Bar oder mit Karte? Ich zahl‘ mit Pfand!

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Dicke Bücher belasten den Rücken, im Kino zahlt man für Überlänge drauf. Zeit ist Geld – im wahrsten Sinne. Wofür also die knappe Freizeit verwenden? Wir lesen, spielen und schauen für euch – nach zwei Stunden hören wir auf. Entweder, weil wir fertig sind oder weil die Zeit um ist. Dieses Mal machen wir uns auf die Suche nach wahren Goldgruben für fleißige Sammler. Auch bekannt als Pfandflaschen.

Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig. Welcher Studierende kennt das nicht? Neben Vorlesungen, Prüfungen und dem Lernstress bleibt oft zu wenig Zeit, arbeiten zu gehen. Daher gibt es dann oft nur noch zwei Möglichkeiten: entweder bei den Eltern nach Geld betteln oder tagelang trockene Nudeln essen. Aber gibt es vielleicht doch einen anderen Weg? Denn das Geld liegt ja bekanntlich – direkt vor unseren Augen – auf der Straße. Ich nehme mir also vor, Pfandflaschen zu sammeln. Genau zwei Stunden lang.

Schnelldurchlauf

Viele Mülltonnen, aber kein Pfand für mich

Viele Mülltonnen, aber kein Pfand für mich.

Gemäß dem Motto „aller Anfang ist schwer” habe auch ich erst mal Probleme beim Pfandsammeln. Ich gehe von Mülltonne zu Mülltonne, schaue im Gebüsch nach, aber nirgends ist auch nur eine einzige Flasche zu sehen. Im Park in Dortmund-Kirchlinde wurden scheinbar kurz vor meiner Ankunft fast alle Mülleimer geleert. Ich finde weder Pfand, noch Müll.

Dazu ist es ein grauer, verregneter Novembertag und mich verlässt recht schnell die Motivation. Dass ich von Passanten seltsam von der Seite angeguckt werde, wenn ich in die Mülltonnen hineinsehe, macht die ganze Sache für mich nicht besser. Alle zwei Minuten schaue ich auf die Uhr und hoffe, dass die zwei Stunden endlich vorbei sind. Nach mir endlos erscheinenden 20 Minuten dann endlich mein erstes Erfolgserlebnis.

Momentaufnahme

Ich schaue in die graue Mülltonne am Rand des Gehwegs. Mein Blick fällt auf die schwarze Dose mit blauer Aufschrift. Sie sieht noch brauchbar aus. Kurz steigt Euphorie in mir auf. Endlich habe ich die erste Dose gefunden. Aber nicht nur eine Dose, natürlich ist auch Müll im Mülleimer: Taschentücher und Verpackungen. Das ekelt mich ziemlich an. Zum Glück habe ich vor meinem Experiment noch Gummi-Handschuhe gekauft. Ich blicke mich um. Eine Frau geht mit ihrem Hund spazieren und kommt direkt auf mich zu. Sie sieht mich an. Das ist mir ziemlich unangenehm. Aber egal, ich will diese Dose haben. Schnell ziehe ich die Handschuhe an, lege meine noch leere Einkaufstasche auf den Boden und greife zum ersten Mal in eine Mülltonne. Ich spüre, dass die Frau mich nach wie vor beobachtet. Was sie wohl denkt? 

Ich komme nicht an die Dose heran. Der Ärmel meiner Winterjacke passt nicht durch den Schlitz. Ich bin frustriert. Ich schaue nach oben in den Regen und denke nur: „Das ist ein schlechter Scherz, oder?” Aber was tut man nicht alles für Geld? Ich ziehe meine Jacke aus, halte sie mit meinen Knien verkrampft vom nassen Boden fern und greife erneut in die Tonne. Zum Glück ist die Frau mit ihrem Hund mittlerweile weg und kann diese akrobatische Meisterleistung nicht mehr sehen. Aber ich habe sie: meine erste selbst gesammelte Dose. Das ist für mich in dem Moment wie Weihnachten und Geburtstag zusammen.

Die Motivation kehrt zurück

Meine Ausbeute nach zwei Stunden.

Meine Ausbeute nach zwei Stunden.

Kurze Zeit später muss ich mir aber eingestehen, dass ich in diesem Park nichts mehr finden werde. Also wechsle ich den Ort und klappere die Mülltonnen und Gebüsche rund um das Kirchlinder Einkaufszentrum in der Nähe ab. Und tatsächlich wird der Ortswechsel belohnt. Ich finde sofort zwei leere Wasserflaschen, in der nächsten Mülltonne drei Energydrinks.

Ich habe das Gefühl, das Glück ist gerade auf meiner Seite. Die Blicke der einkaufenden Menschen stören mich überhaupt nicht mehr. Ich mache schließlich nichts Verbotenes. Ich frage mich trotzdem, wieso ich gerade rund um ein Einkaufszentrum so viele Flaschen finde. Der Weg zum Rückgabe-Automaten ist überhaupt nicht weit. Die Leute scheinen einfach zu viel Geld zu haben, wenn sie ihre Pfandartikel wegwerfen. Ob sie auch Scheine aus dem Fenster werfen? Vermutlich eher nicht. Dass Pfand aber bares Geld ist, scheinen viele nicht zu realisieren. 

Nach zwei Stunden gehe ich mit insgesamt 14 Pfandartikeln in den nächsten Laden, um meinen Lohn abzuholen.

Zeit um

Jetzt stehe ich vor dem Pfand-Automaten und gebe eine Flasche nach der anderen zurück. Ich habe fast vier Euro zusammenbekommen. Das ist zwar noch kein Mindestlohn, aber es reicht zum Beispiel für ein großes Mittagessen in der Mensa. Für alle, die am Ende des Monats noch Geld brauchen, kann Pfand sammeln also eine echte Option sein. Nach dem ersten Zögern ist es gar nicht mehr so schlimm. Ich habe das Geld direkt in vier Tafeln Schokolade umgesetzt. Denn erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen.

Teaserbild: Jasmin Assadsolimani
Beitragsbilder: Leonie Rottmann

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