Abi 2013: Ruhr-Unis liegen gut im Zeitplan

Zwei Jahrgänge erhalten 2013 in NRW gleichzeitig das Abiturzeugnis. Die Prognose: Viel mehr Studenten werden dann an die Hochschulen strömen. Wie  sollen die Ruhr-Unis so einen Ansturm bewältigen? In der Theorie sollen durch den Hochschulpakt I und II an den Unis in Duisburg-Essen, Bochum sowie Dortmund zahlreiche zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Doch, wie gut sind die Hochschulen wirklich vorbereitet? Was können die Ruhr-Unis von Hochschulen in Niedersachsen und Bayern, die bereits in diesem Sommer vor dem Problem stehen, lernen? Ein Blick hinter die Kulissen.

Von Haika Hartmann und Henrik Veldhoen

2013 werden die Studenten auf den Campus der Ruhr-Unis nicht mehr so viel Platz haben. Foto: pixelio.de / Sebastian Bernhard

2013 werden die Studenten auf den Campus der Ruhr-Unis nicht mehr so viel Platz haben. Allein die TU Dortmund rechnet in den nächsten fünf Jahren mit 7000 zusätzlichen Studienanfängern. Foto: pixelio / Sebastian Bernhard

Oktober 2013: Startschuss zum Wintersemester. Es ist eng an den Unis, in Hörsälen und Mensen kämpfen Studenten um freie Plätze. Wer keine Wohnung gefunden hat, schläft in einer Turnhalle. Der doppelte Abiturjahrgang und die Aussetzung der Wehrpflicht fordern ihren Tribut.
Es ist ein Schreckensszenario, das die Ruhr-Unis um jeden Preis vermeiden wollen. Die Planungen dafür laufen bereits jetzt auf Hochtouren. Dies ist der Stand der Dinge:

Die Organisatoren: Wer kümmert sich?

Zentrale Projektgruppen der Verwaltung, die Prorektorate für Studium und Lehre sowie die Fakultäten arbeiten gemeinsam an den Vorbereitungen. Dabei stehen die drei Universitäten der Ruhrallianz in engem Austausch.

Studienplätze: Wie viele Studenten passen in die Hörsäle?

Wie viele zusätzliche Studenten tatsächlich an die Hochschulen in NRW kommen werden, weiß derzeit niemand genau. Der Blick in die anderen Bundesländer zeigt: Die Uni Hannover hat 1200 zusätzliche Plätze geschaffen, in Göttingen sind es rund 1000. Das wird im Ruhrgebiet aber nicht reichen.

Die Ruhr-Unis haben sich verpflichtet, aus den Mitteln des Hochschulpakts II (HSP) bis 2015 eine große Anzahl zusätzlicher Studienplätze zu schaffen. Die Uni Duisburg-Essen (UDE) schafft rund 3300 Plätze. Sofern das Land die Kosten übernimmt, kommen noch einmal 1920 Plätze hinzu. Die Ruhr-Uni Bochum (RUB) rechnet insgesamt mit 3000 bis 5000, die TU Dortmund sogar mit rund 7000 zusätzlichen Studienanfängern – verteilt auf die nächsten fünf Jahre.

Besonders viele Plätze wollen die Unis in den stark nachgefragten NC-Fächern schaffen. Einige Lehrveranstaltungen werden daher gedoppelt. Ob sich der Zuwachs auf den NC auswirkt, ist noch nicht klar.

Die Dozenten: Wer unterrichtet?

Nach dem Ansturm werden sich nicht nur Klassenräume, sondern auch Hörsäle leeren. Deshalb schreibt die Uni Dortmund befristete Stellen aus. Foto: pixelio.de / Manfred Jahreis

Nach dem Ansturm werden sich nicht nur Klassenräume, sondern auch Hörsäle leeren. Deshalb schreibt die Uni Dortmund befristete Stellen aus. Foto: pixelio/ Manfred Jahreis

Die UDE sieht sich in der Personalplanung besonders gut vorbereitet. Sie hat frühzeitig zusätzliche Stellen ausgeschrieben, unter anderem für 30 professorale Arbeitsgruppen, also für Professoren samt Mitarbeitern. An der RUB sind die Fakultäten noch damit beschäftigt, den Personalbedarf zu ermitteln. Konkrete Zahlen stehen noch nicht fest. An der TU Dortmund wird mehr als die Hälfte der Mittel aus dem HSP II für zusätzliche Lehrstellen verwendet.

Zum Problem könnte werden, dass von einem Rückgang der Studentenzahlen bis 2020 ausgegangen wird. Die neuen Lehrstellen könnten deshalb in absehbarer Zeit überflüssig werden. Daher schreibt die TU Dortmund beispielsweise größtenteils befristete Stellen aus, die sie später wieder abbauen wird.

Auch in Niedersachsen und Bayern haben alle Unis mehr Lehrende eingestellt. Konkrete Zahlen nennen die Münchner Unis: 161 zusätzliche Stellen sind es an der LMU, ca. 300 zusätzliche Professoren und Assistenten an der TU München.

Die Räumlichkeiten: Welche Gebäude kommen?

Auf den Ruhrgebiets-Campus befinden sich derzeit zahlreiche Baustellen; Um- und Neubauten sollen die dringend benötigten Kapazitäten schaffen. Die TU Dortmund geht von etwa 15.000 Quadratmetern zusätzlich notwendiger Fläche aus, unter anderem entsteht ein neues Hörsaal- und Seminargebäude. Die UDE renoviert zahlreiche Hörsäle. Darüber hinaus gibt es eine neue PC-Hall sowie einen Chemie-Hörsaal mit jeweils rund 200 Plätzen. Die RUB plant ebenfalls den Bau eines komplett neuen Gebäudes.

Straffer Zeitplan: An den Ruhrgebiets-Unis wird fleißig gebaut. Bleibt zu hoffen, dass bis 2013 alle benötigten Gebäude fertig sind. Foto: pixelio.de / AngelaL

Straffer Zeitplan: An den Ruhrgebiets-Unis wird fleißig gebaut. Bleibt zu hoffen, dass bis 2013 alle benötigten Gebäude fertig sind. Foto: pixelio/ AngelaL

Die Hochschulen in den anderen Bundesländern haben bereits großzügig für Lehrraum gesorgt. In Göttingen etwa gibt es ein neues Lern- und Studienzentrum mit 750 Plätzen, die LMU in München hat fast 200 weitere Unterrichtsräume geschaffen. Um die Raumsituation weiter zu entschärfen, wurden zusätzliche Gebäude angemietet. Auch die Ruhr-Unis wollen weitere Räumlichkeiten anmieten.

Das Essen: Wie voll werden die Mensen?

Während die NRW-Unis selbst aus den Mitteln des HSP II schöpfen können, gehen die Studentenwerke – zuständig für Mensen und Wohnheime – leer aus. Dieselbe Situation in Bayern und Niedersachsen: So konnte beispielsweise das Studentenwerk Göttingen seine Mensen nicht ausbauen, weil dafür die finanziellen Mittel fehlen.

Trotzdem geben sich die Studentenwerke im Ruhrgebiet zuversichtlich. Essen will die gesamte Essensausgabe verändern, mehr als 2 Millionen Euro wurden verbaut, neue Kassen sollen für Entlastung sorgen. Die RUB hat ihre maximale Kapazität in der Mensa bereits erreicht, dafür gibt es Zusatzangebote wie warme Snacks in den Caféterien. Auch in Dortmund verlässt sich das Studentenwerk auf Ausweichmöglichkeiten. Prinzipiell wäre es möglich, in einem leer stehenden Teil der Mensa den Betrieb wieder aufzunehmen. Doch die Renovierung wäre teuer – und dafür fehlt dem Studentenwerk das Geld.

Die Studentenwerke, zuständig für Mensen und Wohnheime, erhalten keine Fördergelder vom Land. Foto: pixelio.de / Rainer Sturm

Die Studentenwerke, zuständig für Mensen und Wohnheime, erhalten keine Fördergelder vom Land. Foto: pixelio/ Rainer Sturm

Die Unterkünfte: Gibt es genug Wohnraum?

Die Wohnsituation stellt sich etwas entspannter dar. Alle Studentenwerke der Ruhrallianz renovieren Wohnheime und mieten zusätzliche Gebäude an. Dies wird den benötigten Platz zwar voraussichtlich nicht decken, viele Studenten im Ruhrgebiet zieht es jedoch ohnehin eher in die Städte selbst. Dort sei nach Auskunft der Studentenwerke ausreichend Wohnraum vorhanden.

Das Fazit: Wie gut sind die Unis vorbereitet?

Schon seit einiger Zeit sind die Ruhr-Unis damit beschäftigt, sich auf den doppelten Abiturjahrgang 2013 vorzubereiten. Sie selbst sehen sich dabei auf einem guten Weg; mit Mitteln aus dem Hochschulpakt schaffen sie zahlreiche zusätzliche Studienplätze. Die Qualität der Lehre wollen die Unis dabei erhalten.

Mensen und Wohnheime hingegen – also der soziale Bereich – laufen Gefahr, unter die Räder zu kommen. Die Finanzhilfe vom Land gilt nämlich nicht für die Studentenwerke.

Von studentischer Seite wird außerdem Kritik an der Informationspolitik der Unis laut. Jens Eißmann, AStA-Sprecher der UDE: „Es ist sehr schwer für uns, an Informationen zu kommen. Wir wünschen uns mehr Miteinbeziehung und einen besseren Austausch.“

Noch haben die Ruhr-Unis Zeit, von den Hochschulen in Bayern und Niedersachsen zu lernen. Doch schon in zwei Jahren stehen auch sie vor der Herausforderung, zwei Abiturjahrgänge unterbringen zu müssen. Foto: pixelio.de / Niko Korte

Noch haben die Ruhr-Unis Zeit, von den Hochschulen in Bayern und Niedersachsen zu lernen. Doch schon in zwei Jahren stehen auch sie vor der Herausforderung, zwei Abiturjahrgänge unterbringen zu müssen. Foto: pixelio/ Niko Korte

Ein weiteres Problem: Niemand weiß genau, wie viele Studenten tatsächlich kommen werden. Der Ansturm könnte größer, aber auch weitaus geringer ausfallen, als erwartet. Die Ruhr-Unis werden daher vermutlich mit großem Interesse verfolgen, wie der gefürchtete Doppeljahrgang in den Unis der anderen Bundesländern ankommt. Ein Trost: Geht in Bayern oder Niedersachsen trotz aller Vorbereitungen etwas schief, hat die Ruhrallianz immer noch Zeit, sich entsprechend einzustellen.

Zum Schluss: Tipps von denen, die es wissen sollten

Die Uni Hannover rät, frühzeitig die Raumbelegung mit Planzahlen durchzuspielen. „Fakultäten sollten frühzeitig über zu erwartende zusätzliche Mittel informiert werden und um eine Planung, auch eine Personalplanung, gebeten werden“, schlägt Jessica Lumme, Pressesprecherin der Uni, vor.

Die Uni Hannover hat vorzeitig mit den Planungen begonnen. Gleiches sollten auch die Ruhr-Unis tun, um gut auf den Ansturm vorbereitet zu sein. Foto: pixelio.de / dinolino

Die Uni Hannover hat vorzeitig mit den Planungen begonnen. Gleiches sollten auch die Ruhr-Unis tun. Foto: pixelio/ dinolino

Ulrich Marsch von der TU München sagt ohne Umschweife: „Zuerst müssen sie das Geld haben.“ Das Land Bayern stelle 1,3 Milliarden Euro sowie 3.000 feste Planstellen für ganz Bayern zur Verfügung, das würde die Arbeit erleichtern.Trotzdem müsse jede Uni sich selber überlegen, wo Optimierungsmöglichkeiten bestehen. Marsch zufolge werden in München von montags 8.00 Uhr bis freitags 20.00 Uhr Vorlesungen stattfinden, zu Spitzenzeiten auch samstags. So würden die räumlichen Kapazitäten voll ausgenutzt. „Außerdem haben wir geprüft, ob die Professoren die Hörsäle auch wirklich brauchen oder ob auch kleinere Räume ausreichen würden“, berichtet Marsch. Die Räume werden nun zentral verteilt. „Durch solch eine Optimierung sparen Sie etliche Millionen Euro“, verrät er. Diese internen Maßnahmen und Umschichtungen müssten die Universitäten frühestmöglich für sich selber erarbeiten. Das Projekt doppelter Abiturjahrgang kann gelingen, aber: „Man muss jetzt anfangen. Dann profitieren alle, G8 und G9.“

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