Kino-Tipp: Shanghai

Shanghai 1941: Mitten im zweiten Weltkrieg ist China von den Japanern besetzt. Nur Shanghai bleibt frei. Dorthin reist der amerikanische Agent Paul Soames (John Cusack), um den Mord an seinem besten Freund und Kollegen aufzuklären. Im Hintergrund bahnen sich bereits die japanische Invasion der Stadt und der Angriff auf Pearl Harbor an.

Paul Soames (John Cusack) versucht die Ermittlungen seines Freundes Connor nachzuvollziehen. Foto: Senator Filmverleih

Paul Soames (John Cusack) versucht die Ermittlungen seines Freundes Connor nachzuvollziehen. Foto: Senator Filmverleih

Die Situation in der Stadt ist unübersichtlich: Die westlichen Mächte bleiben neutral, Anschläge der chinesischen Rebellen erzürnen die Japaner. Mittendrin versucht der Marine-Agent Paul Soames, den Mord an seinem besten Freund Connor aufzuklären. Getarnt als Journalist mit Sympathien für Nazis, gerät Soames ins Herz der Intrigen und Geheimnisse der einzelnen Parteien.

Bei seinem Einsatz in Berlin bandelte er mit der Konsulatsangestellten Leni (Franka Potente) an, die ihm jetzt die nötigen Türen öffnet. Er freundet sich mit den Triadenboss Anthony Lan-Ting an und gewinnt sein Vertrauen als er ihn wenig später vor einem Anschlag der chinesischen Rebellen auf japanische Offiziere rettet. Doch das Unglück nimmt seinen Lauf: Denn Anna offenbart sich als Mitglied der Rebellen, die nun immer aggressiver gegen die Japaner vorgehen.

Zwischen den Stühlen

Anthony Lan-Ting und seine Frau Anna stehen auf verschiedenen Seiten: Er ist auf Seiten der Japaner, sie im chinesischen Widerstand. Foto: Senator Filmverleih

Anthony Lan-Ting und seine Frau Anna stehen auf verschiedenen Seiten: Er ist auf Seiten der Japaner, sie im chinesischen Widerstand. Foto: Senator Filmverleih

Fortan ist Soames ständig hin- und hergerissen: Einerseits muss er seine Tarnung aufrecht erhalten, andererseits will er ungestört ermitteln. Der japanische Geheimdienst, in Gestalt von Offizier Tanaka, sitzt ihm im Nacken, weil seine Loyalität gegenüber Triadenboss Anthony verdächtig erscheint. Und dann ist da immer noch die geheimnisvolle Verschwörerin Anna, von der er nie weiß, ob er ihr Vertrauen kann, oder nicht. Das Netz zieht sich immer enger, während Soames immer tiefer in das Geflecht von Lügen und Intrigen eintaucht.

„Ich fühlte mich wie in Wurm, der sich immer tiefer in einen verrotteten Apfel bohrt“, ertönt die Erzählerstimme aus dem Off. Seine Nachforschungen im Mordfall bringen ihn schließlich auf die Spur des Mädchens, die Connor zuletzt gesehen hat. Doch gerade sie ist in etwas viel Größeres verstrickt. Soames gerät in das Fadenkreuz, während sich bereits die große Katastrophe anbahnt.

Die Action kommt nicht zu kurz

Der letzte Zug raus aus Shanghai. Besonders die Hektik der Massenszenen gibt der Geschichte Dynamik. Foto: Senator Filmverleih

Der letzte Zug raus aus Shanghai. Besonders die Hektik der Massenszenen gibt der Geschichte Dynamik. Foto: Senator Filmverleih

„Shanghai: Nichts ist, wie es scheint“ lautet der vollständige Titel. Der, auf den ersten Blick sehr sperrige deutsche Titelzusatz erweist sich nach dem Kinobesuch doch als treffend, hält der Film doch immer wieder Überraschungen bereit. Als Zuschauer fragt man sich ständig, welche Wendung als nächstes kommt, wohlwissend, dass die ultimative Katastrophe von Pearl Harbour über allem schwebt.

Die solide schauspielerische Leistung von John Cusack wird von seiner Kollegin Gong Li in der Rolle der geheimnisvollen Verschwörerin Anna deutlich überstrahlt. Auch ansonsten prominent besetzt, überzeugt besonders die geladene Stimmung zwischen den Charakteren, eingebettet in eine sehr stimmige Kulisse. Der Film hebt sich allein schon wegen der historischen Bedeutung des mit Spannung überladenen Kriegsjahr 1941 von normalen Agenten-Filmen ab. Trotzdem kommt die Action nicht zu kurz. Empfehlenswert ist der Film deshalb besonders für historisch Interessierte, die auf intelligente, gewundene Erzählung und ein gesundes Maß an Action ertragen, sehenswert.

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