Zum Filmproduzenten in neun Monaten

Mumukuba
Eigentlich soll Timur für ein Auslandssemester nach Hawaii und dort auf einer Kokosnussfarm arbeiten. Der Plan aber scheitert. Zum Glück, wie sich später herausstellt. Denn stattdessen bekommt er das Angebot, in Seattle in einem Reisebüro zu arbeiten und die Washington University zu besuchen. So werden aus drei Monaten Hawaii neun Monate USA und aus einem Lehramtsstudenten der Geschäftsführer einer Medienproduktionsfirma.

Zur Uni und zur Schule muss sich Timur immer zwingen, an Filmen aber hat er schon als Kindheit großen Spaß. So produziert der 24-Jährige neben seinem Lehramtsstudium an der TU Dortmund hobbymäßig ein paar Filme – allerdings nur in einem kleinen Team. Das ändert sich, als er im Mai 2015 nach Seattle reist. Dort dreht er auf eigene Faust den romantischen Horrorstreifen American Love Story. Anders als bisher in Deutschland bringt der ihm ziemlich viel Aufmerksamkeit ein. Nach und nach melden sich professionelle Filmproduzenten bei Timur. „Ich traf auf eine Gruppe voller Profis, die von meiner Arbeitsweise angetan waren“. Timur lernt schnell dazu und kann so anfangen, selber professionell zu produzieren. Er startet sofort durch: Sein erstes professionelles Projekt ist das Musikvideo Genesis, das vergangenen September erschienen ist.

Seinen ersten Preis gewinnt er im Oktober vergangenen Jahres beim Bleedingham Film Festival für die Kameraführung in American Love Story. Es folgen weitere Preise, Kurzfilme und der 90-minütige Spielfilm Facade, der im Sommer sogar für einige Tage in den Dortmunder Kinos gezeigt wird. Doch obwohl für ihn in Amerika alles perfekt läuft, ist ihm damals klar: „Ich will definitiv irgendwann zurück nach Deutschland.“ Als sein Visum im Februar 2016 abläuft, ist das ein guter Zeitpunkt, um nach Dortmund zurückzukehren.

Timur hat mit 24 Jahren seine eigene Filmproduktionsfirma

Timur hat mit 24 Jahren seine eigene Filmproduktionsfirma

Hier in Deutschland arbeitet er ohne Unterbrechung sofort weiter und gründet im Februar seine Firma Mumukuba.
Zwar gibt es in Deutschland weniger Konkurrenz als in Amerika, allerdings ist es hier für ihn anfangs nicht so leicht Leute zu finden, die an den Projekten mitwirken wollen. „Wenn ich in Seattle auf der Straße eine Mutter frage, ob ich ihr Kind für einen Horrorfilm casten und mit Blut vollschmieren darf, freut sich die Mutter, dass ihr Kind ins Kino kommt.“ In Deutschland seien die Menschen häufig verschlossener und lächelten nur verhalten, wenn Timur sie auf der Straße anspreche. Mittlerweile hat der 24-Jährige sich aber auch hier ein eigenes Netzwerk an professionellen Schauspielern und Unterstützern aufgebaut, die an seinen Filmen mitwirken.

Ein Spagat zwischen Kunst und Popularität

Von Kameraführung und -technik bis zum Schnitt hat Timur sich alles selbst beigebracht. Am Anfang hat er über 200 Stunden an einem Film geschnitten. Für fünf Minuten Material. „Bei unserem ersten Kurzfilm haben wir fast eine ganze Halle angezündet. Aber mit solchen Erfahrungen haben wir gelernt“, erzählt er. Dass er mit 24 Jahren allerdings mal richtig erfolgreich werden und sein Hobby sogar zum Beruf machen kann, hätte er nicht gedacht. Deshalb hat er auch erstmal Sport und Englisch auf Lehramt studiert. Das will er neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer, Drehbuchautor, Produzent, Schauspieler, Regisseur und Pressebeauftragter auch auf jeden Fall zu Ende machen.

Für ein Privatleben oder Schlaf bleibt da keine Zeit. Timur hat alles in seine Firma investiert. Krankwerden kann er sich nicht leisten. Eine Auszeit nehmen oder schlafen will er aber auch gar nicht, gerade abends habe er nämlich die besten Ideen für seine Filme. Seine besondere Fähigkeit: Viele Ideen haben, die anfangs oft bewusst sehr extrem sind. Am Ende kämen dann Filme dabei heraus, die zwar verrückt seien, aber definitiv Aufmerksamkeit erregten, wie auch der Spielfilm Facade, zu dem es schon einen ersten Trailer gibt:

Im Moment arbeitet Timur an einem „richtig abgefuckten Projekt“, wie er sagt. Unter dem Arbeitstitel „Choose Your Words“ will er zeigen, wie Internethetze gegen Flüchtlinge negative Energie freisetzen kann. „Das wird die Leute auf jeden Fall schocken“. Das Projekt soll zeigen, was ‚anonyme’ Hasskommentare gegen Flüchtlinge in der Realität auslösen können. Gerade durch so einen schonungslosen Umgang mit kontroversen Themen will Mumukuba sich von der Masse absetzen. „Die meisten Produktionsfirmen kommen aus dem technischen Bereich, wir kommen aus dem Filmbereich“, erklärt Timur. Ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz, wie er sagt.

Hinter den Kulissen bei einem Werbedreh (Foto: mumukuba - Lena Baumeister)

Hinter den Kulissen bei einem Werbedreh (Foto: mumukuba – Lena Baumeister)

Für die Zukunft will er sich auf eine Kombination von Kurzfilmen und Image- beziehungsweise Werbefilmen konzentrieren, denn Kurzfilme alleine rentierten sich nicht. „Das ist Kunst, die macht dich zum richtigen Filmemacher. Ich will aber auch davon leben“. Worauf es dabei jetzt am meisten ankommt, sind Medienpartner und Förderer. „Wir brauchen kein Geld, wir brauchen Aufträge“, erklärt Timur. Er scheint dafür auf dem richtigen Weg zu sein. Gerade mal zwei Monate zurück in Deutschland, arbeitet er schon an fünf Projekten, teilweise zusammen mit prominenten Unterstützern.

Timur scheint den Sprung vom Lehramtsstudenten zum professionellen Filmproduzenten geschafft zu haben. Kein Wunder, wo er doch den Grundstein eigentlich schon vor 20 Jahren gelegt hat, als er sich gemeinsam mit einem Freund eine eigene Geheimsprache ausdachte. Das erste Wort: Mumukuba. Übersetzt heißt das „Hallo“ oder „Willkommen“. 

Beitragsbilder und Videos: mumukuba

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