Duell am Donnerstag: Das karfreitägliche Tanzverbot

DAS-DUELL-Laura-AdrianeOstern nähert sich und damit auch Karfreitag. Geliebt, gehasst, der Feiertag polarisiert jedes Jahr aufs Neue. Denn Tanzen ist dann sozusagen gesetzlich untersagt – Geschäfte, Clubs und vor allem Diskotheken bleiben geschlossen. Doch ist das Tanzverbot überhaupt noch zeitgemäß?

Nein!

Eins vorweg: Ich bin bekennende Christin und werde am Karfreitag in die Kirche gehen. Das gehört für mich zum Osterfest dazu. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass das Tanzverbot am Karfreitag abgeschafft werden sollte. Es beeinträchtigt nämlich auch jene, die mit Ostern im eigentlichen Sinne nichts am Hut haben.

Damit meine ich, dass vermutlich viele Deutsche am Karfreitag nicht dem Tod Jesu gedenken, sondern sich einfach über einen freien Tag freuen. Letztendlich ist das auch nicht verwerflich. Nur sollte dann auch jeder seine Freizeit so nutzen können,  wie er möchte.  Das Tanz- und Veranstaltungsverbot verhindert das.

Jeder wie er will!

Wenn ich in die Kirche gehen möchte, kann ich das tun. Wenn jemand gern tanzen oder in eine Musikbar gehen möchte, sollte er das ebenso tun können. Das Gesetz verbietet das aber: Von fünf Uhr früh bis Karsamstag um sechs sind „musikalische und sonstige Darbietungen jeder Art in Gaststatten und Nebenräumen mit Schankbetrieb“ verboten.

Mehr als ein Drittel der Deutschen gehört keiner oder einer anderen Religionsgemeinschaft als der evangelischen oder der römisch-katholischen Kirche an,  stellte das Statistische Bundesamt im Zensus 2011 fest. Fast ebenso viele Menschen, nämlich jeder Dritte, gab bei einer Online-Umfrage der evangelischen Kirche an, gegen das Tanzverbot am Karfreitag zu sein.  Warum sollten sie sich nicht öffentlich amüsieren dürfen während andere beten? Solange die Ruhe nahe der Kirchen gewahrt bleibt, sehe ich dabei kein Problem.

Karfreitag mit Happy End

Und überhaupt: Wer sagt, dass ich nur weil ich am Karfreitag in die Kirche gehe nicht anschließend gern das Tanzbein schwingen möchte? Ich gedenke am Karfreitag zwar dem Tod Jesu, verfalle deshalb aber nicht in tiefe Trauer. In der Osternacht am Karsamstag ersteht er schließlich schon wieder auf – und das ist ein Grund zu feiern.

 

Ja!

Oh Gott! Apokalypse! Auf die Barrikaden! Protestieren! Demonstrieren! So geht es nicht weiter! Was los ist? Der alljährliche Super-GAU unserer Generation steht vor der Tür. Haltet euch fest und seid stark: Morgen ist Karfreitag – der einzige Tag im Jahr, an dem wir per Gesetz nicht feiern gehen dürfen.

Ja, mein Sarkasmus an dieser Stelle ist angebracht. Denn ebenso, wie mein Bruder mit seinen mittlerweile 27 Jahren mir an diesem Tag immer noch ununterbrochen die Ohren volljammert, weil er 24 Stunden lang keinen Schinken essen darf, liegen mir seit der Pubertät Freunde und Bekannte mit ihren nichtigen Quengeleien in den Ohren, dass man am Karfreitag ja überhaupt nichts unternehmen könne. Welch unglaublicher Einschnitt in eure Lebensqualität.

Einen Gang runterschalten

Liebe Altersgenossen: Muss es jedes Jahr die selbe Diskussion sein? Über die Sinnlosigkeit eines Freitagabends ohne Tanzveranstaltung, über den vom Gesetzgeber auferlegten Zwang zur Spaßlosigkeit und darüber, wie überholt und veraltet dieser Feiertag eigentlich sei? Ich liebe Partys, und doch finde ich den Karfreitag gut. Es lohnt sich, mal einen Gang herunterzuschalten. Einen Tag im Jahr mal etwas nicht zu haben. Es ist ein lächerlich geringes Opfer, bei 364 potentiellen Partytagen im Jahr einen einzigen abzugeben. Selbst an Heiligabend gehen viele nach dem Geschenke auspacken in die Disco. Wieso also regen wir uns eigentlich auf? Sind wir schon so gierig geworden, so maßlos, dass wir nicht diesen einen einzigen Tag auf Schinken und Tanzen zu Wummsmucke verzichten können?

Ich halte diese Diskussion absichtlich fern von Glaubensgrundsätzen. Ob man am Karfreitag den Tod Jesu betrauert oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Für alle, ob gläubig oder nicht, sollte dieser Tag der Ruhe jedoch auch als Tag der Charakterbildung dienen. Um mal darüber nachzudenken, ob es nicht Wichtigeres gibt, über das wir uns aufregen können. Außerdem ist es mit dem Feiern so wie mit dem Sonnenschein: Nach nasskaltem Wetter sind die ersten sommerlichen Strahlen die schönsten. Und nach einer kleinen Feierpause ist die nächste Feier bestimmt besonders gut.

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Foto: stockxchng/bizior, Teaserfoto: S. Hofschlaeger / pixelio.de, Montage: Steinborn/Schweigmann 

Teaserfoto: flickr.com / Sébastien Barré

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