WeeGee: WG-Suche im Tinder-Stil

Gefällt mir, gefällt mir nicht: Wie einen Flirt bei Tinder können Studierende ihre künftige WG bei WeeGee finden. Sieht gut aus? Hat einen spannenden Beruf? Die Hobbys sind auch toll? Ein Wisch nach rechts und die Einladung zur Besichtigung ist versendet. Auf das Konzept sind Daniel Timmermann und Niklas Meijerink gekommen. Im Interview erklärt Daniel die App und stellt sich der Frage: Ist WeeGee oberflächlich? 

Was ist das für eine App, die ihr da entwickelt habt?

WG-Tinder trifft es ganz gut. Wir von WeeGee schauen, welche WG und welche WG -Suchende am besten zueinander passen. Die prüfen dann jeweils selbst, ob sie die WG oder den Bewerber sympathisch finden. Wenn ja, wischen sie auf ihrem Smartphone nach rechts, wenn nicht, nach links. 

WGs bekommen nur die Bewerber vorgeschlagen, die zu ihrer Person passen können.

Wie sucht die App die Vorschläge aus?
  1. Dimension: Zuerst werden die Nutzer nach Kriterien sortiert. Vegetarier werden einer Vegetarier-WG vorgeschlagen.
  2. Ein Algorithmus prüft, wer aufgrund seiner Eigenschaften und Interessen zusammenpasst.
  3. Er prüft aufgrund dieser Daten, welche WG mit welchem Suchenden zusammenpasst.

Mal angenommen, ich logge mich als Suchende ein. Wie viel sieht meine potenzielle neue WG von mir? 

Foto, Name, Alter, Beruf und zwei Sätze zur Person. Auf Basis dieser Informationen kann der Anbieter einer WG sich für einen Wisch nach rechts oder links, also für eine Zusage oder Ablehnung, entscheiden. Sobald ein Match entstanden ist, kann das ganze Profil eingesehen werden und im WeeGee-Chat geschrieben werden. 

Welche Daten müsste ich eingeben?

Name, Alter, Zimmergröße, Wohnungsgröße, ab wann gesucht wird, unbefristet oder befristete Miete, was für ein WG-Typ man ist, ob zum Beispiel Zweck-WG oder Mehrgenerationen-WG.

Und wenn ich ein WG-Zimmer anbieten möchte?

Dann musst du die Ausstattung der WG angeben und die Anzahl an Mitbewohnern. Zur Ausstattung gehören zum Beispiel Balkon, Badewanne oder ein Netflix-Account.

Wie seid ihr auf die Idee der App gekommen?

Daniel Timmermann leitet von Montag bis Mittwoch eine Werbeagentur. Den Rest der Woche kümmert er sich um Projekte wie WeeGee. (Foto: WeeGee)

Der Ausgangspunkt war Niklas Meijerink, einer der drei Mitgründer und mein Sandkastenfreund. Er hatte in Osnabrück einen Mitbewohner gesucht. Er hat gesucht – und 143 Anschreiben bekommen. Ein paar lud er ein. Da waren zum Teil total verrückte Typen dabei. Er hat sich gefragt: „Wieso mache ich das eigentlich?“ Aus einer Laune heraus kam die Idee auf, die Mitbewohner-Suche wie die Partner-Suche bei Tinder anzugehen. Daraufhin habe ich einfach mal durchgerechnet, ob das auch betriebswirtschaftlich Sinn ergibt. Tut es! Also brauchten wir nur noch einen IT-Experten, um richtig loslegen zu können. Den haben wir in Matthäus Schmedding gefunden

Wieso die Wisch-Funktion? 

Wir wollen die ganzen Anschreiben möglichst schnell und effektiv filtern. Um Zeit zu sparen wollen wir das auf die kleine Bewegung zu reduzieren. 

Reduziert ihr Menschen dadurch nicht auf ihr Äußeres?

Das Foto bestimmt schon irgendwo den Eindruck, aber was ist die Alternative? Wenn man jemanden anschreibt, wird der Bewerber ja auch bei Facebook gecheckt. Selbst wenn man kein Foto findet und ihn einlädt und es dann optisch nicht passt, wird man sich dann auch nicht für die Person entscheiden.

Wie ist das Feedback bisher?

Wir haben bis jetzt ein sehr gutes Feedback erhalten. Wir müssen noch einige technische Probleme beheben, deshalb sind wir aber ja auch in der Testphase. Was die App angeht, haben wir sehr gute Rückmeldungen bekommen. Der einzige Kritikpunkt ist Oberflächlichkeit. 

Wo seid ihr bis jetzt aktiv?

Wir testen gerade in Münster. Dort haben wir jetzt 150 Nutzer, überwiegend Suchende. Diese Woche kommen Dortmund und Bochum dazu. Also es ist grundsätzlich schon überall zugänglich. Man kann jetzt jeden Ort auswählen, aber unser Marketing haben wir auf Münster, Dortmund und Bochum fokussiert. Nutzt eine Person in Düsseldorf zum Beispiel die App, dann bekommt er eine Fehlermeldung, weil es keine Vorschläge gibt. Zum Wintersemester möchten wir WeeGee deutschlandweit anbieten.

Ihr verschenkt ein „Partypack“ im Wert von 800 Euro. Wie versucht ihr sonst noch, mehr Nutzer anzuwerben?

Wir kommunizieren in unserer Werbung, wie viele WGs es schon bei uns gibt. Unser großes Ziel ist es, viele WGs zu erreichen. Über Google können wir Werbung an die Leute schicken, die sich für Wohngemeinschaften interessieren. 

Wie habt ihr euch das nötige Wissen angeeignet? 

Ich hatte zwei Seminare im Master, wo wir auch Businesspläne schreiben mussten. Ansonsten habe ich durch meine Selbstständigkeit schon viel gelernt. Viel learning by doing.

Auf welche Hürden seid ihr im Prozess gestoßen?

Die ganze Bürokratie frisst viel Zeit, die Anmeldung des Unternehmens, die steuerlichen Geschichten, Mitarbeiter anmelden. Da hatte ich überhaupt keine Erfahrung. Man muss ja auch erst einmal wissen, welche Steuerbeitragsgruppe die Mitarbeiter haben. Das ist zeitaufwendig und hält auf.  Auf der technischen Seite unterschätzt man den Aufwand oft. Es fallen immer wieder Dinge auf, die optimiert werden müssen. Deshalb lohnt es sich erst einmal in einer kleinen Stadt anzufangen. 

Wie finanziert ihr euch?

So werden Mitbewohner-Vorschläge angezeigt.

Wir binden Werbeanzeigen ein, zum Beispiel in Form einer Matching-Ad. Da bekommt der Nutzer dann, während er einen Mitbewohner sucht, einen Werbepartner angezeigt anstelle einer Person. Swiped er nach rechts, öffnet sich der Shop. Wischt er nach links, wird die Anzeige abgelehnt. Wird nach einem Wisch nach rechts ein Produkt beim Werbepartner gekauft, bekommen wir eine prozentuelle Beteiligung. Außerdem werden wir einen Premiumdienst anbieten. Die Anzahl der Swipes wird in einer Basisversion beschränkt sein. Erst in der Premiumversion kann so viel geswiped werden, wie man Lust hat. 

Was sind eure nächsten Schritte?

Wir wollen die Filterfunktion optimieren und verschärfen und einen E-Mail-Log-In einrichten. Wir wollen dann im August deutschlandweit aktiv werden. Das sind dann zwanzig Studentenstädte. Die Gesamtmenge der Studenten in diesen Städten ist circa eine halbe Million. 

Habt ihr einen Tipp für junge Gründer?

Wir sitzen im Work-Inn, das ist ein Co-Working-Space in Dortmund. Da kann man sich auch tageweise einmieten und sich dahin setzen. Die Anwesenden kommen schnell in Kontakt. Manche von ihnen haben Kontakte zur Wirtschaftsförderung oder zur Stadt.

Beitragsbilder: WeeGee