Duell am Donnerstag: Die deutsche Nummer eins

Auch wenn Jogi Löw offiziell den Posten besetzt: Eigentlich hat Deutschland 82 Millionen Bundestrainer. Ebenso viele unterschiedliche Meinungen gibt es natürlich auch zu Fragen der Aufstellung und Taktik der DFB-Auswahl: Klose oder Gomez, Özil oder Marin, mit einem Stürmer oder mit zweien, Lahm auf links oder auf rechts. Die größte Diskussion der letzten Wochen und Monate drehte sich allerdings um die Position des Torhüters. Jetzt ist Manuel Neuer die deutsche Nummer eins. Wie wir das finden? Zwei Meinungen gibt es hier im Duell. Lest selbst.

Von Lisa Schrader

Wir wissen ja: Die deutsche Nationalmannschaft hat viele Baustellen. Die Innenverteidigung, die Spielmacherposition,die Abschlussschwäche der Stürmer. Nur eine Position ist immer topbesetzt: die des Torhüters. Denn seit Jahrzehnten bringt Deutschland einen hervorragenden Schlussmann nach dem anderen hervor. Nationen wie England würden selbst unsere Nummer sieben noch mit Kusshand nehmen. Denn deren Keeper kosten sie regelmäßig eine Menge Nerven, Geld und Titel.

Der deutsche Keeper in Aktion: Manuel Neuer. Foto: manuel-neuer.de

Der deutsche Keeper in Aktion: Manuel Neuer. Foto: manuel-neuer.de

Anders bei uns. Torhüter wie Sepp Maier, Toni Schumacher, Bodo Illgner, Andreas Köpke, Oliver Kahn und Jens Lehmann hielten regelmäßig bravourös und sicherten Deutschland Titel und viel Prestige. Der Neue in dieser Reihe heißt nun völlig zu Recht Manuel Neuer. Ein moderner, mitspielender Torwart, ein „Jahrhunderttalent“, wie es einst der WDR ausdrückte. Der 24-Jährige ist zwar in der Nationalelf noch relativ unerfahren, ist aber in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League schon weit gekommen. Ein Spieler mit einer großen Zukunft, der der Nationalelf noch gut und gerne 15 Jahre ein sicherer Rückhalt sein könnte.

Was also haben diejenigen für ein Problem, die regelmäßig und vehement Tim Wiese oder Hans-Jörg Butt als Nummer eins fordern?

Wiese ist ein Selbstdarsteller der obersten Kategorie immer am lamentieren und nörgeln. Er würde nur Unruhe in die Mannschaft bringen. Und mit Butt einen 36-Jährigen, der offenkundig seinen zweiten Frühling durchlebt, ins deutsche Tor zu stellen, wäre schlichtweg das falsche Zeichen, strebt Löw doch die Verjüngung der Mannschaft an. Außerdem haben die beiden erst zwei beziehungsweise drei Spiele für den DFB absolviert. In puncto Erfahrung haben sie dem Keeper von Schalke 04 also nichts voraus.

Nein, Perspektive hat nur Neuer. Denn der ist nicht nur herausragend auf der Linie und in der Strafraumbeherrschung, er ist auch ein technisch versierter Fußballer. Auf beiden Füßen anspielbar ein sicherer Rückhalt für seine Verteidiger und mit seinen punktgenauen Abstößen und -würfen auch als Torvorbereiter schon in Erscheinung getreten.

Zugegeben, im ersten Gruppenspiel gegen Australien hatte Neuer nicht besonders viel zu tun, leistete sich aber auch nicht die kleinste Unsicherheit. Kein Grund also, an der deutschen Nummer eins zu zweifeln. Im Gegenteil: All ihr Kritiker, vergesst endlich Butt und Wiese und Weidenfeller und Rost und all die Namen, die von irgendwo her in die Torwartdiskussion eingebracht wurden. Freut euch doch lieber, dass wir so einen zuverlässigen Rückhalt haben auf unserem Weg zum vierten WM-Sieg.

Bei der Torwartfrage nicht einer Meinung: pflichtlektüre-Autorinnen Lisa Schrader und Kerstin Börß (v.l.). Foto: Sebastian Schaal

Bei der Torwartfrage nicht einer Meinung: pflichtlektüre-Autorinnen Lisa Schrader und Kerstin Börß (v.l.). Foto: Sebastian Schaal

Auf Seite 2 kämpft Kerstin für Jörg Butt.

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