Der Dortmunder Hellweg – Einkaufsstraße und Kulturmeile

Ihr denkt, ihr kennt eure Stadt. Klar – jeder weiß, wo sich Saturn, Karstadt und Co. befinden. Es gibt aber Bauwerke und Wege, die Dortmund bestimmen, die viel älter sind und beim Einkaufsbummel leicht übersehen werden. pflichtlektüre-Autorin Stephanie Feck berichtet über ein Projekt, das sich der Geschichte entlang des Hellwegs angenommen hat.

Geschichte und Moderne nebeneinander.

Geschichte und Moderne nebeneinander. Foto: Stephanie Feck

Wer bepackt mit Einkaufstüten den Westenhellweg entlangschlendert, der macht nichts anderes, als die Menschen vor mehreren Jahrhunderten an dieser Stelle auch gemacht haben. Zwar hatten die keine Plastiktüten in der Hand, aber der Hellweg war schon damals die Haupthandelsstraße in Dortmund. Das steht unter Punkt 5 im Informationsflyer „Stadt Kultur Raum“. Zusammen mit ihrer Professorin Dr. Barbara Welzel und ihrer Projektleiterin Silke Rüsche haben sich drei Studenten (Sarah Hübscher, Elvira Neuendank, Uwe Schrader) der TU-Dortmund das komplette Wintersemester lang mit historischen Hinguckern entlang des Hellwegs und der Rheinischen Straße beschäftigt. Das Projekt findet im Rahmen des neuen Masterstudiengangs Kulturanalyse und Kulturvermittlung statt

Die Idee dazu hatte Professorin Dr. Barbara Welzel, die sich am Anfang ihrer Lehrzeit mit Studenten an der Petrikirche treffen wollte. „Da waren auch viele Studenten dabei, die aus Dortmund kamen und keiner wusste so genau, wo die Petrikirche ist. Wir haben dann eine Weile debattiert und dann meinte ein Student: ‚Ist das nicht die Kirche bei Saturn?’“. Da sei ihr der Gedanke gekommen, sich zusammen mit den Studenten mehr dem Stadtbild zu widmen.

Uwe Schrader, Elvira Neuendank, Silke Rüsche (v.links)

Uwe Schrader, Elvira Neuendank, Silke Rüsche (v.links). Foto: Stephanie Feck

Bilder der Stadt

In dem Flyer finden sich detaillierte Informationen zur Geschichte der Dortmunder Stadtwerdung vom Mittelalter über die Industrialisierung, bis in die Gegenwart. Doch nicht nur die Informationen haben Sarah Hübscher, Elvira Neuendank und Uwe Schrader recherchiert, zusammengetragen und verschriftlicht. Auch das Design des Flyers haben die Studenten entwickelt. Es zeigt eine neue Perspektive der Dortmunder Stadtsilouette.

Im Mittelpunkt stehen nicht der Signal Iduna Park, der Florianturm und der RWE-Tower, sondern prägnante Kirchtürme und das Dortmunder U. Schon die Gestaltung zeigt, was den Machern wichtig ist. Es gehe ihnen darum neue Bilder der Stadt zeichnen und aufzuzeigen, sagt Elvira Neuendank.

Zu Fuß in vergangene Zeiten

Neben dem Flyer haben die Studenten eine Wanderkarte entworfen. Es geht sozusagen per pedes, also zu Fuß, in vergangene Zeiten. Zehn Punkte können entlang der Wanderroute entdeckt werden. Jedem Punkt ist eine kurze Erklärung beigefügt, die neugierig machen soll, sich weiter mit den faszinierenden Frühbauten zu beschäftigen. Hier ein Beispiel.

Punkt 9: Versorgungsamt

1920 fertiggestellt; ürsprünglich errichtet als Verwaltungsgebäude der Union für Bergbau-, Eisen- und Stahlindustrie. Diese vereinte seit 1872 Zechen, Stahl- und Walzwerke, Maschinen- und Brückenbauanstalten. Der fünfgeschossige, monumentale Bau mit frontalem Schriftzug ‚Es lobt den Mann, die Arbeit und die Tat’ zeugt vom Selbstverständnis der Union AG, ihrem Stellenwert und Erfolg in Bergbau und Stahlindustrie. (…)

Wer sich die Geschichte des Westends in Dortmund erwandern möchte, sollte allerdings festes Schuhwerk anziehen. Die Strecke führt von der Rheinoldikirche, am Dortmunder U vorbei, bis nach Dorstfeld und ist für eine Dauer von zwei Stunden angesetzt.

Das Dortmunder U am Westentor, dem ehemaligen Stadttor Dortmunds

Das Dortmunder U am Westentor, dem ehemaligen Stadttor Dortmunds. Foto: Stephanie Feck

„Der Flyer soll alle ansprechen…“

Die Studenten haben den Flyer und die Wanderkarte auf wissenschaftliche Weise genähert. Herausgekommen ist eine gut verständliche, handliche Broschüre, die neugierig macht auf das Abenteuer ‚historisches Dortmund’. Mitentwickler Uwe Schrader bringt es auf den Punkt, „Der Flyer soll alle ansprechen, nicht nur bestimmte Gruppen.“. Ab sofort liegen Flyer und Wanderkarte in der Uni und der Petrikirche aus.

Zur Wegbeschreibung nur soviel: Vor der Flyer-Lektüre befindet sich die Petrikirche gegenüber von Saturn – danach befindet sich Saturn gegenüber der Petrikirche.

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