Im Wettlauf mit dem Fahrstuhl

Das Zimmer im zehnten Stock ist sonnendurchflutet. Schwer atmend liegt Christian auf einer Tischreihe, den Kopf zum Fenster gewandt. Er kann kaum sprechen, ist völlig erschöpft. Wenig später übergibt er sich.

Christian ist einer der 26 Läufer, die am 20. Mai 2015 den Mathetower bezwungen haben. Seit vier Jahren läuft er beim Campuslauf der TU Dortmund 220 Stufen hoch und seitdem ist er ungeschlagen.

Lars während eines Interviews. Foto: Verena Mengel

Lars während eines Interviews. Foto: Verena Mengel

Konkurrenz droht ihm nur von Lars. Lars läuft seit Beginn des Mathetowerruns 2008 jedes Jahr mit. 2013 war er gemeinsam mit Christian Gewinner des Treppenlaufs. Wer denkt, dass es beiden primär um den ersten Platz geht, irrt jedoch. Wobei Christian zugibt, „wenn ich eine Chance sehe, Bester zu sein, versuche ich alles zu geben.“

10 Stockwerke in weniger als 60 Sekunden

Beide trainieren bereits Wochen vor dem Run im höchsten Gebäude der TU Dortmund. Das Ziel haben sie dabei fest vor Augen: Zehn Stockwerke in weniger als einer Minute. Zum Vergleich: Der Aufzug braucht 45 Sekunden – wenn er durchfährt.

Christian studiert übrigens Mathematik im Master und Lars ist Doktorand der Statistik – nicht etwa Sport. Kein einziger Sportstudent hat dieses Jahr am Treppenlauf teilgenommen, zu groß ist die Angst vor Verletzungen. Auch Christian und Lars haben in der Vergangenheit Zerrungen davon getragen. Das hat sie aber auch dieses Jahr nicht aufgehalten. Lars ist sogar trotz Erkältung mitgelaufen.

Um den Tower in weniger als 60 Sekunden zu erklimmen, benötigt es nicht nur Beinkraft, sondern auch starke Arme. Insbesondere auf den letzten Stockwerken, wenn die Beine schwach werden, ziehen sich Christian und Lars am Geländer hoch. In der Vergangenheit ist Christian zweimal ins Ziel gefallen statt zu laufen, weil ihn seine Beine nicht mehr tragen wollten. Für den ehrgeizigen Studenten ist es eine faszinierende Erfahrung, an seine Grenzen zu stoßen und ein Gefühl, das er vorher noch nicht kannte.

Beim Mathetowerrun gibt Christian alles. Foto: Maike Stutenbäumer

Beim Mathetowerrun gibt Christian alles. Foto: Maike Stutenbäumer

Eine weitere Hürde: Die Zeitmessung selbst

Der Kampf um die Minute ist aber von mehr als der sportlichen Leistung abhängig. Die Zeitmessung selbst ist eine Hürde. Denn wie schnell die Läufer tatsächlich den Tower hochrennen, ist schwierig messbar. Unten wird die Uhrzeit beim Start gemessen und im zehnten Stockwerk die Ankunftszeit. Daraus wird die Differenz berechnet, doch bereits hierbei kann es zu Fehlern kommen. Denn eigentlich sollten zwischen den Starts der Läufer zwei Minuten liegen. Das hat dieses Jahr jedoch nicht immer geklappt. Bei Christian lag die Messung zunächst sogar 30 Sekunden daneben.

Einen Funkkontakt zwischen den beiden Stoppuhren herzustellen, ist wegen des massiven Betons des Mathetowers nicht möglich. Deswegen müssen die Zeiten einzeln von Hand gemessen werden. Das ist allein schon wegen der Reaktionszeit von etwa einer Sekunde ungenau. Dazu wurden in diesem Jahr nur volle Sekunden gemessen. Für Christian und Lars ein Problem, da es bei ihnen um Hundertstel geht. 

Den Blick auf die Treppe im Video selber nacherleben 

Ob die beiden Favoriten die eine Minute geschlagen haben und wer dabei Erster und wer Zweiter in diesem Jahr geworden ist, seht ihr in diesem Video. Auf der linken Bildhälfte könnt ihr euch in Christian hineinversetzen und auf der rechten Bildhälfte in Lars. Viel Spaß!

 

Teaserfoto: Der Mathetower / Fakultät für Mathematik der TU Dortmund

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