Wenn die Sonne untergeht…

… wird der Himmel in leuchtende Farben getaucht und markiert das Ende eines Tages oder, beispielsweise im Islam, den Beginn eines neuen Tages. Egal, welche kulturelle Bedeutung der Sonnenuntergang hat, assoziiert wird er meist mit einer oft romantisch betrachteten, farblichen Himmelserscheinung. Doch wie entsteht eigentlich die Färbung des Himmels während des Sonnenuntergangs? Dr. Wilhelm Kuttler, Universitätsprofessor für Angewandte Klimatologie an der Universität Duisburg-Essen kennt die Erklärung für das Wetterphänomen.

Der Salar de Uyuni in Bolivien ist die größte Salzpfanne der Erde und ein beliebtes Touristenziel -besonders während des Sonnenuntergangs. Foto: Laura Bearth

Der Salar de Uyuni in Bolivien ist die größte Salzpfanne der Erde und ein beliebtes Touristenziel -besonders während des Sonnenuntergangs. Foto: Laura Bearth

Am Abend verschwindet die Sonne unter dem Horizont und für kurze oder längere Zeit erscheint das bekannte Abendrot am Himmel, eine ganze Palette von Farben wie rot, violett oder sogar grün. „Verantwortlich für das Abendrot ist die Atmosphäre, denn ihre Bestandteile streuen die Sonnenstrahlung. Steht die Sonne am Horizont, muss die Sonnenstrahlung den zehnfachen Weg durch die Atmosphäre zurücklegen, als wenn sie im Zenit steht. Dieser lange Weg und die kurze Wellenlänge der Blaustrahlung führen dazu, dass das blaue Licht besonders stark gefiltert wird. So überwiegt rotes Licht, welches den Beobachter schließlich erreicht“, erklärt Kuttler.

Foto: Wilhelm Kuttler

Dr. Wilhelm Kuttler ist Professor für Angewandte Klimatologie an der Universität Duisburg-Essen. Foto: Wilhelm Kuttler

Je sauberer die Atmosphäre ist, desto intensiver können die Farben des Abendrots werden. Ist die Atmosphäre durch Industrieabgase verschmutzt, wird die Strahlung milchig oder braun bis grau. Zusätzlich bestimmt die Wetterlage die Reinheit der Atmosphäre stark und somit die Intensität des Abendrots. Ist es zum Beispiel am Strand besonders windig, befinden sich Salz und Sand in der Luft. Die Strahlung wird stärker gestreut und wirkt dunkler und weniger farbenfroh. Die Atmosphäre in Abhängigkeit des Wetters bestimmt also die Färbung des Himmels. Auf dem Mond beispielsweise gibt es keine Atmosphäre, wodurch der Himmel schwarz ist.

Nach dem Untergang der Sonne beginnt die Dämmerung. „Es wird zwischen zwei Arten der Dämmerung unterschieden. Die erste ist die „bürgerliche Dämmerung“, während der es gerade noch möglich ist, eine Zeitung zu lesen. Die Sonne befindet sich zu diesem Zeitpunkt etwa sechs Grad unter dem Horizont. Bei ungefähr 12 bis 15 Grad spricht man von der „astronomischen Dämmerung“, während der bereits helle Sterne wie Sirius oder Wega zu sehen sind“, erläutert Kuttler.

Auch der Saguaro-Nationalpark in Arizona in der Sonora-Wüste ist bekannt für farbintensive Sonnenuntergänge. Foto: Kevin Woszczyna

Auch der Saguaro-Nationalpark in Arizona in der Sonora-Wüste ist bekannt für farbintensive Sonnenuntergänge. Foto: Kevin Woszczyna

Die Dauer der Dämmerung ist von der geografischen Breite abhängig. In den Tropen zieht die Sonne aufgrund ihrer steileren Bahn einen kurzen Bogen, weshalb es dort fast keine Dämmerung gibt. Hierzulande steht die Sonne in einem stumpferen Winkel und zieht daher einen längeren Bogen, sodass die Dämmerung hier bis zu einer Stunde dauern kann.

Wer übrigens einen besonders farbintensiven Sonnenuntergang beobachtet, kann sich meist auf einen sonnigen und klaren Folgetag freuen, denn die Bauernregel „Abendrot, Schönwetterbot“ hat sich durchaus bewährt.

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