Große Auswahl, keine Preise

Es ist eng in dem kleinen Raum. Nur wenig Tageslicht schafft es durch die Fenster. Es ist voll. Alle wollen einen Blick auf die Tische werfen. Darauf stapeln sich Bücher und Kleidung. Kisten sind voll gepackt mit Spielsachen und Deko für die Wohnung. Zu kaufen gibt es die Sachen nicht. Denn heute ist Umsonstladen im Dortmunder Nordpol.

Alina Heine liest in einem Buch, das sie interessiert. Gefällt es ihr, kann sie es einfach mitnehmen. Im Umsonstladen in Dortmund muss niemand auch nur einen Cent bezahlen.

Alina Heine liest in einem Buch, das sie interessiert. Gefällt es ihr, kann sie es einfach mitnehmen. Im Umsonstladen in Dortmund muss niemand auch nur einen Cent bezahlen. Fotos: Tobias Lawatzki

Es gibt keine Kassen, keine Etiketten oder piepsende Schranken am Ausgang. Man kann mit den liebgewonnenen Stücken einfach aus der Tür rausmaschieren. Wirklich alles, was in dem stickigen Raum in der Nordstadt angeboten wird, ist kostenlos. „Als ich das erste Mal hier war, fand ich das schon ein bisschen komisch“, sagt Marcela Ibañez. „Ich habe mich umgeschaut und eine Kasse gesucht oder jemanden, bei dem ich bezahlen kann.“

"Der Umsonstladen ist ein Gegenentwurf zum Konsum-Wahn", sagt Sascha Bender. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern von Occupy Dortmund organisiert er den Umsonstladen.

„Der Umsonstladen ist ein Gegenentwurf zum Konsum-Wahn“, sagt Sascha Bender. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern von Occupy Dortmund organisiert er den Umsonstladen.

Aber genau darum geht es beim Umsonstladen. Jeder kann kommen und so viel mitnehmen, wie er will und braucht. Wer etwas hat, was er nicht mehr benötigt, kann es dem Umsonstladen zur Verfügung stellen. „Die Leute müssen aber nichts geben“, sagt Sascha Bender. Er gehört zur Gruppe Occupy Dortmund, die die Idee hatte. Einen Raum für ihr Konzept haben sie mit dem Nordpol in der Dortmunder Nordstadt gefunden. Sonst wird hier über linke Politik diskutiert. Seit März verwandelt sich der Nordpol jetzt immer am letzten Dienstag im Monat in den Umsonstladen.

Gelebte Kapitalismuskritik

Schon seit rund anderthalb Jahren ist Occupy Dortmund mit einem ähnlichen Konzept in der Innenstadt präsent. An einem Samstag im Monat hat die Gruppe einen Stand an den Katharinentreppen in der Nähe des Hauptbahnhofs. Hier wird getauscht – wer etwas mitnehmen will, muss auch etwas geben. Mit dem Umsonstladen wollte die Gruppe dann noch einen Schritt weitergehen.

„Die Idee für den Umsonstladen hatten wir durch den ‚Kauf-Nix-Tag‘. Die Idee fanden wir super.“ An einem Aktionstag Ende November werden die Menschen weltweit dazu aufgerufen genau das zu tun, was der Name schon sagt: Nichts zu kaufen. Für einen Tag gelebte Kapitalismuskritik. Und auch danach sollen alle darüber nachdenken, wie sie abseits vom üblichen Massenkonsum wirtschaften können.

Bei den Organisatoren vom Umsonstladen hat die Idee gezündet. Die geben sie jetzt an die Dortmunder weiter. Damit sind sie nicht die einzigen: In Deutschland und auch etlichen anderen Ländern haben sich Umsonstläden etabliert.

Umsonstläden in NRW
Nachschub muss her: Umsonstladen-Helferin Conny räumt eine Kiste mit Sachen aus, die abgegeben wurden.

Nachschub muss her: Umsonstladen-Helferin Conny räumt eine Kiste mit Sachen aus, die abgegeben wurden.

„Es wird zu viel weggeschmissen“

Alle Sachen im Umsonstladen sind gespendet. Während der Öffnungszeiten gibt es am Fenster eine Annahmestelle. Abgegeben wird genug. Noch während der Umsonstladen geöffnet hat, legen die Helfer Sachen nach. Auf dem Dachboden und im Keller lagert noch mehr. Manche Stücke haben schon deutliche Gebrauchspuren. Viele sehen aber aus, als seien sie noch neu.

Besucherin Alina Heine hat unter ihrem Arm schon einen kleinen Stapel an Büchern gesammelt. Sie ist nicht zum ersten Mal hier. Diesmal nimmt sie nicht nur etwas mit. Sie gibt auch Sachen ab, die sie nicht mehr braucht. „Ich habe meinen Kleiderschrank entrümpelt und so viele Sachen gefunden, die zu schade zum Wegwerfen wären.“ Marcela Ibañez findet es toll, dass solche Sachen dann im Umsonstladen landen: „Es wird viel zu viel weggeschmissen. Auch Sachen, die noch gut sind.“ Im Nordpol sucht sie vor allem nach neuen Büchern für ihr Regal.

„Wir wollen eine Alternative zum jetzigen Wirtschaftssystem zeigen. Einen Gegenentwurf zum Konsum-Wahn“, sagt Sascha Bender. Von der Idee sind viele begeistert: Schon bevor die Türen um 15 Uhr geöffnet werden, sammeln sich etliche Besucher an der Straße. Viele von ihnen kommen regelmäßig.

Das ermutigt die Organisatoren, die Idee weiterzudenken. Für die Zukunft haben sie schon Ideen: „Langfristig wollen wir ein eigenes Ladenlokal aufmachen“, sagt Sascha Bender. „Der Umsonstladen soll ein fester Punkt in Dortmund sein.“

Den Umsonstladen Dortmund finden


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Der Umsonstladen findet immer am letzten Dienstag im Monat von 15 bis 18 Uhr statt. Der Nordpol ist an der Münsterstraße 99, 44145 Dortmund. Am besten fahrt ihr mit der U41 bis zur Münsterstraße. Von da sind es zu Fuß noch etwa fünf Minuten.