Kinotipp: „Hänsel und Gretel – Hexenjäger“

Nach „Rotkäppchen“ und „Schneewittchen“ folgt mit „Hänsel und Gretel“ nun eine bei weitem blutigere Version mit neuem Twist ins Kino. Wer nun mit einer klassischen Märchenverfilmung rechnet, sollte sich lieber eine Kotztüte mitnehmen – denn es wird brutal.

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Das Ende der alten Geschichte ist bekannt: Hänsel und Gretel schafften es durch eine List, die Hexe reinzulegen und verbrannten sie in ihren eigenen Ofen. Aber das ist erst der Anfang des Horrorspalters.  Hänsel und Gretel sind im Film erwachsen geworden und nie zu ihren Eltern zurückgekehrt. Dafür verdienen sie nun ihr Geld als Kopfgeldjäger – sie jagen ausschließlich Hexen. Sie werden durch den Bürgermeister von Augsburg angeheuert, die schwarze Oberhexe Muriel zu erledigen. Denn sie plant alle entführten Kinder in der Blutmondnacht zu opfern. Schwer bewaffnet beginnt die Jagd auf Muriel und ihr Hexenpack. Dabei werden die Geschwister durch Mina, Ben und Edward unterstützt.

Wer sich jetzt eine altes, verruntzeltes Omachen mit grünem Gesicht und einer Warze auf der Nase vorstellt, der sucht diese verzweifelt. Dafür findet man Muriel: die schwarze Oberhexe. In einem Moment ist sie so schön wie ein Schmetterling, im nächsten verwandelt sie sich zur Ausgeburt der Finsternis. Ihre Augen fangen an hellblau zu glühen, ihr Gesicht sieht aus wie eine schlecht asphaltierte Straße. Alles im allem kein schöner Anblick. Gerade so, wie man sich immer eine Hexe immer vorgestellt hat.  Als wären die Hexen nicht schon schlimm genug, bekommen die Geschwister es mit dem Amtsrichter von Augsburg zu tun. Schon bei der Ankunft in der Stadt sind sie Berringer ein Dorn im Auge.

Erst retten Hänsel und Gretel die vermeintliche Hexe Mina aus seinen Fängen. Und dann bekommt er nach Bud Spencer Manier eine saftige Kopfnuss von Gretel verpasst, die ihm damit die Nase bricht. Nach so einer Begrüßung ist es kein Wunder, dass auch Berringer zum Gegenspieler der beiden wird und immer wieder versucht ihnen in die Quere zu kommen – aber nie mit Erfolg.

Helden mit Schönheitsfehlern

Stark, mutig  und tollkühn – so präsentiert sich Hänsel am Anfang. Doch schnell wird klar, dass er auch sein Laster zu tragen hat. Seit der Süßigkeiten-Gefangenschaft leidet er unter Diabetes. Nun muss er sich alle paar Stunden immer wieder eine Spritze geben, damit er nicht stirbt.

Gretel hingegen ist anmutig und tapfer. Trotzdem wird sie immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt. In ihren Träumen sieht sie ihre Mutter, die den beiden Geschwistern versichert, dass ihnen nichts passieren wird. Bei ihrem Bruder trifft sie mit diesem Thema auf taube Ohren. Er will nichts mehr davon wissen.

Neue Gefährten

Während der Jagd nach Muriel sind Hänsel und Gretel nicht mehr alleine. Zu ihnen stoßen Ben, Mina und Edward. Ben ist ein Jüngling, der gerade erst die Pubertät überstanden hat und eine leichte Tendenz zum Stalken hat. Denn er sammelt alles über die Geschwister. Die bildhübsche Mina hingegen taucht immer in den richtigen Moment auf und wird von einem Geheimnis umgeben.

Hänsel und Gretel: Hexenjäger Fotos: Paramount Pictures

Hänsel und Gretel: Hexenjäger Fotos: Paramount Pictures

Mit Edward wird wohl keiner rechnen, da er in keinem Trailer zu sehen ist. Er ist ein Troll, der zu gleich bösartig, aber auch menschlich rüberkommt. Ein klein wenig wirkt er wie ein übergroßer Golum aus Herr der Ringe. Jedoch ist seine Bestimmung, den Hexen zu dienen, nicht besonders ruhmreich.

Die Waffen

Nur gut, dass der Film nicht nur das Horrorgenre bedient, sondern auch die Fantasy-Seite. Anders könnte man sich sonst nicht die neuen Waffen erklären. Denn wer hat schon mal im tiefen Mittelalter zwei an die Zähne bewaffnete Helden gesehen – mit Gewehr und Schrotflinte. Doch gibt es noch weitere, vor allem groteskere Waffen, wie ein handbetriebener Elektroschocker.

Dahingegen wirken die Hexen geradezu stümperhaft und zurückgeblieben. Ein Zauberstab, ein Ast zum Fliegen und nicht zu vergessen Zaubertränke. Trotzdem haben sie die Kraft von zehn starken Männern.

Die Übergänge

Besonders gut gelungen ist dem Regisseur Tommy Wirkola der Übergang vom Märchen zum eigentlichen Film. Durch verschiedene Illustrationen, die sowohl surreal als auch realistisch wirken, führt er die Zuschauer kurz durch das Leben von Hänsel und Gretel.

Doch nicht nur durch die Illustrationen wird der Film getragen. Vor allem durch die verschiedenen Kulissen besticht er besonders. So hat man in einem Moment noch das triste Augsburg vor sich und im nächsten wird man in den mystischen Wald entführt. Doch der Wald verschiedene Gesichter: Von gruselig und finstern Ort wird er zu einem romantischen Paradies.

Die Schauspieler hauchen ihren Charakteren neues Leben ein. Dabei hinterließen vor allem die beiden Geschwister Hänsel und Gretel und der Troll Edward einen bleiben Eindruck. Auch wenn der Sprachanteil von Edward eher gering ausfiel, ist er ein Highlight des Films. Gerade durch seine menschliche Art ist er als Troll, was besonders. Denn für bis dato waren Trolle immer grüne hässliche Monster wie in Herr der Ringe.

Im Gegensatz zu den Vorgängern „Rotkäppchen“ und „Schneewittchen“ ist dieser Film wegen seiner Gewaltdarstellung nichts für kleine Kinder oder Feiglinge. Der Plot ist durchdacht und sorgt gerade mit seinen Twisten dafür, dass sich der Zuschauer keine Sekunde langweilt. Kinostart ist am 28. Februar.

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