Ein paar Pfund weniger

Immer mehr Menschen sind übergewichtig, lautet das Credo der vergangenen Jahre. Doch auch wenn es heute deutlich mehr Dicke gibt als früher, ganz neu ist das Problem nicht. Schon die alten Griechen hatten mit „Polysarkia“, dem Fleischesüberschuss, zu kämpfen und überlegten sich, wie sie am besten an Gewicht verlieren könnten. Zu manchen Zeiten galt es in der Vergangenheit allerdings auch als überaus sexy, ein paar Kilos mehr auf den Rippen zu haben. Zum Start des pflichtlektüre-Diät-Tests werfen wir einen Blick in die Geschichte der Diät und der Schönheitsideale.

Um für den Krieg gerüstet zu sein, hielten sich schon die alten Griechen in Form. Foto: Grey59  / pixelio.de

Um für den Krieg gerüstet zu sein, hielten sich schon die alten Griechen in Form. Foto: Grey59 / pixelio.de

Trägheit, Faulheit und Völlerei, das waren in den Augen der alten Griechen die Hauptursachen für Übergewicht. Dickleibigkeit sahen sie nicht als Krankheit, sondern als eine moralische Verfehlung. Wer zu viel aß und sich zu wenig bewegte war selbst schuld daran, dass er kurzatmig und schwerfällig wurde. Und das war bei den Griechen gar nicht gerne gesehen. So wurde von jungen Spartanern beispielsweise erwartet, sich für den Kriegsdienst in Form zu halten. Wer zu dick für das Militär wurde, musste Geldstrafen bezahlen.

Erst nach und nach kam bei den Griechen die Theorie auf, dick sein könnte etwas mit der Konstitution des Einzelnen zu tun haben. Durchsetzen konnte sie sich jedoch nicht. Schon damals bildeten sich darum die ersten Vorurteile: Dicke seien verfressen, faul und dumm, aber auch ausgeglichen. Als Gegenmaßnahme empfohlen die Gelehrten harte körperliche Arbeit, Nacktbaden und eine rein pflanzliche Kost.

Das rechte Maß halten

Dabei war die Ernährung in der Antike jedoch nur Teil einer übergeordneten Diätetik, der Kunst, richtig und gesund zu leben. Hippokrates von Kos (ungefähr 460 vor Christus bis 370 vor Christus) prägte diesen Begriff als Erster und legte in seinen Schriften wert auf alle Dinge des alltäglichen Lebens. Neben der Nahrungsaufnahme auch auf Hygiene, Schlaf oder Sexualität. Nur wer immer das rechte Maß hielt, blieb gesund. Was jedoch das rechte Maß genau war, blieb der Entscheidung des Einzelnen überlassen. 

Das änderte sich jedoch mit zunehmender Christianisierung. Nun setzte die katholische Kirche das Maß. Und das bedeutete: Der Genuss von Lebensmitteln, der über das Stillen des Hungers hinausging, war Völlerei und damit Sünde. Bis ins Mittelalter galt vielleicht auch deswegen weiterhin als schön, wer schmal und schlank war. Den krassen Gegensatz setzte dann  die Renaissance und der Barock. Das Doppelkinn wurde sexy, ein dicker Bauch war besser als ein Six-Pack. Der Grund: Die ausladende Körperfülle galt als Zeichen des Wohlstands. Wer dick war, konnte es sich leisten viel zu essen und war dementsprechend reich.

Eine Woche lang haben unsere Autoren verschiedene Diäten getestet. Lassen sich die Ernährungsformen in den Alltag einbauen? Und sind sie gesund?

  • Kolikartige Bauchschmerzen und nur "lebende" Nahrung - die Rohkostdiät stellt Carla Sommer vor Probleme. Foto: Jens Hoffmann - www.GG24.de / pixelio.de

Verrückte Diäten

Erst als man im 18. Jahrhundert erkannte, dass Fettleibigkeit tatsächlich als Krankheit zu betrachten war, kam der Ernährung eine immer wichtigere Rolle zu: „Die Dickleibigkeit, wenn sie außerordentliche Weise zunimmt, kann mit Fuge unter die Gebrechen gezählet werden, denn sie hemmet einiger Massen die freye uebung der thierischen Verrichtungen; ihr Hang stehet zur Abkürzung unseres Lebens“, schrieb der englische Mediziner Malcolm Fleyming 1769 und empfohl, zur Reduzierung des Körpergewichts Seife zu essen. Die sollte das Fett aus dem Körper heraus waschen. Eine Ansicht, die schon zur damaligen Zeit äußerst kritisch betrachtet wurde.

Unsere Expertin für schräge Diäten: Susanne Klaus vom Deutschen Institut für Ernährung.

Unsere Expertin für schräge Diäten: Susanne Klaus vom Deutschen Institut für Ernährung.

Größerer Beliebtheit erfreute sich knapp einhundert Jahre später die sogenannte Bantingkur. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde diese zu einer regelrechten Modediät. Kein Wunder, erschien sie doch eher wie ein Festmahl und bestand aus viel Fleisch, Fisch, Toast, Früchten und Rotwein. Banting zu Folge kam es dabei weniger auf die Quantität, als auf die Qualität der Nahrung an. Wer also hochwertiges Fleisch esse, könne davon gar nicht zu viel essen. Die Beschränkung auf einige wenige Lebensmittel sorgte allerdings dafür, dass so mancher Diäthaltende eine Mangelernährung erlitt. Im späten 19. Jahrhundert blühten die Methoden der Diät trotzdem auf und es gab es eine Vielzahl von Vorschlägen, wie man das Gewicht am besten reduziere – nicht immer ganz gesund.

Diese Blüte der Diäten findet sich heute wieder. Und zwar im Internet. Dort wimmelt es nur so vor Vorschlägen, wie man das ein oder andere Kilo verlieren kann. Sei es, weil man ernsthaft krank ist, oder noch nicht die perfekte Strandfigur erreicht hat. Wobei perfekt hier wohl wieder Ansichtssache ist. Wir haben uns fünf skurrile Diäten ausgesucht und sie eine Woche lang ausprobiert. Unsere Erfahrungen können hier in den nächsten Tagen nachgelesen werden. Zusätzlich zu unserer persönlichen Meinung wird auch eine Expertin die Diäten bewerten. Professorin Susanne Klaus forscht und arbeitet am Deutschen Institut für Ernährung und kennt sich mit den Prozessen im Körper aus, die bei einer Diät ablaufen.