Eine exzellente Initiative?

Das Duell: Nadja Bobrova versus Carola Westermeier

Die Exzellenzinitiative geht in die zweite Runde und mit ihr das Buhlen um die Fördergelder. Sieben Hochschulen sind noch im Rennen um ein Stück vom 2,7 Milliarden-Kuchen und den Status der „Elite-Universität“. Es geht um viel – Anerkennung im In- und Ausland und bessere Forschungsmöglichkeiten an deutschen Unis. Die Meinungen über die Auszeichnung gehen auseinander, denn strittig bleibt, ob die Initiative der Hochschulbildung zugute kommt oder ob sie bloß eine unnötige Wettbewerbsverzerrung und Herabstufung der restlichen Universitäten ist. Es stellt sich deshalb die Frage: Braucht die deutsche Hochschullandschaft überhaupt die Exzellenzinitiative?

PRO CONTRA
Ja, eindeutig. Die Fördermittel sind heiß begehrt und das nicht ohne Grund. Denn exzellente Forschung verdient es, gefördert zu werden. Aber exzellente Forscher sind in Deutschland leider ein Manko. Diesem Problem stellt man sich mit der Initiative, statt es unter den Teppich zu kehren. Ein deutschter Nobelpreisträger, das wäre doch mal wieder was! Ein Forscher eines deutschen Instituts, und nicht wieder einer aus Großbritannien oder den USA. Aber dort führen die hierzulande verpönten Worte „Elite“ und „exzellent“ eben nicht zum sofortigen Massenerröten. Dass man Spitzenforschung aber mit Gleichmacherei nicht gerade fördert, sondern vielmehr ein breites Mittelmaß schafft, sollte eigentlich jedem klar sein.

„exzellent“  als Teil der Demokratie

Wer seine konsequente Abwehrhaltung gegenüber der Exzellenzinitiative mit dem plakativen Geplänkel von Demokratie und Gleichberechtigung begründet, hat nach über sechzig Jahren Demokratie immer noch nicht ganz verstanden, worum es geht. Denn es gibt kaum etwas demokratischeres, als jedem Menschen die Möglichkeit zu geben, sich frei und individuell in einer Gesellschaft zu entfalten. Nur dürfen wir dabei nicht vergessen, dass zwar jeder von uns idealerweise die gleichen Chancen bekommen sollte, aber dass wir lange nicht alle gleich sind, was unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten angeht. Die pauschale Ablehnung von allem Exzellenten und Hervorragendem widerspricht dem Geist einer offenen und fortschrittlichen Gesellschaft, in der es die Chance geben muss, sich von der „breiten Masse“ abzuheben.

Spitzenforschung statt „Brain Drain“

Die Tatsache, dass Spitzenforscher in Deutschland, ebenso wie in jedem anderen Land, nicht gähnend rumsitzen und ihr Leben lang darauf warten, bis sich irgendeine Regierung an sie erinnert und ihnen vielleicht ein paar Millionen Fördergelder an die Hand gibt, darf dabei nicht vergessen werden. Heute wandern die Forscher zu ihren Fördergeldern aus. Damit es nicht zum „Brain Drain“ kommt, muss die Regierung etwas unternehmen.

Eine Frage der Investition

Es stellt sich die Frage nach der richtigen Investition: Lieber das Geld in eine mittelmäßige Forschung an den Universitäten stecken, um deren Niveau von „befriedigend“ auf „gut“ anzuheben, oder stattdessen einzelne Institute von „gut“ oder „sehr gut“ auf ein „exzellentes“ Weltniveau zu bringen? Durchschnittsbildung – die wird es bald überall geben, da schafft gerade Innovation und Fortschritt einen Vorteil. Deshalb müssen wir den Leuten, die uns als Land diesen Vorteil bescheren sollen, die entsprechenden Möglichkeiten bieten. Dafür brauchen wir eine Exzellenzförderung und die Exzellenzinitiative. Sonst sind sie schneller weg, als wir gucken können.
Nein, braucht sie nicht. Machen wir uns doch nichts vor! Die Exzellenzinitiative wertet den Hochschulstandort Deutschland nicht auf. Sie ist reine Augenwischerei und verdeckt den Blick auf das wahre Problem: Überdurchschnittliche Forschung und Lehre kosten Geld. Doch davon ist angeblich nicht genug da – zumindest nicht für alle Universitäten. Und so versucht die Politik ihr eigenes Image und das einiger (weniger) Hochschulen mit dem Exzellenz-Prädikat aufzumöbeln.

Nachgemacht, statt nachgedacht

Rückblick: 2005 hatten die Ministerpräsidenten der Länder und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Exzellenzinitiative auf den Weg gebracht. Statt über Finanzierungs- und Verbesserungsmöglichkeiten für alle Hochschulen nachzudenken, orientierte man sich lieber am Ausland und kopierte, was dort – Harvard lässt grüßen – doch angeblich so wunderbar funktioniert.

Copy & Paste: exzellent abgeschaut

Das hatte man schließlich schon einmal gemacht: Bei der Einführung des Bachelor- und Mastersystems, für das man das altbewährte und international hochangesehene Diplom einfach mal so über Bord warf. Wie das ausging, wissen wir ja – Chaos, Frustration, Proteste. Erst spät folgten halbherzige Reformen der neuen Studienabschlüsse. Und was blieb, war die Frage: Warum müssen wir eigentlich immer alles nachmachen?

Exzellenzinitiative ist Mogelpackung

Und als wäre das nicht schon schlimm genug, erklärt Professor Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Mitinitiator der Exzellenzinitiative: „Auch die Spitzenuniversität Harvard ist nicht in allen Fächern und nicht zu jeder Zeit ,spitze‘.“ Deshalb würden auch hierzulande bestimmte Fächer oder Fächerverbünde gefördert, nicht gesamte Universitäten.

Geld und Prestige für Wenige

Das Nachsehen hat also in der Regel die große Masse an Studenten, Professoren, Dozenten – auch an den „exzellenten“ Hochschulen: Sie sind unfreiwillig Teil einer Mogelpackung. Sie sind nicht exzellent. Dafür sind sie arm (dran): Für sie verschärft die doch so prestigeträchtige Auszeichnung den Kampf um Mittel für Forschung und Lehre. Aber was spielt das schon für eine Rolle, wenn einige deutsche Universitäten dank des Exzellenzstempels „weltweit strahlen“! Gratulation, liebe Politiker! Exzellent gemacht!
das-duell-feeder

Foto: stockxchng/ bizior, Montage: Falk Steinborn, Teaserfoto: flickr.com / secretlondon123

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