pro Tag schafft man nur drei bis vier Sekunden. Das können sich die Realfilmer gar nicht vorstellen“, erklärt Walther.

Auf Tuchfühlung mit dem Publikum

Für den Filmnachwuchs sind Festivals wie das XXS eine Möglichkeit, andere Leute aus der Filmbranche zu treffen, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Vor allem aber sind sie ein Ort, um hautnah die Reaktionen des Publikums zu erleben. „Ich mache Filme, um Menschen zu berühren. Und ob ich das geschafft habe, das merke ich am besten, wenn ich im Publikum sitze“, sagt Anne Walther. Dass sie es nicht unter die Top drei geschafft hat und keinen der „Kleinen Filmpreise“ bekommen hat, stört sie nicht. Hauptsache das Publikum ist glücklich, dass der Steinfliegenjunge Ferdi am Schluss doch noch geflogen ist. Mithilfe eines kleinen Mädchens.

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