Alles rund um Hund und Pferd

In den Dortmunder Westfalenhallen hatte an diesem Wochenende jeder zweite Messebesucher eine kalte Schnauze, große Kulleraugen und ein weiches Fell.
Die mittlerweile fünfte „Hund & Pferd“ -Messe lockte wieder weit über 70.000 Besucher an und fast jeder hat das Schoßhündchen oder auch den Wachhund von zu Hause mitgebracht.

Hauke Peggen besucht mit seinem Hund Clooney die Messe. Foto: Kerstin Börß

Hauke Peggen besucht mit seinem Hund Clooney die Messe. Foto: Kerstin Börß

Wenn man dann, mit oder ohne den treuen Begleiter, durch die großen Hallen schlendert, bekommt man das Gefühl durch einen überdimensionalen Spielzeugladen zu gehen. Doch das, was wie ein Holzbrettspiel für Vorschüler aussieht, ist eine Art Gesellschaftsspiel für das Herrchen und seinen Vierbeiner. Der Hund muss Klötzchen verschieben und das vom Menschen versteckte Leckerli finden. „Später kann der Hund dann Socken bringen oder Schubladen öffnen“, erklärt Kathrin Weinert. Natürlich gibt es an ihrem Stand auch Apportierspielzeuge. Die klassischen Tennisbälle sucht man allerdings vergebens. Knallbunte Tierfiguren, die aussehen, als hätte man sie frisch aus einem Kinderbett geklaut, fliegen heutzutage über Felder und Wiesen.

Die Ähnlichkeit zwischen Kind und Hund scheint also geklärt. Dass solch ein Tier noch mehr menschliche Züge in sich trägt, zeigt sich am Futterstand für Allergiker. Wenn das liebe Tier unter Juckreiz, Pusteln oder Durchfall leidet, kann das an Unverträglichkeit gegenüber Schweine-, Rindfleisch oder Weizen liegen. Diese Sensibelchen fressen aus ihrem Topf dann, laut Futterexpertin Eva Sailer, besser Mahlzeiten, basierend auf Reis, Truthahn und Pute.

Wenn der allergische Hund dann sein spezielles Futter diniert und sein Gehirn mit Holzspielen auf Trab hält, fehlt nur noch eine Sache für ein erfülltes Leben – auf Reisen gehen. Folglich fehlt auf der Messe natürlich auch der hundefreundliche Urlaubsanbieter nicht. Nahe gelegene Ziele wie Holland, Belgien, oder auch Dänemark sind die Gebiete, in denen die meisten deutschen Bellos am Strand herumtoben.

Charlotte aus Holland im Zwiegespräch mit Hund James. Foto: Kerstin Börß

Charlotte aus Holland im Zwiegespräch mit Hund James. Foto: Kerstin Börß

Doch auch das Frauchen darf natürlich nicht zu kurz kommen. So stöbert der mehrfachtätowierte Doggenbesitzer, der schon zwei Tüten – randvoll mit getrockneten Schweineohren – mit sich trägt, nach einer goldenen Kette mit Doggenanhänger für seine wasserstoffblonde Freundin. Doch nach einem Blick auf die Preise wendet er sich murmelnd ab: „Da muss ich wohl noch was mehr schwarz arbeiten…“
Vielleicht hilft aber auch einfach der Platz auf dem Siegerpodest bei der Bundessieger & Nationalen Ausstellung des Verbandes für das Deutsche Hundewesen. Über 10.000 Hunde aus mehr als 240 Rassen wettstreiten dieses Mal um die Pokale und Schleifchen. In den Bewertungshallen riecht es nach Haarspray und Angstschweiß. Ob dies an den frisch frisierten Pudeln oder doch den ebenfalls perfekt gestylten Menschen liegt, sei dahingestellt.

Der kleine Clooney aus Wegberg macht sich um all das Tohuwabohu gar keine Gedanken. Er entspannt auf einem Stück Rasen neben den Hallen. Besitzer Hauke Peggen gönnt seinem Vierbeiner eine kleine Pause, obwohl er sich sicher ist, dass Clooney von der Messe nicht gestresst ist: „Das ist dem egal. Hauptsache er bekommt zum Schluss was zu fressen.“
Ein paar Meter weiter hinterlässt ein etwas ambitionierterer Hund gerade ein Häufchen. James ist ein Welsh Corgi Cardigan und ist amtierender Bundesjugendsieger. Um sich auch in Dortmund zu präsentieren, hat er mit Frauchen Charlotte Olsthoorn extra den weiten Weg aus Papendrecht in Holland auf sich genommen.

Im Gegensatz zu den Hunden sind viele Pferde auf der Messe nur aus Plastik. Foto: Kerstin Börß

Im Gegensatz zu den Hunden sind viele Pferde auf der Messe nur aus Plastik. Foto: Kerstin Börß

Holländer finden sich auch in dem Pferdeteil der Messe. Lautstark preisen die Oranjes dort die günstigsten Satteldecken, Halfter und Führstricke an. Ansonsten finden sich allerdings kaum Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Teilen der Messe. Wo man sich bei den Hunden noch eng an eng an den Ständen vorbeischieben musste, herrscht in den drei Hallen der großen Vierbeiner im Vergleich fast schon gähnende Leere. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Besitzer nicht mal so eben ihr Pferd mit durch die Gänge führen können. Doch das hindert die vielen weiblichen Besucher nicht daran in voller Reitmontur aufzulaufen. Große Neuerungen gibt es für sie dieses Jahr aber nicht zu entdecken. Erschreckend bleibt jedoch zu notieren, dass die strassstein-besetzten pinken Trensen weiter auf dem Vormarsch sind.

Da beruhigt nur ein Blick auf das ursprüngliche Pferd. Neben spektakulären Westernreitern und stolzen spanischen Hengsten zeigen sich in der Show-Halle nämlich auch ein paar waschechte Wildpferde aus dem Merfelder Bruch in Dülmen.

Diese natürlichen Kreaturen beruhigen die Seele nach so vielen dressierten Pudeln, gestriegelten Collies und manchem Hund mit abgeschnittenem Schwanz.

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