Wissenswert – Der Börsengang

Foto: flickr.com/Karen Roe, Rafael Robles L, Lars Kasper, NASA Goddard Photo and Video; Montage: Marc Patzwald, Teaserfoto: flickr.com/poniblog

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Mit Spannung wird seit Monaten der Börsengang von Facebook erwartet. Seit heute können die Aktien an der NASDAQ in den USA gehandelt werden. Wie der Börsengang eines Unternehmens vorbereitet wird, was es mit „Road-Shows“ und „Bookbuilding“ auf sich hat und was von der Facebook-Aktie in Zukunft zu erwarten ist, erfahrt ihr hier.

Entscheidet sich ein Unternehmen an die Börse zu gehen, bietet es Firmenanteile in Form von Aktien zum Verkauf an. Das bedeutet, externe Interessenten können durch den Kauf von Aktien in das Unternehmen investieren. Damit gewinnen sie auch ein gewisses Mitspracherecht. Von diesem machen sie bei der Wahl des Aufsichtsrates Gebrauch. Tatsächliche Entscheidungen können die meisten Aktionäre nicht treffen, dafür ist ihr Anteil an der Firma zu gering.

Das Unternehmen hat durch einen Börsengang mehr Kapital zur Verfügung und kann mit neuen Projekten seinen Umsatz steigern. Das wiederum erhöht den Wert der Aktien und die Aktionäre können sie mit Gewinn verkaufen.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis

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Um Gewinn beim Verkauf zu machen, dürfen Aktionäre nicht den Wert-Höhepunkt ihrer Papiere verpassen. Bild: Gerd Altmann/allsilhouettes.com by pixelio.de,Teaserfoto: Thorben Wengert by pixelio.de

Aktien werden an den Börsen nach dem Angebot- und Nachfrage-Prinzip gehandelt. Das heißt, der Preis einer Aktie und damit der Börsenkurs ist der Betrag, zu dem Verkäufer bereit sind ihre Aktien abzugeben und Käufer bereit sind, sie zu erwerben. Das Geschäft wird von einem Makler abgewickelt. Makler kann zum Beispiel die Bank sein, bei der man sein Konto hat.

Bevor Aktien das erste Mal öffentlich an den Börsen gehandelt werden können, muss der Börsengang durch bestimmte Schritte vorbereitet werden. Dabei wird auch der Startpreis einer Aktie ermittelt, dafür ist der Erfolg des Unternehmens ausschlaggebend.

Pre-Marketing

Zu Beginn des Börsengangs steht die sogenannte Pre-Marketing-Phase. Diese beginnt mit der Vorlage eines Businessplans bei der Bank, oder den Banken, die den Börsengang begleiten sollen. Diese nennt man Konsortialbanken. Der Plan beschreibt die aktuelle Finanzsituation des Unternehmens und die voraussichtliche Entwicklung in den kommenden Jahren. Die Konsortialbanken prüfen das Unternehmen auf seine „Börsentauglichkeit“, indem sie sich die Umsätze der letzten Jahre anschauen. Zudem wird geprüft, ob das Unternehmen Pläne hat, die in Zukunft den Umsatz steigern könnten. Zum Schluss geben sie eine Empfehlungen ab, wie viele Aktien angeboten werden sollten und zu welchem Preis.

Anschließend beantragen die Konsortialbanken bei einer ausgewählten Börse die Börsenzulassung. Meist wird eine große Börse im Land des Unternehmenssitzes gewählt. Im Fall von Facebook ist das die NASDAQ in New York.

Bookbuilding

Zeitgleich erstellen die Konsortialbanken Analysen, die über das spätere Marktpotenzial des Unternehmens genaueren Aufschluss geben sollen. Diese Analysen und der Businessplan werden dann genutzt, um in der folgenden Bookbuilding-Phase das Interesse von Investoren zu wecken. In der Bookbuilding- Phase werden Präsentationen für mögliche Investoren organisiert, um ihnen das Unternehmen und dessen Potenzial „schmackhaft“ zu machen. Hierbei spricht man von Road-Shows. Zum Abschluss der Bookbuilding-Phase wird die Preisspanne bekannt gegeben, zu der man eine Aktie erwerben kann. Bei Facebook waren das ursprünglich 28 bis 35 Dollar. Diese Woche wurde die Preisspanne jedoch auf 34 bis 38 Dollar erhöht, da es zu einer so genannten Überzeichnung kam.

Das kommt vor, wenn es mehr Kaufinteressenten gibt, die Aktien „zeichnen“ – also vorbestellen – wollen, als das Unternehmen überhaupt auf den Markt bringen will. Genau das ist im Fall von Facebook geschehen. Das Unternehmen kann nun die Preisspanne für seine Aktien noch einmal erhöhen, um der Überzeichnung entgegen zu wirken. Rechnet man nun den Wert aller Aktien zusammen, ergibt sich damit eine Summe von 104 Milliarden Dollar für alle Facebook-Aktien.

Die Bücher sind geschlossen

Sind alle Aktien gezeichnet, schließen die Konsortialbanken ihre Bücher und teilen den jeweiligen Investoren ihr Aktienpaket zu. Dies geschieht meist ein bis zwei Tage vor dem endgültigen Gang an die Börse. Der erste Kurs, mit dem die Aktie an der Börse eröffnen wird, steht nun fest. Ab dem Tag, an dem die Aktien öffentlich an der Börse gehandelt werden, kann sich ihr Preis ändern. Das Unternehmen hat nun keinen direkten Einfluss mehr auf den Preis.

Häufig kommt es vor, dass der Aktienpreis am ersten Tag an der Börse sprunghaft nach oben geht. Die Investoren, die es geschafft haben, vorher von den Konsortialbanken ein Paket zu erwerben, machen damit innerhalb von einem Tag enorme Gewinne. Genau dieser Effekt wird auch bei Facebook-Aktien erwartet. Dementsprechend hoch waren die Anfragen bei den Konsortialbanken.

Bild: Rainer Sturm by pixelio.de

Die NASDAQ hat an der Wall Street ihren Sitz. Bild: Rainer Sturm by pixelio.de

Für private Anleger außerhalb von den USA war es nicht möglich ein Facebook-Aktienpaket von einer Konsortialbank zu erwerben. Sie können erst ein bis zwei Tage nach der Eröffnung an der NASDAQ Aktien kaufen. Dann sind diese auch an anderen Börsen, wie beispielsweise der in Frankfurt, über einen deutschen Makler zu erhalten.

Keine guten Prognosen für Facebook

Ob Facebook die hohen Erwartungen erfüllen kann und der Aktienkurs auch langfristig hoch bleiben wird, ist fraglich. Das Unternehmen müsste dann in den nächsten Jahren dauerhaft seinen Umsatz zu 100 Prozent steigern. Das bedeutet, sie müssten jedes Jahr doppelt so viel Geld einnehmen, wie das Jahr davor. Schon vergangenes Jahr ist das allerdings nicht gelungen. 2011 ereichte Facebook nur eine Steigerung von knapp über 50 Prozent. Für ein normales Unternehmen wäre das enorm, doch bei Facebook sind, aufgrund des sprunghaften Wachstums der letzten Jahre, die Erwartungen sehr hoch.

Vermögensverwalter Dr. Jens Ehrhardt riet gegenüber der ARD vom Kauf der Facebook-Aktie ab. Er bewertet das Chance-Risiko-Verhältnis als sehr ungünstig. Bedeutet: Das Risiko, Geld durch sinkende Kurse zu verlieren sei höher, als welches zu gewinnen. Auch der erfahrene Investor Warren Buffett sieht Facebook nicht als solide Geldanlage, sondern eher als eine „Mode-Aktie“, die er schlecht bewerten könne.

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