Endlich Nichtraucherin – meine Geschichte vom Kampf gegen die Sucht

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Wie schafft es jemand, der mehr als zwanzig Jahre geraucht hat, mit dem Rauchen aufzuhören? Erfolgsgeschichten gibt es viele, Geschichten vom Scheitern auch, aber die werden eher ungern erzählt. Es gibt viele Methoden, um den Rauch-Stopp endlich zu schaffen. Ich habe es auf einem ungewöhnlichen Weg geschafft, Nichtraucher zu werden.

Mit Zigarete im Urlaub: ohne Worte

Mit Zigarette im Urlaub: ohne Worte

Bereits mit 13 Jahren habe ich angefangen zu rauchen, ich qualme also schon über 20 Jahre. Mehr als 48.000 Zigaretten habe ich in dieser Zeit verqualmt und damit meine Lunge mit ungefähr 292 Gramm reinem Teer belastet. Klingt eklig, oder? Ist es auch. Bei durchschnittlich sechs Zigaretten pro Tag habe ich in diesem Zeitraum mehr als 12.000 Euro (!) verraucht.

Aber Gesundheit lässt sich nicht mit einem Wert beziffern. Mein Husten, meine Kurzatmigkeit, Durchblutungsstörungen und meine unreine, fahle Haut zeugen von den Schäden, die ich mir mit dem Rauchen zugefügt habe. Natürlich habe ich bereits mehrfach versucht, vom Nikotin loszukommen, aber die Umsetzung ist eben nicht so einfach, wenn man so lange raucht, wie ich es getan habe. Nichtraucher*innen können das kaum nachvollziehen. Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München und dem Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden testeten in einer Studie das Suchtpotential von Nikotin im Gegensatz zu anderen Drogen. Das Ergebnis: Nikotin hat von allen Drogen das höchste Suchtpotential, Abhängige schafften es in der Studie leichter, die Finger von Alkohol oder harten Drogen zu lassen, als mit den Zigaretten aufzuhören.

Viele Sackgassen und Wege aus der Sucht

Viele propagieren die „Schlusspunktmethode“: Man setzt sich einen Termin und hört von heute auf morgen ohne Hilfsmittel auf zu rauchen. Das hat bei mir überhaupt nicht funktioniert: Gerade bei Stress griff ich wieder zur Kippe. Und ich glaube, dass das keine Frage von fehlendem Willen oder Disziplinlosigkeit (na gut, vielleicht ein bisschen) ist. Sonst habe ich eher einen starken Charakter, nur beim Nikotin hapert es: Der Geist ist stark, der Körper schwach – oder so ähnlich.

Auch Nikotinpflaster halfen mir nicht, hätten sie wohl auch nur, wenn ich entweder meinen ganzen Körper damit tapeziert oder aber meinen Mund damit zugeklebt hätte. Trotz höherer Dosis als empfohlen ergriff nämlich der Schmacht von meinem schwachen Körper Besitz, ich war sehr unruhig und endete, mal wieder rauchend und mit zerschlagenem Selbstbewusstsein.

Auch das Reduzieren der Nikotinmenge durch

a) Umstieg auf Zigaretten mit weniger Nikotin
und
b) das Reduzieren der Zigarettenanzahl pro Tag

brachte nicht das gewünschte Ergebnis: Ein paar Tage klappte das, aber dann rauchte ich wieder mehr, weil ich auf einer Veranstaltung in geselliger Runde oder unter Arbeitsstress war. So war das ein Auf und Ab, mal mehr mal weniger. Ein Ende war nicht abzusehen.

Ich kaufte mir sogar E-Zigaretten, inklusive verschiedener Liquids mit viel bis gar keinem Nikotin in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Aber auch das war nicht der „heilige Gral“  des Rauch-Stopps. Ist die Batterie erst mal unterwegs leer, dann ist der Weg zur nächsten Zigarette nicht weit. Das Teufelchen im Kopf erzählte mir dann, man nehme mit dem Liquid ja sowieso Nikotin zu sich, außerdem ist das ja jetzt nur eine Ausnahme mit der Zigarette, da die Batterie der E-Zigarette gerade leer ist. Im Endeffekt hatte ich dann immer wieder und immer mehr Tage dazwischen, an denen ich Zigaretten rauchte und trotzdem E-Zigarette dampfte. Eine Sackgasse!

Institut Bartoschek in Herne

Institut Bartoschek in Herne / Foto: Facebook-Profil

Sieben Tage Bedenkzeit

Dann hörte ich von der Möglichkeit, dank Hypnose mit dem Rauchen aufzuhören. Ich ging zum Institut Bartoschek für psychologische Dienstleistungen, welches auch Hypnosebehandlungen für Tabakentwöhnung anbietet. Das Institut habe bei ihrer Tabak-Entwöhnungs-Hypnose eine Erfolgsquote von 100 Prozent, sagt zumindest Inhaber Dr. Sebastian Bartoschek. Hört sich eigentlich zu gut an, um wahr zu sein: Also machte ich einen Termin aus.

Anamnese-Gespräch

Anamnese-Gespräch

Meine Hypnose-Therapeutin Nadine Bauers, die auch Psychologin ist, bietet mir bei der „Anamnese“, also dem Vorgespräch, das „Du“ an. Bei dem Therapeuten-Klienten-Verhältnis sei dieses nur zuträglich. Ich bin einverstanden.

„Beim ersten Termin finden wir zum Beispiel heraus, wie lange der Klient schon raucht, warum er aufhören möchte, was er bereits versucht hat, um aufzuhören und in welchen Situationen er raucht“, sagt Nadine.

Ausführliche Anamnesebögen

Ausführliche Anamnesebögen

Diese Informationen würden dann individuell in die Hypnose eingearbeitet, berichtet die 28-Jährige. Der darauf folgende 90-minütige Hypnose-Termin finde in der Regel eine Woche nach der Anamnese statt.

Den Hypnose-Termin legen wir sieben Tage später auf 17 Uhr, so dass ich danach möglichst keinen Stress habe. Mir wurde gesagt, dass es wichtig sei, dass ich in der Nacht zuvor ausreichend schlafe und ich am Tag der Hypnose nur wenig Koffein zu mir nehme. Sonst musste ich mich nicht besonders auf die Hypnose vorbereiten. Direkt vor der Hypnose rauchte ich die obligatorische „letzte Zigarette“ und war etwas aufgeregt. Dann ging es auch schon los.

Eisklotz im Bauch

Hypnose-Behandlung

Hypnose-Behandlung

Nadine zündet eine Kerze an und fragt mich, ob ich gerne leise Hintergrundmusik hören würde, was mir recht war. Das Sofa ist gemütlich, die Decken weich und die Wände kahl: Nichts lenkt mich ab.

Tatsächlich habe ich während meiner Hypnose-Sitzung die Kontrolle nicht verloren: Ich hätte die ganze Zeit über reden oder aufstehen können. Ich kann mich auch an viele Sachen aus der Hypnose erinnern: Als erstes bat mich Nadine, dass ich mich auf verschiedenste Dinge konzentrieren soll. Ich soll mich nacheinander auf verschiedene Muskeln konzentrieren, diese anspannen und entspannen, ähnlich der progressiven Muskelentspannung. Sie führt mich mit einer äußerst ruhigen Stimme langsam durch die verschiedenen Bereiche meines Körpers, vom Kopf bis zu den Füßen. Wie entspannt jemand ist, erkennt die Hypnose-Therapeutin an der Atmung.

Die Hypnose funktioniert nicht bei allen Menschen, bei mir schon

Die Hypnose funktioniert nicht bei allen Menschen.

Sie arbeitet danach viel mit Bildern. Ich soll mir zum Beispiel vorstellen, dass ich in einem Wald sei und  ein Wasserplätschern höre. Ich soll diesem Geräusch folgen und komme dann zu einen Wasserfall, den sie mir bildhaft beschreibt. Ich erinnere mich auch an einen Eisklotz in meinem Bauch, der meine Blockaden darstellen soll. Den Eisklotz soll ich mit einem Werkzeug meiner Wahl schmelzen, in meiner Vorstellung wähle ich die Wärme meiner Hände.

Wie nach einem Mittagsschlaf

Ich hatte vorher Sorge, ob ich mich genug entspannen kann, weil ich ein bisschen aufgeregt war, aber meine Anspannung fiel immer mehr ab: Nadine fordert mich sogar dreimal auf, meine Augen zu öffnen und wieder zu schließen. „Das mache ich, wenn ich meine, dass jemand so entspannt ist, dass er gleich einschläft“, erklärt sie nach der Hypnose lachend. Würde nämlich der Klient tatsächlich einschlafen, könne die Hypnose nicht wirken. Ich hatte übrigens gar nicht das Gefühl, dass ich einschlafe, und kann mich auch nur an zwei Aufforderungen zum Augen öffnen erinnern.

Nach eineinhalb Stunden holt mich Nadine „in die Wirklichkeit“ zurück und ich fühle mich zuerst wie nach einem Mittagsschlaf, also leicht daneben, was sich aber schnell legt.

Erste Erfolgserlebnisse…

„Wichtig ist nun, die Hypnose in den ersten 72 Stunden nicht zu analysieren und Situationen, in denen man sonst rauchen würde, zu vermeiden“, fordert mich Nadine auf. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Hypnose 72 Stunden brauche, um sich zu setzen, bis dahin habe man selbst die Verantwortung, nicht zu rauchen. „Super!“, denke ich desillusioniert, die ersten drei Tage nach dem Rauch-Stopp sind auch ohne Hypnose am schwierigsten. „Du wirst aber merken, dass du kaum bis gar keinen Suchtdruck hast oder möchtest du jetzt eine rauchen?“, fragt mich Nadine. Tatsächlich will ich nicht. Das fängt doch schon mal gut an, denke ich mir.

Sind Hypnosen wissenschaftlich untersucht und die Wirkung bestätigt?
„Wir führen nur Hypnosebehandlungen durch, die wissenschaftlich fundiert sind“, erklärt Nadine Bauers. Die Wirksamkeit sei in vielen wissenschaftlichen Studien belegt: Es wurde zum Beispiel festgestellt, dass durch Hypnose einige Angstpatienten*innen beim Zahnarzt bzw. Zahnärztin nicht mal mehr eine Betäubungs-Spritze benötigt hätten, erklärt Nadine. Sie selbst habe mal eine Klientin behandelt, die ein Fitnessarmband trug, welches den Puls misst. Zwei Wochen nach der Hypnose habe sich die Frau bei ihr gemeldet und erzählt, dass sie die Daten des Armbandes ausgelesen hätte: Ihr Ruhepuls liege sonst immer bei 80 Schlägen pro Minute, zum Zeitpunkt der Hypnose habe ihr Puls bei 40 Schlägen pro Minute gelegen. „Auch daran erkennt man, dass die Hypnose funktioniert und im Trancezustand die Körperfunktionen runtergefahren werden.“  Klient*innen blieben aber während der Trance immer ansprechbar und haben jederzeit die Kontrolle über Psyche und Physis.
Wie funktionieren Show-Hypnosen?
Die häufigste Frage, die Nadine Bauers bezüglich der Hypnosen gestellt bekommt, betrifft Show-Hypnosen: „Funktioniert das tatsächlich? Verlieren die Kandidat*innen auf der Bühne wirklich die Kontrolle und vergessen zum Beispiel ihren Namen?“ Show-Hypnotiseur*innen seien meisterliche Menschenkenner und könnten in fremden Menschen lesen wie in einem offenen Buch, berichtet Nadine. Das sei auch der Grund, warum immer einige der Kandidat*innen von der Bühne geschickt würden. Das seien Personen, bei denen sich Hypnotiseur*innen nicht sicher seien, ob funktioniere, was er mit ihnen vorhabe. „Show-Hypnotiseur*innen haben also hinterher nur noch ein paar Kandidat*innen auf der Bühne, die er als sehr empfänglich für Hypnose einstuft, außerdem wollen diese Kandidat*innen, dass die Hypnose funktioniert.“ Die Show-Hypnose, bei denen Personen zum Beispiel ihren Namen vergessen, funktioniert also bei einigen wenigen Menschen, aber sie sei immer zeitlich begrenzt, führt Nadine weiter aus. „Spätestens nach 15 Minuten wehrt sich das Gehirn dagegen, dass man seinen Namen nicht mehr kennt und löscht quasi die letzten Informationen – die durchgeführte Hypnose in diesem Fall.“
Hilft die Hypnose dabei, dass man nach dem Rauch-Stopp nicht zunimmt?
Im Vorgespräch erklärte mir Nadine Bauers, dass in jeder Raucher-Entwöhnungs-Hypnose dieser Umstand behandelt wird, so dass der Klient als Suchtverlagerung nicht vermehrt zu Süßen und Ungesundem greift. Ich war schon vor der Hypnose ungefähr seit einem Jahr äußerst disziplinlos mit Süßigkeiten und habe auch ein paar Kilo zugenommen. Das hat mir schon Sorgen bereitet, kaum einer möchte 5-10 Kilogramm zunehmen, weil er mit dem Rauchen aufhört. Nach zweieinhalb Wochen Post-Hypnose kann ich viel Positives berichten: Seit der Hypnose habe ich kaum Süßes gegessen und wenn nur ganz wenig. Auf einmal konnte ich mich da disziplinieren, was ich vor der Hypnose nicht hinbekommen habe.
Nikotinpflaster? Nein, danke!

Nikotin? Nein, danke!

Den ersten Erfolg erlebe ich noch am selben Tag der Hypnose. Abends habe ich privat richtig Stress. Eine Situation, in der ich sonst auf jeden Fall geraucht hätte. Aber ich entscheide mich bewusst dagegen und es fällt mir nicht mal schwer!

Nach einer Woche treffen wir uns zum ausführlichen Gespräch im Institut: In den ersten sieben Tagen flackerte das Rauch-Suchtverlangen ab und zu kurz auf, war aber nicht so problematisch, dass es mir wirklich schwer fiel, nicht zu rauchen. Wenn ich Rauch gerochen habe, hat es mich nicht gestört. Es war nicht wie sonst, wenn ich versucht hatte, aufzuhören. Dann dachte ich sofort: „Ich habe so Lust auf eine Zigarette“. Es fällt mir nun viel leichter, nicht zu rauchen.

Nadine bremst meine Euphorie: Wer lange geraucht hat, braucht noch länger, um von den Zigaretten loszukommen. Denn der Rückfall lauert überall. Und wer denkt, „die Hypnose richte es schon“, sei sowieso schief gewickelt: „Die Hypnose unterstützt nur den eigenen Willen, aber wer nicht wirklich aufhören will, der schafft es auch mit Hypnose nicht“, stellt Nadine klar. 

Nadine hat mich wiederholt darauf hingewiesen, dass ich mich von Zeit zu Zeit melden soll, auch damit sie sieht, was genau in der Hypnose bei wem funktioniert oder was eben nicht. Und: „In Einzelfällen ist es möglich, kostenlos eine Auffrischungshypnose zu erhalten, wenn dies nötig ist.“

Nach gut zwei Wochen bin ich total euphorisch, es tatsächlich geschafft zu haben. Ich hatte sogar einen stressigen Job, bei denen ich sonst immer geraucht habe. Und ich bin an allen Tagen standhaft geblieben und habe nicht geraucht.

…und der erste Rückschlag

Ich dachte wirklich, ich wäre über den (Nikotin-)Berg. Leider war das nicht der Fall: Nach über drei Wochen hatte ich auf einmal immer mehr „Schmacht“. Ich hatte das Gefühl, dass die unterstützende Hypnose-Wirkung abfällt und zwar von Tag zu Tag, immer mehr. Tatsächlich habe ich ein paar Tage später „NUR EINE Zigarette“ geraucht (mit einer fängt es immer an). Ich habe mich dafür gehasst. Wie kann man so disziplinlos sein? Ich hatte doch schon über drei Wochen hinter mir. Es ist ja nicht so, als wolle ich nicht aufhören, sonst würde ich es doch gar nicht versuchen! Es fiel mir auch wieder sehr schwer, mit Raucher*innen zusammen zu sein und nicht zu rauchen. Ich habe mich daraufhin im Institut gemeldet und von dem Rückfall berichtet. Ich bekam einen Termin zur Auffrischungssitzung. Diesmal hatte ich das Gefühl, mich nicht richtig entspannen zu können. Ich weiß nicht, woran das lag. Dieser Umstand machte mir Sorgen, dass die Hypnose nicht wirkt.

Aber: Hypnose zur Raucherentwöhnung kann funktionieren, aber eben nur als eine Unterstützung. Eine wirksame zwar, aber man muss vor allem einen starken eigenen Willen haben, die Hypnose ersetzt nicht die Disziplin. Auch wenn man sich hypnotisieren lässt, würde ich empfehlen, erstmal schwierige Situationen, in denen man sonst geraucht hat, zu meiden. Nicht nur für eins, zwei Wochen, sondern eher für ein bis drei Monate. Zudem könnte weitere Unterstützung, wie zum Beispiel autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga, Entspannungshypnose von CD und ähnliches für zuhause hilfreich sein. Ich hätte mich außerdem aus der Situation, in der ich rückfällig wurde, sofort verabschieden sollen und Freunde weiter darum bitten sollen, nicht vor mir zu rauchen – aber ich dachte zu früh, ich sei über dem Berg.

52 Tage rauchfrei

Mittlerweile habe ich 52 Tage nicht geraucht, obwohl es mir bei der ersten Hypnose zuerst leichter fiel, nicht zu rauchen, als nach der Auffrischungshypnose. Der Rückfall nach der ersten Hypnose hat mir bewusst gemacht, dass Hypnose kein Hexenwerk ist und die größte Kraft, eigene Gewohnheiten zu ändern, in mir selbst liegt. Ich muss es wollen, dann kann ich das auch schaffen. Und ich will endlich Nichtraucher sein und gesünder leben!

Beitragsbilder: Alexa Kuszlik 
Institut Bartoschek