Sicherheit geht vor: Die S1 hat “Tunnelverbot”

Seit Wochen kommt es zu Verspätungen auf der S-Bahn-Strecke S1 zwischen dem Dortmunder Hauptbahnhof und Solingen. Oft ertönt an den Bahngleisen die Durchsage, die Bahn kommt fünf Minuten später. Dann fällt sie auf einmal ganz aus. Auch die Haltestelle “Dortmund Universität” liegt auf dem betroffenen Abschnitt. Studenten, die jeden Morgen mit der S1 zur Uni fahren, fragen nach dem Grund für die Probleme. Gerüchte über brennende Abteile und in der Bahn platzierte Bomben machen die Runde. Die Realität ist ein wenig nüchterner. 

Der Grund für die Verspätungen auf der Linie S1 ist eine große Sicherheitsmaßnahme. Am 18. November hatte eine S-Bahn des Typs ET 422 in Essen Feuer gefangen. Alle Passagiere konnten den Zug unbeschadet verlassen. Die Deutsche Bahn (DB) sucht nun fieberhaft nach der Brandursache. In der Zwischenzeit setzt das Unternehmen auf erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Im Fall eines Brandes müssen Bahnpassagiere schließlich so schnell wie möglich evakuiert werden können.

Bahngleise in einem Tunnel. Bild: flickr.com Liliala Capari unter Verwendung der Creative Common Lizenz

Evakuierungen in Tunneln seien deutlich schwieriger als im Freien, erklärt Dirk Pohlmann, Pressesprecher der Bahn NRW, gegenüber den “Ruhrnachrichten”. “Sicherheit ist für die Deutsche Bahn das oberste Gebot,” sagt Pohlmann. Um kein Risiko einzugehen, haben Züge des Typs ET 422 in Dortmund seit dem 23. November “Tunnelverbot”. Auch die Züge der Linie S1 gehören zu dieser Baureihe. Aufgrund des Tunnelverbots fährt die S1 mit den Zügen eines älteren Modells die Strecke vom Dortmunder Hauptbahnhof bis Bochum. Ab Bochum fahren wieder die normalen Züge bis nach Solingen.

2017: vorläufig keine Besserung in Sicht

Die Verspätungen der Ersatzzüge entstehen größtenteils durch die Umsteigezeiten in Bochum und durch die Wartezeiten der Anschlusszüge.  Zusätzlich fallen zwei Ersatzzüge morgens und nachmittags auf der Strecke zur Universität Dortmund aus. Laut der Deutschen Bahn werden sich die Verspätungen und Ausfälle noch bis ins kommende Jahr (2017) hineinziehen. Schon jetzt sind einige Studenten der TU Dortmund stark von den Verspätungen betroffen. Den Grund für die Probleme kennen viele von ihnen jedoch nicht.

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Was passiert, wenn der Zug wirklich mal in Flammen steht?

Sollte es in einer S-Bahn doch einmal zu einem Brand kommen, hat die DB umfangreiche Notfallpläne ausgearbeitet. Bundesweit stehen sechs Rettungszüge an festen Standorten rund um die Uhr bereit. Zusätzlich werden durch einen Löschmittelwagen Löschwasser und Schaummittel bereitgestellt. Die Züge werden mit Einsatzkräften der Feuerwehren und Rettungsdienste besetzt und sind nach spätestens fünf Minuten abfahrbereit. “Die DB  hat verschiedene Szenarien für die mögliche Evakuierung in Tunneln. Die konkrete Umsetzung ist jedoch einzelfallbezogen”, sagt Pohlmann.

Der Deutsche-Bahn-Notfallplan:

Erster Schritt

Der Zugführer informiert die Notfallleitstellen der DB Netz AG. 

Zweiter Schritt

Die Einsatzkräfte werden alarmiert, die Strecke wird freigemacht. 

Dritter Schritt

Das Zugpersonal räumt den brennenden Bereich.

Vierter Schritt

Erst beim Eintreffen der Einsatzkräfte wird der Zug evakuiert. Da man ohne Bahnsteig 1,50 Meter tief springen muss.

Fünfter Schritt

Der Zug wird gelöscht und die Passagiere werden mit den Rettungszügen zum nächsten Bahnhof gebracht.

Die Eurobahn übernimmt die Linie S1

Die Umstellungen auf der Linie S1 werden auch in Zukunft kein Ende nehmen. Ab Ende 2019 übernimmt das französische Bahn-Unternehmen Keolis/Eurobahn die S-Bahn-Strecken S1 und S4. Mit der Übernahme der Linie S1 soll sich auch die Taktung der Zugfahrten auf dieser Strecke ändern. Statt alle 20 Minuten, soll zu den Hauptverkehrszeiten alle 15 Minuten ein Zug fahren. “Die beiden Linien werden mit 42 Gebrauchtfahrzeugen der DB Regio, Typ ET 422, betrieben”, gab die Eurobahn in einer Pressemitteilung im Juli 2016 bekannt. Ob das nach den Vorfällen mit dieser Baureihe so bleibt, ist noch nicht abzusehen. 

Beitragsbild: flickr.com kuknauf unter Verwendung der Creative Common Lizenz 

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