Von Beruf: Schamanin

Es ist nicht schwer, die Schamanin zu finden. Sie steht an einem kleinen Stand, an dem Trommeln und Flyer ausliegen. Mit krummer Hakennase, den langen weißen Haaren, die ihr über die Schulter hängen. „Ich sollte mit meinen sechzig Jahren doch eine alte Lady sein“, sagt Uschi Omland und lacht. Am besten mit Knoten in den Haaren.“ Und sie nimmt ihre silbernen Strähnen in die Hand. „Aber das bin ich nicht“, sagt sie. „Unabhängig davon, ob Schamanin oder nicht.“

Uma Uschi Omland ist Schamanin (Foto: Rudolph)

Uma Uschi Omland ist Schamanin (Foto: Niklas Rudolph)

Vor ihrer Krankheit war Uschi Omland Lehrerin. Kunst und Französisch am Gymnasium. Dann kam der Knall. „Ich konnte nie Stopp sagen“, erzählt Omland. „Ich hatte drei Kinder, zwei in der Pubertät, einer ganz klein. Dazu die besonderen Herausforderungen an der Schule. Und dann bin ich krank geworden.“ Die Diagnose: Schilddrüsenentzündung. Ein Verbennungsprozess, der alle inneren Organe befällt. Lange Zeit war Uschi Omland ans Bett gefesselt, begleitet von starken Fieberschüben. Und da begann ihr Trip.

„Mein Kopf, der sonst brillant funktionierte, fragte nicht mehr, wo komme ich her? Wo muss ich hin und warum? Ich lief stattdessen über australische Erde, gefühlt für Tage und Wochen.“ Dabei konnten die eigenen Beine sie nicht mehr tragen, sie lag abgemagert in einem Krankenbett. „Die Ärzte haben mir 48 Stunden gegeben, wenn ich nicht sofort auf die Intensivstation käme. Aber dieses Gehen auf roter Erde hat mir Kraft gegeben. Heute in der Rückschau würde ich sagen, dass dies meine Initiation, meine Einweihung in das Schamanentum war.“

Fast drei Jahre brauchte Uschi Omland, um sich von der Krankheit zu erholen. Schnell war für die Krefelderin klar: „An die Schule zurück, das kann ich nicht.“ An der Volkshochschule kam sie mit Trancezuständen in Kontakt. Sie studierte anhand antiker Skulpturen archaische Körperhaltungen – „das hatte ja etwas mit Kunstgeschichte zu tun, und das interessierte mich.“ Für Omland steckt in den Skulpturen mehr als nur Dekoration. „In den Figuren steckt ein Wissen, das uns dabei helfen kann, die Bewusstseinsebenen zu wechseln.“ Sie bildete sich weiter und gab schließlich selbst Kurse, leitete Gruppentherapien mit den Körperhaltungen, sang dazu, rasselte, trommelte.

 

Omland wäre nicht auf die Idee gekommen, sich als Schamanin zu bezeichnen. Doch in einem ihrer Kurse sei plötzlich etwas Merkwürdiges passiert. „Da kam eine junge Frau auf mich zu“, erzählt Omland, „und als sie vor mir stand, bekam ich eine Eiseskälte im Bauch. So etwas war mir noch nie passiert.“ Omland habe die Frau gebeten, sich untersuchen zu lassen. „Und in dem Moment hat sie gesagt, dass sie seit Jahren riesige Probleme im Bauch hat und deshalb schon immer in Behandlung ist.“ Und dann sagte die junge Frau den entscheidenden Satz, der Omlands Leben verändern sollte:  „Wenn du keine Schamanin bist, dann gibt es die überhaupt nicht.“ 

Omland fing an, offen als Schamanin zu praktizieren. „Am Anfang habe ich es noch geheim gehalten. Ich wohne in einem sehr kleinen Dorf, viele Leute sind katholisch.“

Die Kunden kommen zu ihr nach Hause. Die Behandlungen dauern oft mehrere Stunden. Zunächst sucht Omland das Einzelgespräch mit den Kunden. Was bei Omland klingt, wie Übersinnliches, ist das Handwerkszeug eines Seelsorgers: „Ich könnte sagen, da sitzt ein Luchs neben mir. Der macht mich darauf aufmerksam, wenn bestimmte Worte fallen. Und durch diese Tür muss ich dann gehen. Dahinter ist ein Raum und der blockiert diese Person.“

Wer nicht zu Omland nach Hause kommt, nimmt an ihren Seminaren teil. Die tragen Namen wie „Auf dem Rücken der gefiederten Schlange“ und kosten zwischen 20 Euro für einen Abend und 100 Euro für einen ganzen Tag.

Musik spielt in der schamnanischen Arbeit eine wichtige Rolle:

 

Omland verkauft CDs mit ihren Gesängen. Sie schwört auf die beruhigende Wirkung – „mein Sohn hört sich die CD immer beim Autofahren an“. 15 Euro das Stück. In der GEMA ist sie auch angemeldet. Denn irgendwann will auch eine Schamanin ihr Haus einmal abbezahlt haben.

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