Der Breitmaulfrosch: Schatz, du Arschloch!

 

Immer wieder versucht der Breitmaulfrosch tolerant zu sein und sich mit merkwürdigen Trends oder Verhaltensweisen von Menschen anzufreunden. Wenn sich Pärchen allerdings nervige Kosenamen in der Öffentlichkeit geben, dann hat seine Geduld absolut ein Ende. Heute packt er aus, was er den „Engelchen“ und „Bärchen“ dieser Welt schon immer mal sagen wollte.

„Schaaaaaatz?“, schallt es durch den Ikea. Ungefähr zwanzig Köpfe ­– natürlich alle in einer festen und glücklichen Beziehung – reagieren gleichzeitig und drehen sich suchend um. In einer solchen Situation erkennt man die Singles sofort, denn die verdrehen nur genervt die Augen. Für den Breitmaulfrosch bleibt in diesem Fall nur sein Notfallplan über, nämlich abtauchen und schnellstmöglich verschwinden. Denn ein Pärchen, das sich Kosenamen gibt, ist nur einen Schritt davon entfernt, von sich in der Wir-Form zu sprechen und sich gegenseitig in der Öffentlichkeit zu füttern. Da kommt dem Breitmaulfrosch gerne mal die letzte Fliege im Hals wieder hoch.

Aber wie genau kommt es zum allseits bekannten Schatz-Phänomen? Jede Beziehung beginnt doch normalerweise mit zwei selbstständigen Menschen, die jeweils einen eigenen Namen haben. Im Regelfall suchen die Eltern diesen Namen mit viel Liebe und Sorgfalt aus. Im Laufe einiger Beziehungen allerdings scheinen die Partner plötzlich ihre Namen zu vergessen und machen somit die Mühen der Eltern zunichte. Aus Tim wird Bärchen und aus Tina wird Mausi. Oder – und das ist der absolute Klassiker – aus beiden wird einfach pauschal Schatz, der wohl schlimmste Kosename von allen.

Flauschibärchi oder Schatz?

Pupsmaus, Flusspferdchen, Flauschibärchi: Klar, beim ersten Hören sind die kreativen Spitznamen eigentlich die Gruseligsten. Ganz besonders, wenn sie zu viel über den anderen verraten. Dinge, die Außenstehende vielleicht gar nicht so genau wissen wollten. Ganz besonders peinlich wird es dann, wenn das Pärchen vergisst, dass in gewissen Situationen aus Bärchen wieder Tim und aus Mausi wieder Tina werden sollte. Vor den Arbeitskollegen zum Beispiel. Weniger ist eben manchmal doch mehr.

Schatz hingegen scheint noch human. Kurz, knapp und nicht zu kindisch oder peinlich. In deutschsprachigen Ländern ist Schatz vermutlich aus diesem Grund der beliebteste Kosename. Doch gerade bei Schatz läuft es dem Breitmaulfrosch kalt den Rücken herunter. Denn was ist der Sinn eines Spitznamens, wenn er absolut unpersönlich ist und inflationär gebraucht wird?

Mit Schatz zur Chancengleichheit

Gut, gerade für Menschen, die häufig den Partner wechseln, ist Schatz wirklich von Vorteil. So braucht man sich nur einen Namen zu merken und kann etwaige Gedichte oder Schmuckstücke mit Gravuren einfach wiederverwenden. Auch für Menschen, die mehrere Partner gleichzeitig haben, ist Schatz empfehlenswert. So kommt man immerhin nicht durcheinander und schreit beim Sex auch nicht aus Versehen mal den Namen der Affäre. Die Kevins und Jaquelines dieser Welt freuen sich ebenfalls über Schatz. So werden sie nicht jedes Mal, wenn sie angesprochen werden, an die Geschmacksverirrung ihrer Eltern erinnert. Man könnte fast sagen: Schatz schafft Chancengleichheit.

Trotz oder gerade wegen dieser durchaus praktischen Vorteile ist Schatz aber einfach unpersönlich und nicht gerade originell. Hinzu kommt, dass die Bezeichnung des Partners als Schatz ganz offensichtlich kein großer Liebesbeweis ist. Viel zu oft hört man streitende Pärchen, die sich absurderweise noch immer mit ihren Kosenamen beschimpfen. „Ich hasse dich, Schatz!“ Da ist der Sinn doch definitiv verfehlt. Wenn man sich schon Spitznamen geben muss, dann doch bitte bewusst und mit Liebe. Für alle experimentierfreudigen Paare hat der Breitmaulfrosch auf Basis jahrelanger Flirterfahrungen einige ganz besondere Namen zusammengetragen, die jedes Herz zum Schmelzen bringen. Wie wäre es mit Glubschauge, Schleimi oder Mister Frog?