Meister im Namen des Herrn

In der Dreifaltigkeitskirche am Borsigplatz fing vor 102 Jahren alles an: Die Jugendgruppe der Gemeinde gründete im ein paar hundert Meter entfernten Restaurant “Zum Wildschütz” den Ballspielverein Borussia. Am Dienstag, anlässlich der deutschen Meisterschaft, feierte die katholische Gemeinde am Borsigplatz einen ganz besonderen Gottesdienst zu Ehren ihrer Borussia.

Hier fing alles an: Die Dreifaltigkeitskirche am Borsigplatz. Foto: Birte Möller

Hier fing alles an: Die Dreifaltigkeitskirche am Borsigplatz. Foto: Birte Möller

Schon der erste Schritt in das Innere der Kirche verrät, dass das hier keine normale Kirche ist. Der Innenraum gleicht einer Art Borussenmuseum, an Säulen wird die Geschichte des Vereins und der Gemeinde erzählt. Neben dem Altar steht eine Leinwand, auf der Bilder der Meisterfeier vom vergangenem Sonntag gezeigt werden. Der Gottesdienst beginnt mit dem Hereintragen einer BVB Fahne durch Mitglieder des christlichen Fanclubs “Totale Offensive”, während die Orgel im Hintergrund die Melodie zu “Wer ist deutscher Meister?” spielt.

Nachdenkliche Worte zu Beginn der Predigt

Geleitet wird der Gottesdienst vom Pfarrer der katholischen Hochschulgemeinde, Peter Jochem. Er habe Bedenken gehabt, als die Anfrage der Gemeinde kam, diesen Meistergottesdienst zu leiten, gab Jochem zu Beginn seiner Predigt zu. Der erste Gedanke, der ihm gekommen sei, war: “Springt die

Leitete den Gottesdienst: Hochschulpfarrer Peter Jochem. Foto: khg-dortmund.de

Leitete den Gottesdienst: Hochschulpfarrer Peter Jochem. Foto: khg-dortmund.de

Kirche jetzt auf den Erfolgskurs auf?” Doch nach reiflicher Überlegung sei ihm klar geworden, was die Mannschaft mit der Stadt Dortmund und ihren Fans gemacht hat. “Die Leistung dieser jungen Mannschaft, die mit so viel Spielfreude und Zusammenhalt diesen Erfolg geschafft hat, zeigt, dass es nicht genügt, einen Verein nur mit Finanzen zu gestalten.”

Ursprung im Jubiläumsjahr

Der Ursprung der BVB Gottesdienste liegt im Jahr 2009, dem Jubiläumsjahr der Borussia. Anlässlich der 100-Jahr-Feier wurde vor zwei Jahren in der Gründerkirche ein ganz besonderer Gottesdienst veranstaltet. Zu Beginn der Rückrunde dieser Saison kam der Gemeinde dann die Idee, regemlmäßige Fangottesdienste zu den Spielen der Borussia zu veranstalten. Ein Meistergottesdienst war dann nur noch die logische Konsequenz. Das Konzept ging auf und lockt Fans über die Gemeindegrenze hinaus an den Borsigplatz. “Ich komme aus Bochum und reise zu jedem BVB Gottesdienst hier in der heiligen Dreifaltigkeit”, sagt Sven Hoffmann, der wie viele Andere mit BVB Schal bewaffnet an der Messe teilnimmt. Es sind so viele schwarz-gelbe Kleidungsstücke zu sehen, dass man schnell einmal vergisst, wo man sich befindet.

Schon lange in der Gemeinde aktiv: Hannelore Spigarski, Annemarie Bauch, Christine Förster und Agnes Grill. Foto: Birte Möller

Schon lange in der Gemeinde aktiv: (v.l.) Hannelore Spigarski, Annemarie Bauch, Christine Förster und Agnes Grill. Foto: Birte Möller

Der letzte Fangottesdienst der Saison fand am Samstag, anlässlich des letzten Saisonspiels statt. “Da hätten Sie mal hier sein müssen”, sagt Gemeindemitglied Annemarie Bauch, „da war die Kirche  rappelvoll und es kamen sogar Besucher aus Ungarn und Tirol extra für unseren Gottesdienst hierher.” Annemarie Bauch ist schon seit über 20 Jahren in der Gemeinde tätig und erzählt stolz, dass auch sie mitgeholfen hat, den Meisterschal zu stricken, der einmal um den Borsigplatz reichen sollte. “Am Ende hätte man den bestimmt drei mal um den Borsigplatz wickeln können, so viele Leute haben sich beteiligt.” Auch bei der Meisterfeier war sie am Wochenende gemeinsam mit ihren Freundinnen dabei.

Sven Hoffmann reiste extra aus Bochum an. Foto: Birte Möller

Sven Hoffmann reiste extra aus Bochum an. Foto: Birte Möller

Im Anschluss an den Meister-Gottesdienst durfte auch das Vereinslied nicht fehlen. Dafür man sich etwas Besonderes ausgedacht: Die Gemeinde ist gemeinsam runter zum Borsigplatz gegangen und  hat dort lauthals: “Ball-Heil Hurra, Borussia!” gesungen. Der einzige Wehrmutstropfen sei, dass die Kirche nicht so voll war wie erwartet, sagt Annemarie Bauch. Doch auch so ist die Begeisterung rund um die BVB Geburtsstätte eindrucksvoll zur Schau gestellt worden.

Vor 102 Jahren fing alles an

Borussias Ursprung liegt übrigens im Dezember 1909. Die Jugendgruppe der Gemeinde spielte schon seit einigen Jahren auf der “Weißen Wiese”, im heutigen Hoeschpark, Fußball. Aus Protest gegen die mangelnde Jugendarbeit der Kirche entstand die Idee, einen eigenen Fußballverein zu gründen. Aus diesem Anlass trafen sich rund 40 Mitglieder der Jugendgruppe im Restaurant “Zum Wildschütz”, an der Oesterholzstraße, wo sich heute eine Pommesbude befindet. Noch am gleichen Abend wurde dort der BVB gegründet. Die Dreifaltigkeitskirche bezeichnet sich deshalb zu recht auch heute noch als die Gründerkirche der Borussia.