Eine Messe, die unter die Haut geht

Vom 15. Juni bis zum 17. Juni 2012 fand die Internationale Tattoo und Piercing Convention in den Dortmunder Westfalenhallen statt. Hier konnte man den Künstlern über die Schulter schauen oder auch die Schulter zum Verschönern hinhalten.

Jeder kann sich auf der Messe direkt tätowieren lassen.

Jeder kann sich auf der Messe direkt tätowieren lassen. Fotos: Anastasia Mehrens.

Auffallen gehört hier zum guten Ton: rote oder grüne Haare, extravagante Schminke, schockierende Piercings und verrückte Tätowierungen. Menschen, die in ihrem Alltag als Tattoo-Freaks gelten, fallen auf der Messe unter all den Tattoo- und Piercing-Trägern nicht weiter auf. Aber auch diejenigen, denen man nicht sofort von außen ansehen kann, dass sie eine Leidenschaft für diese Kunst haben, sind hier zu finden.

In den Westfalenhallen treffen sich Tausende, die freiwillig ihren Körper stechen lassen möchten. Dort kommen sie in Kontakt mit denen, die es richtig gut können.
Während der Großteil der Besucher eher aus der Umgebung Dortmunds kommt, sind die Aussteller international aufgestellt: die USA, Großbritannien, Niederlande, Schweiz, Rumänien und natürlich auch viele andere Regionen Deutschlands. Die Aushängeschilder der Messe sind unter anderem die Hauptdarsteller der US-Fernsehserie „Miami Ink“. In der Serie tätowieren sie Menschen vor laufender Kamera.

Tattoo zum Mitnehmen

In der 5000 m² Halle ist immer Bewegung. Die Besucher laufen begeister von Stand zu Stand. Surrend verschönen die Stechnadeln einen Körper nach dem anderen. Die Möglichkeit aus ca. 300 Künstlern den richtigen für sich auszusuchen, nutzen viele. Auch Kilian Karcher aus Recklinghausen hat sich für ein Tattoo entschieden. Er wollte eigentlich schon längst ein haben. Die Messe hat ihn dann komplett überzeugt. „Der Tätowierer hat mir gefallen, dann dachte ich ´du machst das jetzt´. Ich lasse mir zwei Buchstaben, „GE“, auf der Wade stechen – Gelsenkirchen. Und das in Dortmund!“, erzählt Kilian.

Ein neues Tattoo für Kilian Karcher

Ein neues Tattoo für Kilian Karcher

In der Hoffnung einen richtigen Profi zu finden, kam Christina Heilmann zur Convention. Christina träumt schon seit Jahren von einem Tattoo. Allein die schlechten Erfahrungen ihrer Freundin haben sie davon abgehalten, ihren Traum wahr zu machen. „Ich glaube schon, dass hier die besten sind und hoffe, dass ich nachher keine Probleme kriege“, so Christina. Auch Veranstalter achten darauf, dass beim Tätowieren und Piercen alle geltenden Hygienevorschriften eingehalten werden.

Oma auf dem Oberschenkel

Viele der Besucher kommen schon mit konkreten Vorstellungen, von Bildern oder Schriftzügen, die sie auf dem Körper tragen möchten, zur Messe. Wer sich noch inspirieren lassen möchte, schaut sich die unzähligen Kataloge und die kreativen Ideen der Künstler an. „Im Trend sind zurzeit, Gott sei Dank, keine chinesische Zeichen mehr. Heute möchten die meisten eher Blumen, Ranken und Schmetterlinge haben“, sagt Franziska Kappe vom Tattoo Studio Dark Ink aus Halle (Saale). Auch die Old-School-Motive – Sterne, Anker, Herzen – die am Ende der neunziger Jahre auf dem Oberarm des Seemannes zu sehen waren, sind heute wieder sehr begehrt. Die neue Richtung in der Tattoo-Kunst ist laut Veranstalter das fotorealistische Motiv. Wenn einem das Foto im eigenen Portemonnaie nicht ausreicht, kann man sich das Portrait auf die Haut tätowieren lassen. So kann man jeder Zeit in die Augen von Oma oder dem gestorbenen Hund schauen.

Ca. 300 Künstler zeigen auf der Messe ihr Talent.

Ca. 300 Künstler zeigen auf der Messe ihr Talent.

„Oft sind das die Bilder von Kindern, manchmal auch Eltern – selten die Ehepartner“, erzählt D. Kanlert, Tätowierer aus Mülheim an der Ruhr.

Schmerzhaftes Vergnügen

Sobald die Entscheidung für Tattoo gefallen ist und man sich entschieden hat, welches Motiv es sein soll, wird es schmerzhaft. Wer ein Tattoo will, muss aushalten können. Und da scheinen die Frauen, laut Franziska Kappe, doch ein dickeres Fell zu haben: „Die Frauen halten beim Tätowieren grundsätzlich mehr aus. Die Männer sind eher wehleidiger“.

Das Bühnen-Programm lockt auch diejenigen, die keine Lust haben die Zähne zusammenzubeißen. Musik, Bodypainting, verschiedene Contests und Burlesque Shows sorgen für eine tolle Stimmung.
Im letzten Jahr konnte die Messe laut Veranstalter fast 25.000 Besucher anlocken. Und schaut man sich in den Westfalenhallen um, bleibt dieser Trend.

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