Fernbusse: Ein absurder Preiskampf

Fernbusse sind auf der Überholspur: Seit der Liberalisierung des deutschen Fernbusmarktes Anfang 2013 bestimmen immer mehr Busse in knallgrün (meinFernbus), knallblau (Flixbus) oder knallgelb (ADACPostbus) das Straßenbild. Insbesondere für Studenten sind die niedrigen Preise attraktiv. Unschön ist allerdings das, was sich hinter der durchgestylten Fassade der Fernbusbranche verbirgt: ein Preiskampf zu Lasten der Sicherheit. Ein Kommentar. 

Teaser-Foto: Sascha Böhnke / pixelio.de

Wer einen Kurztrip nach Hamburg unternehmen möchte, hat die Wahl zwischen Schienen und Straße: Eine ICE-Fahrkarte der Deutschen Bahn kostet 72 Euro. Ein weitaus weniger großes Loch ins studentische Portemonnaie reißt da das Busticket: Auf der Webseite von MeinFernbus ist die Fahrt vom Ruhrgebiet in die Hansestadt schon ab 16 Euro zu haben. Ein ausreichendes Argument, um die Reise am ZOB zu beginnen? Nein. Denn die günstigen Preise sind teuer erkauft.  

Fernbusse in Deutschland
 

Offensichtlich ist: 16 Euro für gut 300 Kilometer sind nur machbar, wenn an anderen Stellen gespart wird. Zum Beispiel an der Sicherheit. Immer wieder gibt es Vorfälle, die an der Sicherheit des Transportmittels ‚Fernbus‘ zweifeln lassen. Veraltete Busse, überlastete Fahrer, Unfälle. Erst Anfang des Monats ist in Hessen ein Fernbus mit einem LKW kollidiert. Es gab zwölf Verletzte. Möglicherweise hatte der Busfahrer die Geschwindigkeit des LKW falsch eingeschätzt. MeinFernbus dementierte das, wohl auch, um das Bild des übermüdeten, unterbezahlten Busfahrers zu korrigieren. Auch wenn bei solchen Unfällen reflexartig mit dem ‚Einzelfall‘-Stempel ausgeholt wird, ist offensichtlich: Der Druck hinter den hippen, farbenfroh lackierten Karosserien ist groß.   

Und dieser Druck äußert sich nicht nur in den Arbeitsbedingungen der Fahrer, sondern auch in der Preispolitik der Anbieter. Je billiger, desto besser. Flixbus ködert seine Facebook-Fans regelmäßig mit 1-Euro-Tickets und ermöglich so eine Busfahrt durch die halbe Republik, die nur halb so viel kostet wie eine Busfahrt im öffentlichen Nahverkehr. Eine eindrucksvolle Illustration eines absurdes Preiskampfes, in dem sich die Anbieter, bei dem Versuch, die Konkurrenz zu unterbieten, langfristig selbst ruinieren. Dieses Problem hat mittlerweile auch der Präsident der Busunternehmer, Wolfgang Steinbrück, erkannt und treffend zusammengefasst: „Die Preise reichen ja niemandem zum Leben.“  Das wechselseitige Unterbieten hat am heutigen Dienstag erstmals einen großen Fernbus-Betreiber in die Knie gezwungen. City2City, das fünftgrößte Fernbus-Unternehmen in Deutschland, gab seinen Ausstieg bekannt.   

Also von der Straße zurück auf die Schienen? Keinesfalls! Die Liberalisierung des Fernbusmarktes und die Beseitigung der Monopolstellung der Deutschen Bahn waren längst überfällig. Doch an der surrealen Preispolitik der Fernbus-Branche muss sich einiges ändern. 32 Euro für die Strecke Hamburg-Dortmund wären für den Fahrgast beispielsweise ein noch besserer Deal, weil er nicht zu Lasten der Sicherheit geht. 

Umgehört auf dem Campus: Wart ihr schon mal mit dem Fernbus unterwegs? 

IMG_8314verkleinertKatharina war schon dreimal mit dem Fernbus unterwegs. „Damit habe ich meinen Bruder, der in Berlin lebt, besucht. Es ist schon toll, wenn man für eine Fahrt dorthin gerade mal 15 Euro zahlen muss. Außerdem sind Fernbusse viel unkomplizierter als die Bahn. Da fallen ja häufiger Züge aus.“ 

 

IMG_8309verkleinertJannik hat schon oft daran gedacht, einen Fernbus zu nutzen. „Das ist eine günstige Alternative zur Bahn, macht innerhalb von NRW aber wenig Sinn, da man mit dem Semesterticket überall kostenlos hinkommt.“ 

  

IMG_8315verkleinertSonja (r.) findet, dass Fernbusse eine günstige Alternative zur Bahn sind. Restlos überzeugt ist sie trotzdem nicht: „Ich habe vor einiger Zeit im Fernsehen gesehen, dass das wohl riskant sein soll, weil durch den Preisdruck die Busfahrer ihre Pausen nicht immer einhalten.“ Jill (l.) war noch nie mit einem Fernbus unterwegs und kann sich das nicht vorstellen: „Ich bin total ungern Beifahrer.“ Am wohlsten fühlt sie sich, wenn sie selbst am Steuer sitzt.