Zurück in die 50er-Jahre

Tollen, Petticoats und Nierentische: Die 50er-Jahre waren eine wilde Zeit. Der Friseur Norbert Schmidt aus Wuppertal hat aus seiner Leidenschaft für dieses Jahrzehnt einen Friseursalon gemacht. Dort werden aus normalen Leuten echte Rockabillies.

Die Wände des Salons sind bunt bemalt.

Die Wände des Salons sind bunt bemalt. Fotos: Norbert Schmidt

Auf einem Regal stapeln sich Töpfe mit Pomade und aus einer Jukebox erklingt Rock´n Roll. Elvis. Oder aber das hauseigene Lied über den Salon. Puppen von James Dean und Marilyn Monroe lächeln von einer Ablage herunter. Eine Wand ist mit einer Frau bemalt, die mit keckem Lächeln ihren Rock festhält. Die Luft riecht nach Haarspray und Pomade.

Mit schnellen Schritten tanzt Norbert Schmidt um seinen Kunden herum. Er wippt locker von einem Fuß auf den anderen – immer im Takt des Rock´n Roll. Seine Tolle schwingt im Takt der Musik mit.

Geschickt schneidet er seinem Kunden dabei die Haare, ohne aus der Puste zu kommen. Selbst für ein Gespräch findet Norbert noch Zeit, während er seinem Kunden einen GI–Schnitt verpasst.  Der Kunde scheint Norbert schon länger zu kennen, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass er trotz der Tanzeinlage mit Schere entspannt sitzen bleibt. Lächelnd unterhalten sich die beiden. Am Schluss sitzt der Schnitt. So pomadeglänzend, dass man sich drin spiegeln kann.

Norberts Spezialität: die 50er Jahre

Norberts Spezialität: die 50er-Jahre.

Der Friseur aus Wuppertal hat sich mit dieser besonderen Tanzeinlage schon einen Namen gemacht. Denn für Menschen mit einer Vorliebe für die Tolle ist er längst kein Geheimtipp mehr. Der tanzende Friseur tritt auch bei Oldtimertreffen oder Rock´n Roll–Events auf und schneidet den Fans der Szene live auf der Bühne die Haare. Natürlich mit passender Tanzeinlage.

Für den Friseur sind die 50er-Jahre mehr als nur eine Zeit. Es ist sein Lebensgefühl. „Ich sage immer: Wenn ich auf dem Sterbebett liege und es läuft irgendwas von Elvis, dann stehe ich noch mal auf, tanze – und dann sterbe ich. “ Und dieses Lebensgefühl will er anderen weitergeben, wenn er ihnen die Haare schneidet.

Dieses fröhliche Lebensgefühl bekommt man sofort zu spüren, wenn man seinen Salon betritt. Man wird hier freundlich begrüßt und bekommt sofort Kaffee und einen gemütlichen Sitzplatz angeboten. Natürlich auf roten Kunstlederstühlen.

Wie alles begann

Norbert hat selbst die 50er-Jahre nicht live miterlebt. Aber sein Vater. Und ihm hat er auch die Leidenschaft für diese Zeit zu verdanken. „Mein Vater kommt aus der Generation des deutschen Wirtschaftswunders und hörte gerne Musik von Elvis und Bill Haley.

Alte Hauben und rosa Sessel

Alte Hauben und rosa Sessel schmücken den Salon.

Er hat mich mit seiner Begeisterung angesteckt.“ Aber nicht nur für die Musik, auch die Anziehsachen und die Frisur haben es Norbert angetan. So lernt er von seinem Vater wie man eine waschechte Tolle stylt. Von da an haben ihn die 50er-Jahre nicht mehr losgelassen.

Norbert trug schon während seiner Ausbildung zum Frisör in den 80ern die Tolle. „Für mich war schon damals klar, dass ich einen Frisörsalon im Stil der 50er aufmachen will, sollte ich mich selbstständig machen.“ Außer der Tolle trägt Norbert karierte Hemden mit engen Jeanshosen. Wieder ganz im Sinne der 50er.

Der Salon

Die unterschiedlichen Pomadedosen sind nach Farben sortiert

Die unterschiedlichen Pomadedosen sind nach Farben sortiert.

Das Jahrzehnt von Tollen und Tellerröcken findet sich überall in seinem Friseursalon. Norberts Regal mit den Pomadetöpfen ist fein sortiert. Es gibt von harter bis weicher Pomade alles, was das Rockabilly – Herz höher schlagen lässt. So hängt über der Jukebox, ein originaler Münzfernsprecher – heute besser bekannt als Telefon. An dem Metallkasten mit Wählscheibe sieht man sogar noch die Einwurfschlitze für zehn Pfennig bis hin zu einer D–Mark.

Die Wände sind an beiden Seiten bunt bemalt mit Motiven aus der Zeit. Auf der einen Seite sieht man das Bild eines blauen Autos aus dieser Zeit. Davor angebracht sind rosafarbene Waschbecken mit Frisierstühlen mit rotem Kunstleder. Neben dem Eingang befindet sich eine gemütliche Sitzecke mit Stühlen – ebenfalls überzogen mit Kunstleder.  Eine Besonderheit ist auch der Original-Rasierer aus dieser Zeit, weil er mit einer Art Motor an einer Leitung an der Decke hängt.

Die Kundschaft

„Es gibt Kunden, die als ,Normale‘ den Salon betreten und sich von mir zeigen lassen wollen, wie man eine originale Tolle frisiert.“ Aber auch Gäste von Mottopartys kommen gerne hierher, um sich für einen Abend in einen echten Rockabilly verwandeln zu lassen.

Von blond bis grün ist alles dabei

Von blond bis grün ist alles dabei!

Doch Norbert schneidet nicht nur die bekannten Tollen. Zu seinen Kunden gehören alle Altersgruppen. „Kinder finden es hier toll, weil alles so schön bunt ist und die älteren Herrschaften kennen die Zeit ja noch aus ihrer Jugend.“ Selbst braucht der Friseur nur noch zwei Minuten für die Kultfrisur. Immerhin trägt er sie seit er 14 Jahre alt ist.

Zuhause in den 50ern

„Aber manchmal brauche ich Auszeit von Dingen aus den 50ern.“ So beschreibt diese Zeit zwar sein Lebensgefühl, doch sollte man seiner Meinung nach nie vergessen, dass wir im Jahr 2012 leben. So hört er statt Elvis auch gerne mal andere Musik, die normal im Radio läuft. „Ich bin nicht so eingefahren wie andere Leute. Dann dürften sie auch kein Handy in der Hand haben und Frauen dürften keine Pille schlucken.“

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