Profs in den Semesterferien

Hausarbeiten, Lernen für die nächste Klausur, Praktika – so sieht für viele Studenten eine vorlesungsfreie Zeit aus. Aber was machen eigentlich die Professoren? Bei vier bis fünf Sprechstunden in zwei Monaten lässt sich zunächst ein paradiesisches Leben vermuten. Dieser Schein trügt jedoch: Drei Professoren der Ruhr-Unis erzählen aus ihrem arbeitsreichen Alltag in der vorlesungsfreien Zeit und geben Tipps, wie die Studenten ihre vorlesungsfreie Zeit wirklich effektiv nutzen.

Prof. Dr. Christiane Bimberg, Anglistik, TU Dortmund

In der vorlesungsfreien Zeit sollte man die perfekte Mischung aus Faulenzen und Arbeit finden, findet Prof. Dr. Bimberg. Foto: Institut für Anglistik und Amerikanistik/ TU Dortmund.

In der vorlesungsfreien Zeit sollte man die perfekte Mischung aus Faulenzen und Arbeit finden, findet Prof. Dr. Bimberg. Foto: Institut für Anglistik und Amerikanistik/ TU Dortmund.

„Diese vorlesungsfreie Zeit versuche ich mit Forschung zu verbringen. Ich stecke in den Feinarbeiten zu einer Monographie über das Thema „Kindheitsbilder in viktorianischen Autobiographien“. Gleichzeitig muss ich jedoch zwei Kurse für das kommende Sommersemester vorbereiten. Das ist schon immer viel Arbeit, Kurse aus dem Boden zu stampfen. Sie müssen den verschiedenen Prüfungsordnungen angepasst werden, man muss Lektüre sichten, didaktische Aspekte klären. Trotz der vielen Arbeit, würde ich jedoch nicht mehr mit den Studierenden tauschen wollen. Obwohl ich mich vor ein paar Jahren selbst noch einmal in die Rolle des Lernenden begeben habe. Ich bin ausgebildete Russisch-Lehrerin und war zu meiner Studienzeit auch ein Jahr in Russland im Auslandssemester. Mit der Zeit vergisst man jedoch so vieles und deshalb wollte ich meine Sprachkenntnisse auffrischen. Deshalb habe ich damals einen Intensivkurs in Russisch besucht. Auch die Studierenden sollten immer versuchen, sich auch neben ihrem Studien umzuschauen.“

"Lesen, die Studenten sollten immer viel Lesen, Themen vertiefen.", meint Prof. Dr. Jahnke

"Lesen, die Studenten sollten immer viel Lesen, Themen vertiefen.", meint Prof. Dr. Jahnke. Foto: Fakultät für Mathematik/ Universität Duisburg-Essen

Hans Niels Jahnke, Didaktik der Mathematik, Universität Duisburg-Essen

„Überwiegend verbringe ich meine vorlesungsfreien Zeiten mit Arbeit. Zur Zeit bin ich dabei zwei Artikel über die Didaktik des Beweisens zu schreiben. Man muss sich allerdings auch immer eine kleine Auszeit gönnen. Deshalb geht es diese vorlesungsfreie Zeit auch noch 12 Tage in den Urlaub. Das ist dann eine gesunde Mischung. Auch als Student war die vorlesungsfreie Zeit für mich immer ein Mix aus positiven Momenten und Frustration über die ein oder andere Hausarbeit. Vor allem habe ich als Studierender jedoch an der seminarfreien Zeit genossen, zu lesen, mich intensiv mit den Inhalten meines Studiums auseinander zu setzen. Das war immer ein tolles Gefühl, die Erfahrung, dass man plötzlich etwas versteht, etwas lernen kann. Praktika habe ich persönlich nie gemacht. Das fand ich immer ganz schrecklich. Deshalb würde ich den Studenten auch empfehlen, weder zu faulenzen noch Praktika zu machen, sondern zu lesen. Das ist das, was mir im Moment zum absoluten Glück noch fehlt.“

Prof. Dr. Silvia Schneider, Klinische Kinder- und Jugendpsychologie, Ruhr-Universität Bochum

Prof. Dr. Schneider rät den Studierenden neugierig zu bleiben und Betriebsblindheit möglichst zu vermeiden. Foto: Fakultät für Psychologie/ Ruhr-Universität Bochum

Prof. Dr. Schneider rät den Studierenden neugierig zu bleiben und Betriebsblindheit möglichst zu vermeiden. Foto: Fakultät für Psychologie/ Ruhr-Universität Bochum

„Es ist eigentlich jedes Mal das gleiche. Der Versuch, den Arbeitsstau, der sich während des Semesters angesammelt hat, abzuarbeiten. Aber das bleibt zumeist eine Wunschvorstellung. Denn auch während der vorlesungsfreien Zeit fallen immer wieder neue Aufgaben an. Zum Beispiel möchte ich auch in dieser Zeit für die Doktoranden und Master-Studenten, die ich betreue, als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Darüberhinaus bin ich häufig auf Vortragsreisen. In der ersten Woche dieser vorlesungsfreien Zeit war ich allein an vier verschiedenen Orten. Dieses Arbeitspensum schreit eigentlich nach Urlaub. Das ist allerdings als Mutter von schulpflichtigen Kindern nicht immer einfach zu koordinieren. Wenn meine Kinder Osterferien haben, beginnt für mich das neue Semester. Das gleiche gilt für die Herbstferien. Arbeiten an der Universität ist in dem Sinne nicht wirklich familienfreundlich. Da ist man als Student viel freier. Und das sollte man nutzen. Vor allem sollten die Studierenden möglichst viel reisen, neugierig sein, die verschiedensten Dinge um ihr Studium herum kennen lernen. Ich finde es sehr schade, dass viele Studenten heute keine Zeit mehr dazu haben, da sie oftmals viel arbeiten müssen, um sich ihr Studium überhaupt finanzieren zu können.“

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