Wissenswert: Geplante Obsoleszenz – Abzocke oder Anpassung an den Kunden?

asdasdasGerüchte über geplanten Verschleiß gibt es immer wieder: Hersteller würden ihre Produkte absichtlich schlechter bauen, um ihren Absatz zu steigern. Stimmt das? Oder hat eine geplante verringerte Lebensdauer andere Gründe?

Ein oft genanntes Beispiel für geplante Obsoleszenz ist das Phoebuskartell: In den 20er Jahren sollen sich die großen Glühbirnen-Hersteller zusammengeschlossen haben, um die Lebensdauer ihrer Lampen von 2500 auf 1000 Stunden zu senken. So sollte das Geschäft verbessert werden. Diese Kartelle sind heute verboten, aber böse Zungen behaupten, die Strategie der Glühbirnenhersteller werde noch heute angewendet.

Die Zahlen unterstützen den Verdacht: Laut einer Studie des Umweltbundesamts ist der Anteil der Geräte, die in den ersten fünf Jahren ihren Geist aufgegeben gering. Wenn man sich aber die Ergebnisse im Laufe der Jahre anschaut, dann hat sich der Anteil schon verdoppelt. 2004 waren es noch 3,5 Prozent. Fast zehn Jahre später lag der Anteil der kaputten Geräte schon bei knapp 8 Prozent. Schaut man auf die Haushaltsgroßgeräte, die länger als elf Jahre genutzt werden konnten, sieht man, dass der Anteil in dem gleichen Zeitraum von 37 auf 29 Prozent gesunken ist. 

Geplante Obsoleszenz als Produktstrategie

„Es ist natürlich eine naheliegende Überlegung. Die Hersteller könnten die Qualität ihrer Produkte erhöhen, so dass die Produkte eine längere Lebensdauer hätten. Aber das würde dazu führen, dass der Markt schrumpft“, erklärt Prof. Dr. Holzmüller, Inhaber des TU-Lehrstuhls für Marketing. „Wenn Waschmaschinen 15 statt sieben Jahren halten, werden weniger von ihnen verkauft. Das ist die Idee dahinter“, sagt er. 

Dass Produkte geplant kaputt gehen, ist schwer nachzuweisen. Denn es ist nicht eindeutig zu erkennen, ob es sich um geplante Mängel oder um normalen Verschleiß handelt. Holzmüller erklärt, dass es einen Zusammenhang zwischen Verschleiß und geplanter Obsoleszenz geben kann: „Die Hersteller haben eine Vorstellung von der Lebensdauer ihrer Produkte.“

Hinter dieser Vorstellung muss nicht immer eine böse Absicht oder Abzocke stecken. Denn die Begrenzung der Lebensdauer von Produkten habe laut Holzmüller auch noch einen anderen Grund: Die Kunden würden dieses Phänomen unterstützen. Zum Beispiel beim Thema Mode: „Die Kunden könnten sich auch aus den Modeströmungen heraushalten und lange die gleiche Kleidung tragen. Aber stattdessen wollen sie mit der Mode gehen“, so der Wirtschaftsprofessor. Das nennt man psychologische Obsoleszenz. Und mit dieser psychologischen Wirkung arbeiten wahrscheinlich die Unternehmen. Wenn die Kunden immer etwas Neues haben wollen, macht es wirtschaftlich keinen Sinn, ein Produkt zu bauen, dass länger hält als es gebraucht wird.

Alternative Produktion teurer

Holzmüller betont: „Produkte, die eine höhere Qualität haben, und somit länger halten, kosten auch mehr.“ Das würde dazu führen, dass sich weniger Menschen die Produkte leisten könnten.

Neben der gewollten Verringerung der Lebensdauer von Produkten, hat es auch noch einen einfachen Grund, dass neue Technik nicht mehr so lange hält. „Die Geräte werden heute immer kleiner und enger gebaut“, erklärt Marc Serger, Radio- und Fernsehtechniker. Deswegen werden Bauteile schneller warm und verschleißen dementsprechend schneller.

 

Foto: pixelio.de/Hartmut910