Westfälische Rundschau schließt

Nach dem Ende der Frankfurter Rundschau und der Financial Times Deutschland hat das Zeitungssterben jetzt das Ruhrgebiet erreicht. Ab Februar schließen die Redaktionen der Westfälischen Rundschau. Trotzdem bleibt die WR als Zeitung erhalten.

Ab Februar behält die WR nur noch ihren Namen. Der Inhalt wird von Anderen gestellt. Foto: Johannes Hoffmann

Ab Februar behält die WR nur noch ihren Namen. Der Inhalt wird von Anderen gestellt. Teaserbild und Fotos: Johannes Hoffmann

In der Pressemitteilung der WAZ-Mediengruppe, dem Mutterkonzern der WR, vom Dienstag heißt es: „Unser Ziel ist es, die Westfälische Rundschau zu erhalten und damit die Medienvielfalt in dem Verbreitungsgebiet sicherzustellen.“ Es ist jedoch fraglich, ob die WAZ die Medienvielfalt sichern kann, wenn die Ruhrnachrichten als einziger lokalpolitischer Berichterstatter übrig bleiben.

Die Westfälische Rundschau vom 16. Januar 2012: Die WR gibt ihr eigenes Aus bekannt. Foto: Johannes Hoffmann

Die Westfälische Rundschau vom 16. Januar 2012: Die WR gibt ihr eigenes Aus bekannt.

Nur der Titel bleibt

Nehmen wir als Beispiel das Verbreitungsgebiet Dortmund. Hier gibt es bisher zwei lokalpolitische Berichterstatter: die Westfälische Rundschau und die Ruhr Nachrichten. Letztere werden vom Verlag Lensing-Wolff verlegt. Ab Februar soll der lokale Inhalt der Ruhr Nachrichten auch als Lokalteil der WR erscheinen.

Für die WR in Dortmund bedeutet das: null Eigenleistung. Der Hauptteil wird wie bisher von der WAZ geliefert, der Lokalteil von den Ruhr Nachrichten.

Der angekündigte Erhalt von Medienvielfalt bekommt so einen faden Beigeschmack, denn letztendlich steht auf der Zeitung WR drauf, drin ist aber keine WR mehr.

Hoffen auf soziale Leistungen

Auch in Dortmund gibt es die WR weiterhin zu kaufen. Der Haupteil kommt wie bisher von der WAZ, den Lokalteil übernehmen die Ruhrnachrichten. Foto: Johannes Hoffmann

In Dortmund gibt es die WR weiterhin zu kaufen.

Für die 120 Redakteure kam die Entscheidung der WAZ-Gruppe unerwartet. Ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte, schildert die Situation so: „Die Stimmung ist nicht wirklich aufgebracht, eher sind alle geschockt. Hinter vorgehaltener Hand wird von vielen die Chefetage verantwortlich gemacht.“

Ungeklärt ist, ob die WAZ eine Kündigungsfrist einhalten muss oder betriebsbedingt sofort kündigen kann. Die festen Mitarbeiter können sich Hoffnungen auf eine Abfindung machen.

Für die Pauschalisten gibt es keine Leistungen. Sie stehen als freie Mitarbeiter ab dem 1. Februar auf der Straße. Die Mitarbeiter wehren sich gegen die Schließung und wollen am Samstag vor dem WR-Gebäude im Dortmunder Brüderweg demonstrieren.

Falls wirklich viele WR-Leser ihre Abos kündigen, könnte die Westfälische Rundschau bald wirklich im Papierkorb landen. Foto: Johannes Hoffmann

Falls viele WR-Leser ihre Abos kündigen, könnte die Westfälische Rundschau bald wirklich im Papierkorb landen.

Gesellschaftliche Bedeutung weiterhin vorhanden

Eine Zeitung ist ein wirtschaftliches Unternehmen, Millionensummen werden in Planung und Werbung gesteckt und dennoch ist sie nichts ohne ihre Leser.

In sozialen Netzwerken zeigen sich tausende Nutzer solidarisch mit der WR. Es gibt sogar Seiten zur Rettung der Westfälischen Rundschau.

Letztlich sind es die Geschäftsführung und die Leser, die noch die Macht haben, etwas zu bewegen, die Mitarbeiter können nur auf ihren Betriebsrat hoffen und gegen das Aus der WR demonstrieren.

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