Hörbuch-Rezension: Auf den Spuren des Glücks

In zahllosen Büchern und im Netz wimmelt es von Anleitungen zum glücklichen Leben. Nicht zuletzt hat sich die ganze praktische Philosophie des Abendlandes damit auseinandergesetzt. Doch warum sind wir oft unzufrieden, auch wenn wir es gar nicht sein müssten? In ihrem Hörbuch „Das Happiness Projekt“ befasst sich Gretchen Rubin mit dem Glücklichsein – fern von Yoga und Feng Shui.

War erst Anwältin und schreibt jetzt Kolummnen und Bücher über das Leben: Gretchen Rubin. Foto: Rubin

War erst Anwältin und schreibt jetzt Kolummnen und Bücher über das Leben: Gretchen Rubin. Foto: Rubin

An einem verregneten Tag im Bus beginnt Gretchen Rubin, ihr Leben zu überdenken. Als erfolgreiche Rechtsanwältin und Autorin hat sie ein erfülltes Berufsleben und findet trotz allem genug Zeit für ihre Kinder und Freunde. Dennoch nimmt sie dieses Glück zu selten wahr.

Mit dem Ziel, das zu ändern, begibt Rubin sich ein Jahr lang an ihr persönliches „Happiness Projekt“. Um ihrem „Midlife-Unbehagen“ zu entkommen, stellt sie Tabellen auf, um wichtige Bereiche ihres Lebens zu kategorisieren und den Glückfortschritt festzuhalten. Sie widmet sich jeden Monat einem anderen Aspekt des Alltags. Vom eigenen Körper bis zur Familie, von Freundschaft und Liebe bis hin zu Geld und Beruf nimmt sie alles unter die Lupe. Ihren Weg zum Glück hat die Journalistin über das ganze Jahr in einem Webblog festgehalten, ihre Erkenntnisse hat sie im Hörbuch „Das Happiness-Projekt“ zusammengefasst.

Keine Prinzipienreiterei

Im Januar-Kapitel lautet ihre Aufforderung an den Hörer: „Tanken Sie Energie“. Mit Feng Shui und der Goldenen Mitte hat diese aber nichts zu tun. Der Autorin liegen solche Lehrsätze fern. Rubin wird von aktuellen Forschungsergebnissen zum Thema Glück angetrieben: Ihre Tipps haben stets einen praktischen Wert und sind weniger prinzipienbehaftet.
Im Hörbuch erklärt Rubin, wie sie selbst versucht, Energie zu tanken: Sie beginnt damit, mehr zu schlafen und regelmäßig Sport zu treiben. Als sie die Wohnung ausmistet, stellt sie fest, dass ihr nicht damit geholfen ist, sich von alten Erinnerungsstücken zu trennen. So wird statt vergilbter Familienfotos ihr Ergometer-Fahrrad aussortiert. Und sie schafft es, den Wirrwarr rund um zu hoch gesteckte Ziele zu beseitigen.

Um glücklich zu werden, braucht es nicht zwingend einen Arztbesuch. Manchmal reichen eine Tasse Kaffee und ein gutes Hörbuch. Foto: Lucas Gunkel

Um glücklich zu werden, braucht es nicht zwingend einen Arztbesuch. Manchmal reichen eine Tasse Kaffee und ein gutes Hörbuch. Foto: Lucas Gunkel

Auch wenn die Autorin, beziehungsweise Desirée Nosbusch, die das Hörbuch erzählt, die Erkenntnisse als Forderung an den Hörer formuliert, sind diese nicht als Imperative zu verstehen. Rubin stellt klar, dass es sich um ihr ganz persönliches Happiness-Projekt handelt. Da es ihr oftmals um Grundsätzliches geht, ist es leicht, den Erkenntnissen für sich persönlich etwas abzugewinnen. Angenehm ist außerdem, dass Rubin bei allem Fortschritt nie eigene Fehler und Unzulänglichkeiten verschweigt.

Rückbesinnung auf alte Stärken

Im Verlauf des Happiness-Projekts stehen oftmals utopische Vorsätze im Vordergrund. Rubin stellt fest, dass der Mensch zu glauben scheint, ein bestimmtes Ziel zu erreichen mache ihn glücklicher. Stattdessen sei es aber besser, sich auf bereits Geleistetes zu besinnen. Die zweifache Mutter beginnt beispielsweise, wieder einem alten Hobby zu frönen und Kinderliteratur auch jenseits der Gutenachtgeschichte zu lesen.

Letzten Endes muss Rubin einsehen, dass ihr Zugewinn an Glück wenig mit selbst gesteckten Zielen zu tun hat, sondern vielmehr damit, dass sie sich ihre Ziele stets vor Augen führt. In ihrem Fall mithilfe der akribisch geführten Liste. Einer wissenschaftlichen Quelle zufolge, die Rubin im Hörbuch zitiert, ist Glücklichsein zu 50 Prozent genetisch bedingt. Ungefähr 20 Prozent hängen von den persönlichen Lebensumständen ab. Der Rest bleibt jedem zur Maximierung. „Das Happiness Projekt“ ist ein schöner Beginn.

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