Besuch in der Hacker-Höhle

Ich bin etwas beunruhigt als ich die Stufen zum Raum des Chaostreff Dortmund hinaufsteige: Werde ich überhaupt verstehen, was die Hacker mir erzählen? Wird man mich verächtlich angucken, weil ich keinen selbst zusammen gebastelten Rechner mit exotischem Betriebssystem habe?

Die erste Überraschung: Der sogenannte Vereinsraum ist eher eine renovierte geräumige Altbauwohnung. Chaostreff-Mitglied Hendrik führt mich herum: In einem Raum sitzen ein paar Jungs an ihren Laptops und sind in verschiedene Projekte vertieft. Im Hintergrund läuft Musik und ein großer Hund tollt durch den Raum. Ich bin beeindruckt von dem großen Arsenal an Werkzeug und Elektroteilen, das säuberlich sortiert und beschriftet in vielen Kisten auf Wandregalen schlummert. Überhaupt hatte ich mir so eine Hacker-Höhle irgendwie schummriger und mit mehr leeren Pizza-Kartons vorgestellt.

 Zwei anonyme Hacker stärken sich in der Küche des Chaostreffs Dortmund. Mit Chemikalien wird nur in der Ätz-Küche geplanscht. Foto: CTDO.

Zwei anonyme Hacker stärken sich in der Küche des Chaostreffs Dortmund. Mit Chemikalien wird nur in der Ätz-Küche gepanscht. Foto: CTDO.

Mit Chemikalien gepanscht wird nur in der Ätz-Küche

Einen Raum weiter befindet sich die “Ätz-Küche”. Hier, so erklärt mir Hendrik, lassen sich mit Hilfe säurehaltiger Lösungen Platinen herstellen, die man zum Basteln verschiedenster elektronischer Geräte benötigt. Damit niemand versehentlich an der Säure-Flasche nippt, gibt es noch eine weitere Küche nur für Lebensmittel. Hier stapeln sich an der Wand sonnengelbe Kisten voller Club-Mate-Flaschen, einer stark koffeinhaltigen Limo. Das Hacker-Getränk hat sich inzwischen in vielen deutschen Städten zur Szene-Brause gemausert.

Der Sofa-Raum des Chaostreffs Dortmund mit Pesthörnchen-Flagge. Foto: CTDO.

Der Sofa-Raum des Chaostreffs Dortmund mit Pesthörnchen-Flagge. Foto: CTDO.

Pesthörnchen-Fahne und Hacker-Bibel

Zum Rumhängen gibt es einen Sofa-Raum mit computergesteuerter bunter Lichtanlage – ohne ein bisschen Technikspielerei wäre es schließlich kein richtiger Hacker-Raum. An der Wand hängt die Pesthörnchen-Fahne des CCC. Sie zeigt ein zum Totenkopf mutiertes altes Bundespost-Logo, das an einen glorreichen CCC-Hack in den 80er Jahren erinnert. Im Wandregal findet sich neben der Herr-der-Ringe-Trilogie auch eine “Hacker-Bibel”. Sie stammt aus den Anfangsjahren des CCC und enthält ein Sammelsurium von Dokumenten und Geschichten aus der Hacker-Szene.

In der Werkstatt zeigt Hendrik mir eine der neuesten Errungenschaften des Vereins, eine CNC-Fräse, mit der sich zum Beispiel Holz sehr exakt bearbeiten lässt. Hier bastelt der Informatikstudent an seinem aktuellen Projekt: Einem Oktokopter, also einen Miniatur-Hubschrauber mit acht Rotoren. Aber nicht jedes Projekt hier hat mit Elektronik zu tun, erklärt er mir. Es hat auch schon mal jemand was für seinen Garten gebastelt.

Austausch von Gedanken, Know-How und Werkzeug

Hendrik Fellerhoff (l.) und Dominik Bay (r.) vom Chaostreff Dortmund

Hendrik Fellerhoff (l.) und Dominik Bay (r.) vom Chaostreff Dortmund. Foto: Anna Behrend

Der Chaostreff Dortmund ist ein eigenständiger Verein. Offizieller Teil des Chaos Computer Clubs, so Hendrik, seien nur die sogenannten “Erfas”, die Erfahrungsaustauschkreise. In Dortmund habe man lieber unabhängig bleiben wollen. Doch die Idee ist ähnlich wie bei den regionalen Kreisen des CCC: Gelegenheit bieten zum Austausch von Gedanken, Know-How und Werkzeug. “Es macht großen Spaß hier Menschen zu treffen, die ähnlich denken und ähnliche Dinge tun wollen wie man selbst”, sagt Hendrik.

Einer dieser Menschen ist Dominik. Anders als Hendrik, hat er nicht Informatik studiert, sondern sich das meiste Wissen über Computer und Netzwerke selbst beigebracht. “Von 1995 bis 1999 war das, was ich vorm Computer gemacht habe nicht wirklich produktiv oder sinnvoll, aber ich habe wenigstens gelernt, wie das alles so funktioniert”, sagt Dominik. Bereits mit 14 Jahren begann er bei kleineren Internet-Anbietern zu arbeiten. Heute richtet er vor allem Netzwerke für Firmen ein und kümmert sich um deren Wartung.

Im Interview spreche ich mit Dominik über beeindruckende Hack-Techniken, Hacker-Moral und darüber, warum Hacken manchmal so erschreckend einfach ist.

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