Kultur in Dortmund 2011

2010 ist vorbei und damit auch das Jahr der Kulturhauptstadt. Was war in den letzten Monaten in Dortmund nicht alles los?! Unzählige Veranstaltungen, Kulturevents und Partys – und alles im Rahmen von Ruhr.2010. Doch auch, wenn wir jetzt 2011 haben und damit Tallinn (Estland) und Turku (Finnland) die neuen Kulturhauptstädte sind, bedeutet das nicht, dass in Dortmund kulturell tote Hose herrscht. Im Gegenteil: Das neue Jahr hat einiges zu bieten. pflichtlektüre-Reporterin Cathérine Wenk präsentiert im Kulturkalender 2011 eine ganz persönliche Auswahl an Veranstaltungen. Kulturkalender TheaterAm 7. Mai feiert das Stück „Bluthochzeit“ im Dortmunder Schauspielhaus Premiere. Geschrieben wurde es von dem berühmten spanischen Schriftsteller Federico García Lorca. Es geht darin um ein junges Paar, das kurz vor der Hochzeit steht. Doch statt ihren Bräutigam, liebt die Braut jemand anderen. Kurzerhand entschließt sie sich mit ihm zu fliehen. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen.

„Bluthochzeit“ kreist um die großen Themen Liebe und Hass und bewegt sich dabei zwischen Tragik und Poesie. „Ich glaube, das wird ein sehr kraftvoller und leidenschaftlicher Abend mit großen Gefühlen, großen Dramen und einem großen Ensemble werden“, verspricht der Dortmunder Schauspieldirektor Kay Voges. Regie bei dem Stück führt Paolo Magelli, ein international bekannter Theatermacher, der schon an den großen Bühnen der Welt, wie Paris, Rom und Moskau, engagiert war. „Ich freue mich, dass wir das einzige Theater in Deutschland sind, an dem er auch inszeniert“, sagt Voges. Für alle, die von „Bluthochzeit“ noch nicht überzeugt sind, für die hat Schauspielchef Voges noch eine ziemlich spektakuläre Ankündigung: „Man munkelt gerade, dass echte Pferde auf der Bühne sein werden.“ Wenn das nicht Anlass genug ist, mal wieder ins Theater zu gehen…

Kulturkalender "Musik"Wer Lust auf Musikalisches hat, dem kann die Reihe „Pop-Abo“ im Dortmunder Konzerthaus empfohlen werden. Fünf verschiedene Künstler treten hier von Januar bis Juni auf. Mit dabei sind unter anderem Sophie Hunger, Gisbert zu Knyphausen und William Fitzsimmons, von denen jeder seinen ganz eigenen, individuellen Stil besitzt. So bewegen sich Hungers Songs zwischen Folktradition, Jazzpop und Neo-Soul. Zu Knyphausen präsentiert seine melancholischen und tiefsinningen Texte, die mal sanft und ruhig, mal schnell und laut arrangiert sind. In den Songs von Singer-Songwriter William Fitzsimmons erklingen bunte, facettenreiche Melodien, die sich mit Elementen der klassischen Musik verbinden.

Kulturkalender AusstellungAusstellungen, in denen die Kunst nicht zwingend an der Wand hängen muss, gibt es in diesem Jahr gleich mehrere Male in Dortmund zu sehen. Dazu gehört auch die Schau „Bild für Bild“ des Museums Ostwall, das sich seit dem letzten Jahr im Dortmunder U befindet. In „Bild für Bild“ geht es um das Verhältnis von Film und zeitgenössischer Kunst. Die Werke stammen aus der Sammlung des berühmten Museums „Centre Pompidou“ in Paris. „Die Ausstellung ist in verschiedene Kapitel gegliedert. Hier wird betrachtet, wie filmische Aspekte, also zum Beispiel Montage, Rhythmus und Bildlauf, in den verschiedenen Kunstformen auftauchen und vermittelt werden“, erklärt Anna Koch, kuratorische Assistentin.

Ein Gang durch die Ausstellung, die noch bis zum 25. April läuft, macht erfahrbar, wovon Koch spricht: Wandobjekt und Projektion verbinden sich zu einer thematischen Einheit, die Grenze zwischen Bild und Film wird ausgelotet. „Den Besucher erwartet ein ungewohnter Seheindruck, der durch die Gegenüberstellung von filmischen mit statischen Arbeiten, wie Fotografie und Malerei, zustande kommt“, erzählt Koch. Neben diesen Werken gehört zur Ausstellung übrigens ein ganz besonders pflegeintensives Exponat. Es nennt sich „Milchstein“ und stammt vom Künstler Wolfgang Laib. „Jeden Tag müssen wir dieses Objekt, das aus einem Marmorstein besteht, mit sechs Litern Milch begießen. Zuvor muss natürlich die Milch vom Tag vorher mit einem Schwamm abgenommen werden“, erklärt Koch. Mithilfe der Milch bekommt der Marmorstein eine glatte, ebene Oberfläche und erinnert so an eine Filmleinwand. „Das Objekt wird zu einer weißen Projektionsfläche auf dem Boden“, erläutert Koch.

„Bild für Bild“ ist eine sehenswerte Ausstellung, die für den Besucher ein Wechselspiel zwischen Film und statischer Kunst entstehen lässt. Die Projektionen und Videoinstallationen ermöglichen eine ganz persönliche Einbindung und Auseinandersetzung mit dem Gezeigten. Ein Museumsbesuch der besonderen Art.

Kunst aus der Region

Junge Kunst aus der Region gibt es in diesem Jahr beim Dortmunder Kunstverein zu sehen, der unabhängig von den städtischen Museen existiert. Vom 4. Februar bis zum 27. März stellt hier die Düsseldorfer Künstlerin Katy Feuersenger aus. „Katy Feuersenger ist Zeichnerin und beschäftigt sich in ihren Arbeiten schon seit Jahren mit der Übertragung der Zweidimensionalität in die Dreidimensionalität“, erzählt Sandra Dichtl, künstlerische Leiterin des Vereins. „Dabei geht es auch darum, wie man den Betrachter in die Zeichnungen mit reinholen kann“.

Nachdem Feuersenger dies bisher über besonders großformatige Papierarbeiten getan hat, wird sie in der Ausstellung im Kunstverein ihre Zeichnungen zum ersten Mal direkt auf die Wand übertragen. Werke im Graffiti-Stil bekommen die Besucher aber nicht zu sehen. „Man muss dazu sagen, dass die Zeichnungen von Katy Feuersenger in der letzten Zeit sehr fein geworden sind. Das heißt, es geht tatsächlich um Zeichnungen, die fast in einer Art von Andeutung verbleiben, also um ganz kleine Pünktchen, die sich dann zu einem großen Eindruck zusammenfügen“, erklärt Dichtl. Daher, so die künstlerische Leiterin, trage die Ausstellung auch den Titel „invisible matters/ Unsichtbare Angelegenheit“. „Denn zunächst wird es hier in den Räumen teilweise sehr leer aussehen. Die Zeichnungen werden sich dann erst auf den zweiten Blick erschließen, wobei hier die ein oder andere dabei ist, die direkt in den Raum hineinspielt.“ Statt hinter Glas verborgen, werden die Werke in dieser Ausstellung in ihre Freiheit entlassen. Wer das Spannungsfeld zwischen Kunst und Räumlichkeit entdecken möchte, sollte sich die Ausstellung von Katy Feuersenger unbedingt ansehen.

Kulturkalender "Spezial"Vom 20. März bis zum 17. April gibt es die Gelegenheit, die unterschiedlichsten Seiten der jüdischen Kultur kennenzulernen – und zwar im Rahmen der Jüdischen Kulturtage. Erstmals finden sie in diesem Jahr in ganz Nordrhein-Westfalen und damit auch in Dortmund statt. Am 20. März steigt hier zudem die offizielle Eröffnung im Opernhaus. Ob Tanz, Theater, Musik oder andere kulturelle Veranstaltungen: Einen Monat lang gibt es an bestimmten Orten in Dortmund jüdische Kultur zu erleben.

So findet im Roto-Theater ein Rezitationsabend mit Werken der Schriftstellerin Rosa Ausländer statt. Das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte zeigt Arbeiten des jüdischen Künstlers Benno Elkan. Am 24. März tritt der Geigenvirtuose Nigel Kennedy zusammen mit der polnischen Band „Kroke“ im Dortmunder Konzerthaus auf. Claudia Kokoschka, Leiterin des Dortmunder Kulturbüros, empfiehlt die israelische Theatergruppe „Orto-da“, die am 2. April im Theater im Depot zu Gast ist: „Die Gruppe hat eine ganz ausgefallene Inszenierung, wo sie sich wie das Mahnmal zum Gedenken an den jüdischen Aufstand im Warschauer Ghetto aufstellen und dann anfangen, dieses Denkmal leben und in Spielszenen rein finden zu lassen.“

Bei solch einem vielfältigen Programm ist an den Jüdischen Kulturtagen für jeden etwas dabei. Noch wichtiger als die Wahl der passenden Veranstaltung ist aber vor allem eins: Die Jüdischen Kulturtage zeigen, wie ein gelungener Austausch zwischen den Religionen aussehen kann.

Kulturkalender "Geheimtipp"Wer Lust auf hippe Leute, interessante Kunst und ein bisschen Berliner-Galerie-Atmosphäre hat, muss sich die „Neue Kolonie West“ ansehen. Im letzten Jahr haben sich die Künstler rund um die Rheinische Straße zu diesem Netzwerk zusammengeschlossen. Alle zwei Monate, das nächste Mal Anfang März, öffnen sie nun ihre Türen. Mit dabei sind aber nicht nur Künstler aus dem Quartier „Rheinische Straße“, auch Ateliers aus der Nordstadt oder anderen Stadtteilen können in temporär angemieteten Räumen ausstellen.

„Spannend macht das Ganze, dass es hier viele versteckte Orte gibt, die zur Kolonie bespielt werden und die man so entdecken kann. Außerdem haben wir hier eine große Vielfältigkeit innerhalb der ausgestellten Arbeiten, die zudem sehr professionell sind“, erzählen Simone Czech und Stephanie Brysch von der galerie 143, die ebenfalls zur „Neuen Kolonie West“ gehört. Um die freie Dortmunder Kunstszene kennenzulernen, ist man hier genau richtig.

Mit Grafiken von Sarah Zoche.

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