Poetry-Slammer Kornelius Friz steht auf Slam

Ein Beitrag von Alina Günder

Das evangelische Freizeitzentrum emo in Essen-Rüttenscheid ist nicht der gewöhnlichste Austragungsort für einen Slam. Und gerade deshalb einen Besuch wert. Teppichboden und Sitzkissen sorgen für Gemütlichkeit und die Poetry-Slammer auf der Bühne für eine Bandbreite an Unterhaltung. Beim 16. Slamassel am 20.01.2012 sorgten besonders zwei Wortkünstler, die beinahe ein halbes Jahrhundert trennt, für ordentlich Unterhaltung. Wir haben den zweit-platzierten Poetry- Slammer Kornelius Friz zu einem Interview getroffen. Bei Bier und Krabben-Chips erzählt er uns, dass es auch in der „Slamily“ manchmal Zoff gibt und das Poetry-Slammer dem Publikum um jeden Preis gefallen wollen.

Der 21-jährige Kornelius Friz bewegt sich sehr sicher auf der Bühne. Seine Texte sind witzig oder melancholisch. Aber immer reflektierend. Fotos: Alina Günder

Der 21-jährige Kornelius Friz bewegt sich sehr sicher auf der Bühne. Seine Texte sind witzig oder melancholisch. Aber immer reflektierend. Fotos: Alina Günder

Wo hast du die besten Ideen und kreativsten Momente?

Kann immer passieren, meistens nicht planbar. Zugfahren kann gut klappen, da muss man nur aufpassen, dass man nicht übers Bahnfahren schreibt.

Würdest du auch schreiben, wenn es keine Slam-Bühne gäbe?

Ja, aber wahrscheinlich anders. Wie? Keine Ahnung, aber beim Slam spielt es -auch für mich- leider eine immer größere Rolle, dass man dem Publikum um jeden Preis gefallen will.

Beschreibe einen perfekten Slam-Abend mit drei Adjektiven.

Dicht, lyrisch, spannend.

Die anderen Slammer: Sind es eher Freunde oder Konkurrenten?

Wir sind eine große „Slamily“! Und wie in jeder Familie gibt es da auch mal größeren oder kleineren Zoff und nicht jeder kann sich mit jedem verstehen. Aber dennoch sind wir auf jeden Fall Freunde! Man lernt total viele tolle Menschen kennen.

Gibt es typische Eigenschaften, die einen Slammer ausmachen?

Generell nicht, aber viele sind kommunikativ, offen, verrückt, Laberbacken, sprachgewandt, schön, geisteswissenschaftlich, feierbereit, müde, reiselustig. Man kann aber auch das genaue Gegenteil und ein genialer Slammer sein.

Hast du ein Markenzeichen bzw. inhaltliche oder formale Elemente, die du in deinen Texten oder deiner Performence gerne verwendest?

Jeder hat seine Art zu texten bzw. performen. Ein besonderes „Markenzeichen“, wie beispielsweise Salmen seinen Bart als ein Markenzeichen trägt, würde ich mir selbst nicht zusprechen, formal auf jeden Fall „Gereimtes“ und inhaltlich eher „nachdenklich“, deshalb tut es mir auch so weh, wenn Leute mir nach einem Auftritt sagen, dass ihnen mein -bisher einziger- Prosa-Text am besten gefallen hat. Ich finde ihn schlecht.

Du bist gerade auf Tour. Wie ist das? Kannst du es mit drei Adjektiven beschreiben?

Jeder Slam-Abend wird von einem Moderationsduo begleitet. Beim 16. "Slamassel" begleiteten Hanna und Devin die Gäste durch den Abend.

Jeder Slam-Abend wird von einem Moderationsduo begleitet. Beim 16. "Slamassel" begleiteten Hanna und Devin die Gäste durch den Abend.

Verwirrend, spannend, müde.

Gäbe es ein Fan-T-Shirt, wie würdest du es gestalten?

Falls es mal eins geben sollte, würde ich es sofort verbieten, bin doch kein Popstar! Wenn ich mir trotzdem aussuchen könnte, wie das dann illegale Shirt aussieht, wäre kein Bild von mir drauf, höchstens eine Karikatur, und eventuell ein bissiges Zitat. Schlicht sollte es sein. Und weinrot.

Liest du gerne?

Ja!

Welches Genre und welche Autoren am liebsten?

Thomas Mann, Erich Kästner, Franz Kafka. Keine Angst, auch gerne Gegenwartsliteratur und weniger Anspruchsvolles. Und selbstverständlich komme ich nicht dazu, so viel zu lesen, wie ich gerne würde.

Wie wichtig ist dir Musik? Beeinflusst sie dein Schreiben?

Sehr wichtig. Ich höre viel und vielseitig. Deutscher Hiphop und Reggae haben mich anfangs -unter anderem- zum Schreiben bewegt, teils durch politisch-kritische Zitate und Gedankengänge, andererseits haben mich die deutschen Texte zu Wortgewandtheit, Sprachspielerei und Sprachrhythmus inspiriert.

Hat das Slammen dich verändert?

Definitiv. Ich weiß nicht, inwiefern, aber schon die Tatsache, dass ich vier Wochen nur slamme und dafür gefühlte tausend Stunden Zug fahre, finde ich schon stark verwunderlich. Es spricht auf jeden Fall dafür, dass mir Slam viel bedeutet. Wie viel ich dem Slam bedeute, bleibt noch abzuwarten.