Mein Abend im…Westpark – hier liegen Leichen

Der Dortmunder Westpark ist ein beliebter grüner Fleck, umzäunt von Eisenbahnschienen und Straßen. Ein Ort für Musiker, Sonnenanbeter und Grillbegeisterte. Kaum zu glauben, dass hier früher mal ein Friedhof war. Vom stillen Totenhof zur lebendigen Spielwiese.

Josue spielt bei Irja die erste Gitarre. Fotos: Caroline Nagorski

Josue spielt bei Caro die erste Gitarre. Fotos: Caroline Nagorski

Unter dem strahlend gelben Blumenbeet verwesen Leichen. Ein ekliger Gedanke, da vergeht einem doch direkt die Lust am Grillen. Christian Stasch (33), Pilar Alfonso (30) und Aga Chlebesz (25), die sehr gerne ihre Steaks im Westpark brutzeln, schrecken zusammen. „Leichen? Genau unter uns?“ Doch ich kann die drei Westpark-Fans beruhigen. Heute finden hier keine Beerdigungen mehr statt, denn schon vor 100 Jahren wurde der Friedhof in eine Grünanlage umgewandelt. Nur noch ein paar alte Grabsteine und Naturdenkmäler, geschmacklos mit Graffiti beschmiert, erinnern an den alten Westentotenhof.

Josue liebt es, im Westpark seine Liebste zu streicheln

Heute ist er keinesfalls mehr ein Ort der Stille. Verschiedene Menschen und Kulturen treffen hier aufeinander, chillen, kicken, musizieren oder brutzeln ihre Würstchen. Neben dem idyllischen Vogelgezwitscher höre ich Klänge eines Instruments. Josue Partida (30) aus Mexiko liebt es, im Westpark seine Liebste zu streicheln. Er spielt nämlich leidenschaftlich Gitarre. Ihm und seiner Gesangspartnerin Caro (Name geändert) aus Dortmund gefällt besonders „die Diversität, die der Westpark bietet, und die grüne Natur“. Diversität? Ja ne, is klar. Aber auch mir fällt das multi-kulti Ambiente im Westpark auf. Plötzlicher Jubel und tosender Applaus im Hintergrund. Josue Partida fühlt sich geehrt, doch für ihn war der Applaus leider nicht.

BVB live im aufblasbaren XXL-Fernseher

Die Hüpfburg für Erwachsene

Die Hüpfburg für Erwachsene

Heute spielt der BVB. Der direkt am Park angesiedelte „Biergarten Erdmann“ überträgt live das Spiel auf einem aufblasbarem XXL- Fernseher. Ja, so etwas gibt es tatsächlich. Da macht das Zusehen doppelt so viel Spaß, denn die aufblasbare Leinwand streckt sich auf insgesamt vier mal drei Metern aus. Sieht aus wie eine Hüpfburg, nur das alle Seiten geschlossen sind und sich im Innenraum ein Beamer befindet. Dabei erzeugt die Rückprojektion selbst bei Tageslicht ein super Bild.

Fussball, Konzerte, Salsa-Abende

"Auch nen Bier?" Klar gönn´ ich mir auch ein Bierchen vom Boss persönlich.

"Auch nen Bier?" Klar gönn' ich mir auch ein Bierchen vom Boss persönlich.

Nicht nur der Park, auch das Erdmanns ist heute rappelvoll. Es steht eins zu eins. Ich hole mir ein kühles Bier. Hinter der Theke zapft der Besitzer des Biergartens, Klaus Erdmann, sogar selbst. Stress pur. Zahlreiche Fußballfans warten auf ihr Pils und dass ihre Schwarz-Gelben endlich ein weiteres Tor schießen. Das Erdmanns überträgt alle Spiele des BVB, aber organisiert auch andere Events. Hier treten Bands auf und es gibt Salsa-Tanzabende. Direkt neben dem Erdmanns kann man auf dem großen Bouleplatz eine ruhige Kugel schieben.

Keine lästigen Nachbarn

Falls das Grillfleisch ausgeht oder die Sonnenmilch leer ist, geht’s zum Supermarkt um die Ecke. Zusätzlich bietet der Park mehrere Schattenplätze und ganz viel Natur pur. Der perfekte Ort zum Abhängen und zum Glück kein Friedhof mehr. Viel zu schade, wenn hier nur Leichen liegen würden. Hier dürfen wir auch abends laut sein, ohne das lästige Nachbarn schellen oder gegen die Wände kloppen. Also raus aus den vier Wänden und ab in den Westpark.

Text und Fotos: Caroline Nagorski

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10 Comments

  • Caro sagt:

    Danke!

  • anwohner gecko sagt:

    „Ihr lasst euren Frust hier an der falschen Stelle aus. Wer an eine vielbefahrene Strasse zieht, kann sich nachher auch nicht über die Autos beschweren!“

    rein rechtlich gesehen besteht dort ein großer unterschied!
    ruhestörungen durch vielbefahrene straßen sind auch in den späten abend bzw. nachtstunden zulässig, lauter lärm in öffentlichen grünanlagen hingegen ist nicht erlaubt!

    wenn die anwohner von vielbefahrenen straßen jedoch eine lärmbelästigung feststellen, die über die nach der „ta lärm“ zulässigen höchstwerte in wohn- oder mischgebieten hinausgehen, müssen auch sie den lärm nicht einfach so hinnehmen!

    nur so als kleiner exkurs, mfg

  • ehemaliger Anwohner sagt:

    Hallo zusammen,

    ich habe ebenfalls am Westpark (Ecke Möllerstrasse Pilz-Eingang) gewohnt. Natürlich ist der Westpark gut besucht und ein toller Ort zum Abhängen. Ich selbst habe massig Zeit im Westpark verbracht, auch mit grillen ;-). Unter diesen Gesichtspunkten finde ich den Artikel sogar echt gut gelungen, spiegelt genau die Atmosphäre des Westparks wieder. Der Westpark hat mit Sicherheit auch seine schlechten Seiten, wie Dealer und zu stark betrunkene Leute. Aber in den späten Abendstunden ist es auch gar nicht mehr so laut und stark besucht. Mich hat es in meiner Wohnung, die wirklich direkt an den Westpark angrenzt, nie gestört. Finde die Kommentare deshalb teilweise arg übertrieben. Laute Musik und Leute ab 22Uhr sind auch Sache des Ordnungsamts, stimme deshalb meinem Vorkommentator vollends zu.
    Bleibt nur zu sagen, ein Park ist zum Besuchen da und somit gibts von mir einen Daumen hoch für den gelungenen Freizeittipp.
    Den sich ärgernden Anwohnern bleibt eigentlich nur zu sagen: Ihr lasst euren Frust hier an der falschen Stelle aus. Wer an eine vielbefahrene Strasse zieht, kann sich nachher auch nicht über die Autos beschweren!

  • Frank sagt:

    ..diese lauten Leute sind aber meist „Penner“ und ähnliches Volk.
    und wohl kaum der Durchschnittsbesucher.
    Das ist also kein Westparkproblem, sondern eigentlich ein Versäumnis seitens der Stadt, Politiker und der Polizei!

  • anwohner gecko sagt:

    Da muss ich mich anschließen, als ich den letzten abschnitt gelesen habe war das wie ein tritt vor den kopp…das is echt unverschämt sowas zu schreiben, du kannst ja gerne mal eine sommerwoche bei mir zum probewohnen kommen, dann kannst du die meinung der anwohnerin die auch meine ist mit sicherheit verstehen und würdest deinen text sehr schnell abändern!

    ich rufe min.3 mal die woche bei den grünen an und das mit sicherheit nicht weil ich lärmempfindlich bin. der spass hört halt schnell auf wenn nachts um 3, 4 oder um 5 laute parolen gegröhlt werden, irgendwelche idioten autoscheiben einschlagen, bier pullen rumfliegen oder wahlweise auch gerne unter der woche um 1 uhr noch gitarre gespielt wird, mit entsprechendem gruppengesang…
    die dealer stören mich da noch am wenigsten!

    gegen erholung bei musik spricht auch überhaupt gar nix, allerdings sollte nach dem gesetz um 22h ruhe sein, wenns mal 12 wird is ja auch nich so tragisch aber von party rund um die uhr zu sprechen is schon echt ne harte nummer…

    in diesem sinne

  • Caroline Nagorski sagt:

    Liebe anonyme Anwohnerin des Westparks,

    vielen Dank für Ihren Kommentar.
    Sie schildern einen negativen Eindruck des Westparks, den ich nicht nachvollziehen kann. In vielen Gesprächen mit Westparkbesuchern, die wie Sie ebenfalls Anwohner des Parks sind, habe ich keine negativen Meinungen erhalten. Im Gegenteil. Deren positive Erfahrungen habe ich in meinem Artikel wiedergegeben.

    Den Begriff Erholung kann jeder für sich selbst definieren. Die einen Besucher mögen die Friedhofsruhe, die Anderen erholen sich mit Freunden bei Musik.

    Caroline Nagorski

  • Anwohnerin sagt:

    Liebe Caroline,

    der Westpark ist keineswegs ein Ort „ohne Nachbarn“, wo erlebnisorientierte Egozentriker“ auch abends laut sein“ dürfen, ohne dass „lästige Nachbarn schellen oder gegen die Wände kloppen.“
    Die Anwohner des Westparks rufen nämlich gerne die Polizei, wenn Gegröhle und Gekreische sowie die massenweise mitgebrachten Soundmaschinen auch nach 22 Uhr noch nerven. Genauso bei offenen Lagerfeuern und Alkoholexzessen.

    Leichen gibt es im Westpark übrigens doch, sowohl unter der Ede als auch sichtbar, nämlich am Grillrauch erstickte Vögel sowie durch Glasscherben verletzte oder vergiftete Igel und Kaninchen, ab und zu auch noch lebende Alkoholleichen.

    Solche Propaganda wie von Ihnen braucht der Westpark in keiner Weise. Es handelt sich nämlich tatsächlich um eine Erholungsanlage und nicht um eine zusätzliche und kostenlose Partyarea für sozial minderbegabtes Partyvolk. Erholung aber bedeutet in erster Linie „Ruhe“ und nicht „Party machen“.
    Ruhe gibt es im Westpark dank solcher Artikel wie dem Ihren kaum noch. Stattdessen bei schönem Wetter Hunderte teils professioneller Grills mit entsprechenden Rauchschwaden, Lärm in jeder Ecke, von Menschen zugeschissene und vollgepisste Gebüsche, Drogendealer, Alkoholexzesse, ständige Polizeikontrollen und enorme Mengen an Müll im gesamten Park. Selbst die Kinderspielplätze sind mit Glasscherben übersät.

  • Frank sagt:

    Der Westpark ist durchaus ein wunderbarer Ort zum Entspannen!
    Man kann locker eine ruhige sonnige oder schattige Ecke finden;
    Nicht unbedingt in der Nähe vom Cafe Erdmann oder der angrenzenden Wiese,
    aber es gibt sie die kleinen Oasen im Park!

  • Franziska Weigt sagt:

    Stimmt genau, ein Ort der friedlichen Ruhe ist der Westpark nicht (mehr). Wer die stille Erholung sucht, wird hier nicht fündig. Auch Menschen die mit dem bösen D-Wort ihr Geld verdienen treten im Westpark in störender Häufigkeit auf.

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