Wenn der Gaul aus dem Döner grüßt

Das dürfte den Pferdefleischskandal erneut anheizen: Bei zufällig ausgewählten Proben aus Dortmund, Bochum und Witten stießen Schüler eines Gymnasiums nicht nur auf Rind und Lamm – sondern auch auf Pferd. Ist das einen erneuten #aufschrei wert? Die Meinungen der Studenten sind geteilt.

Dr. Florian Schaller, Projektleiter und Biologie-Lehrer am Schiller-Gymnasium warnt vor Panikausbrüchen. Zwar hätten seine Schüler in einer Döner-Probe Pferde-DNA gefunden, jedoch sei der Fund nicht wissenschaftlich untermauert: „Man muss auch berücksichtigen, mit welchen Mitteln wir hier arbeiten. Wenn sieben unerfahrene Schüler DNA untersuchen, kann schon die kleinste Unachtsamkeit ungenaue Messergebnisse hervorbringen.“ 

"Im Döner sollte wirklich nur das drin sein, was auch drauf steht. Damit das auch gewährleistet wird, wäre ich auch bereit mehr für den Döner zu zahlen. Bei einem 2-Euro-Döner kann man einfach keine Qualität erwarten." Erdal, 29.

„Im Döner sollte wirklich nur das drin sein, was auch drauf steht. Damit das auch gewährleistet wird, wäre ich auch bereit mehr für den Döner zu zahlen. Bei einem 2-Euro-Döner kann man einfach keine Qualität erwarten.“ Erdal, 29.

Für lokale Medien im Netz reichten diese Informationen jedenfalls für eine Topmeldung im Lokalen. Nur ist der Fund nicht neu, schon im Herbst 2013 machten die Schüler Florian Schallers die unerwartete Entdeckung.

Warum der Fall jetzt erst ans Licht kommt, erklärt Dr. Schaller: „Ich wollte das eigentlich gar nicht an die große Glocke hängen, jedoch hat uns die Rütgers-Stiftung, die 9000 Euro für die molekularbiologische Grundausstattung gesponsert hat, darum gebeten, mit dem Fall an die Presse zu gehen.“ Die Rütgers-Stiftung greift naturwissenschaftlichen Schülerprojekten finanziell unter die Arme. Mit dem Projekt an der Schiller-Schule sollen die Schüler selbst Verbraucherbetrug auf die Schliche kommen. Ganz nach dem Motto: „Was ist eigentlich in meinem Döner drin?“ 

Schreckgespenst Pferdefleisch

"Ich bin echt empört über den Pferdefleischskandal! Dagegen sollte man angehen." Tina, 25.

„Ich bin echt empört über den Pferdefleischskandal! Dagegen sollte man angehen.“ Tina, 25.

Auch wenn der Fall aus Bochum nicht wissenschaftlich fundiert ist, Pferdefleisch geistert seit vielen Monaten durch unser Essen. Besonders Fertiggerichte wie die Tiefkühllasagne sind betroffen. Für den Verbraucher selbst stellt der Gaul im Döner keine Gefahr dar. Wenn man allein die Fleischqualität betrachtet, ist Pferd sogar hochwertiger als Schwein, Lamm oder Rind.

Das Problem ist die Kennzeichnungspflicht deutscher Lebensmittel. Die besagt, ganz pauschal ausgedrückt: Bei allen Lebensmitteln, die in Deutschland vertrieben werden, muss drin sein, was drauf steht. „Wenn das betroffene Dönerfleisch entsprechend gekennzeichnet wäre, wäre Pferd im Döner überhaupt kein Problem. Kritisch wird es nur, wenn nicht gekennzeichnete Bestandteile in Lebensmitteln auftauchen“, erklärt Tobias Hein vom Institut für Produktqualität Berlin.

"Wenn der Döner lecker ist, ist mir egal, ob da Pferdefleisch drin ist oder nicht. Mehr als 4 Euro würde ich nicht für einen Döner ausgeben." Jakob, 21.

„Wenn der Döner lecker ist, ist mir egal, ob da Pferdefleisch drin ist oder nicht. Mehr als 4 Euro würde ich nicht für einen Döner ausgeben.“ Jakob, 21.

Dass die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel nur leider nicht immer pflichtgemäß umgesetzt wird, zeigen von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Tests. Das erschreckende Ergebnis: Jedes 20. Rindfleisch-Fertiggericht enthält Pferdefleisch. Erst im Februar diesen Jahres teilte das Verbraucherschutz-Ministerium mit, dass die geschätzten Pferdefleisch-Lieferungen eines Schlachthofes aus den Niederlanden weit höher ist, als erwartet. Statt den befürchteten 28 Tonnen seien es geschätzte 1030 Tonnen mit Pferd gemixten Rindfleisches. 

Verbraucher kaufen weiter aus der Tiefkühltruhe

"Das ist natürlich echt nicht so Bombe. Ich persönlich würde es aber nicht so schlimm finden, wenn ich Pferd im Döner gehabt hätte." Sven, 21. Fotos: Tobias Schreiner

„Das ist natürlich echt nicht so Bombe. Ich persönlich würde es aber nicht so schlimm finden, wenn ich Pferd im Döner gehabt hätte.“ Sven, 21. Fotos: Tobias Schreiner

Den deutschen Verbraucher scheint der Pferdefleisch-Skandal zwar zu ärgern, Konsequenzen zieht er jedoch nicht. Das Deutsche Tiefkühlinstitut teilte mit, dass der durchschnittliche Deutsche im letzten Jahr 41,1 Kilogramm Tiefkühlprodukte verputzte – das sind 100 Gramm mehr als noch 2012. Im Endeffekt müssen wir uns wohl selbst fragen, ob wir uns den 2-Euro-Döner antun wollen, oder nicht. Denn wie so oft ist der #aufschrei groß, aber die Wirkung erbärmlich klein.

 

Hans-Joachim Skupsch Foto: Stadt Dortmund

Hans-Joachim Skupsch Foto: Stadt Dortmund

Interview mit Hans-Joachim Skupsch (Stadt Dortmund)

Herr Skupsch, wie ist der Pferdefleisch-Fund der Bochumer Schüler mit der Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln zu vereinbaren?

Das ist nicht zu vereinbaren, es müsste entsprechend deklariert werden.

Wird in Dortmund möglicherweise nicht genug kontrolliert?

In Dortmund wird gemäß der gesetzlichen Vorgaben und somit ausreichend kontrolliert.

Wie laufen die Lebensmittelkontrollen in der Fleischindustrie ab, welche Kriterien gibt es?

Die staatlichen Lebensmitteluntersuchungsämter kontrollieren alle Schlachtungen in Dortmund. Sämtliche Dortmunder Betriebe werden auch mit Blick auf Lagerung und Verkauf mindestens einmal jährlich kontrolliert, je nach Betriebsgröße aber auch risikoorientiert – bis zu einmaliger Kontrolle pro Quartal.

Hat der Verzehr von Pferdefleisch gesundheitliche Folgen für den Konsumenten?

Nein, solang das Fleisch aus einer ordnungsgemäßen Schlachtung kommt, gibt es keine negativen Folgen. Auf den Dortmunder Wochenmärkten sowie bei einzelnen Metzgereien wird regelmäßig Pferdefleich zum Kauf angeboten.

Experten berichten, dass Pferdefleisch qualitativ viel hochwertiger sei als Rind-, Lamm- oder Schweinefleisch. Wie bewerten Sie die Qualität von Pferdefleisch?

Dies hängt vom jeweiligen Teilstück ab. In der Regel sind die Fleischsorten als gleichwertig zu bewerten.

Wird es nun striktere Kontrollen geben?

Nein, dazu besteht kein Grund.

Wie bewertet die Stadt die Situation – kein Grund zur Panik oder ein ernster Fall?

Kein Grund zur Panik! Im Jahr 2013 wurden unter anderem fünf Dönerproben untersucht, alle mit gutem Ergebnis. Darüber hinaus gilt es zu bedenken, dass der Betreiber einer Dönerbude sein Fleisch auch selber stecken und auch seine Dönerspieße im EU-Ausland einkaufen darf. Insoweit wären dann Dortmunder Kontrollen – egal wie viele – wertlos.

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