Facebook für (Geschäfts-) Freunde

Eine Glosse von Marie Denecke

Facebook ist, das wissen wir alle, zu wohl 95 Prozent da, um ziemlich belangloses Zeug zu verbreiten. Urlaubserlebnisse zum Beispiel: „Heute Mittag gab’s Pasta mit Scampi, totaaaal lecker!“ oder: „Ich glaube, der Poolboy hat gewachste Beine!“. Unterhaltsam im besten Falle, im schlimmsten Falle nervig, aber in keinem Fall ist so etwas weltverändernd. Unschön also, wenn mit jedem – wie sagt man das jetzt freundlich? – Unsinn die Facebook-Öffentlichkeit traktiert wird.

Denn von „Freunden“ kann man bei den Hundertschaften, mit denen man über Facebook verlinkt ist, nun wirklich nicht mehr reden – zumindest nicht ausschließlich. Denn unsere Facebook-Freude sind nun mal Öffentlichkeit: das sind beste Freunde, gute Bekannte und entfernte Verwandte genauso wie die Lisa aus der Lerngruppe oder Ben, neben dem man mal während der Zugfahrt Köln-Hamm gesessen hat. Und die älteren Kollegen von der Arbeit, der Chef der Praktikumsstelle oder der Leiter des Fortbildungsseminars gehören eben auch dazu.

Privat oder geschäftlich: Facebook ist immer an.

Privat oder geschäftlich: Facebook ist immer an.

Die Frage ist da, ob es die auch wirklich interessiert, was man mit seinem Smartphone vom Pool oder Club mal eben – schwupps – online stellt, wie der Freund in einer Speedo-Badehose aussieht oder man selbst beim Schokokuss-Wettessen. Zugegeben, für interessante Gespräche bei der Arbeit am nächsten Montagmorgen dürften diese Sachen sorgen. Aber auch dafür, dass einem der Chef das nächste Projekt anvertraut oder einen der Kollege für eine Aufgabe weiterempfiehlt?

Manche, ganz gewitzte Facebook-User machen also Folgendes: Sie trennen ihre „Freunde“ auf, in private und geschäftliche Freundschaftslisten. Damit jeder nicht jeden Kommentar sehen kann, denn so kann man Teile des Profils vor den professionellen Kontakten verbergen. Denn, klar, spätestens so ab Mitte 20 und dem sechsten Praktikum häufen die sich ja auch. Und an die Zukunft denken, das hat ja Mutti schon immer gesagt, ist auch wichtig. Also keine Poolbilder für den eventuell zukünftigen Chef. Sondern Bildergalerien vom letzten Workshop oder Links, die zeigen, wie kompetent und themenbezogen man doch im Netz unterwegs ist.

Dann kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Es sei denn… War der Klick da jetzt eben richtig? Wenn man auch immer fünf Dinge gleichzeitig macht! Dann kann es schon mal passieren, dass unter dem Foto vom Chef bei der Eröffnung der Jahreskonferenz der eigene Kommentar aufleuchtet: „Du heiße Schnecke! :D“ Mist, war nicht dafür gedacht, sondern eigentlich für Lisas Schaumparty-Bild. Und Lisa? Na, die wird sich über den Kommentar „Eine sehr gelungene Präsentation!“ vielleicht sogar freuen.

Lest in Teil 2, wie man anständig mit Facebook umgeht:

Keine Tierfotos, immer nett bleiben: Die Facebook-Etikette

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