Der Campusjäger: Auf Kaninchenjagd an der Uni

Er arbeitet so unsichtbar, dass kaum jemand weiß, dass es ihn überhaupt gibt. Aber das gehört bei Wolfgang Teichert quasi zum Beruf. Sein Job: Offizieller Kaninchenjäger der TU Dortmund. Seine Hilfsmittel: Ein Greifvogel, ein Frettchen und jede Menge tote Küken.

Teichert durchstreift mit Vogel Henry alle zwei Tage das Unigelände. Fot: Alina Schwermer.

Teichert durchstreift mit Greifvogel Henry alle zwei Tage das Unigelände. Foto: Alina Schwermer

Henry ist auf der Jagd. Dazu braucht er kein Gewehr. Denn Henry ist ein Vogel. Und bei der Kaninchenjagd ein Profi. Lautlos gleitet der Greifvogel durch den Wald zwischen Nord- und Südcampus. Wachsam. Suchend. Sein Besitzer, Jäger Wolfgang Teichert, stapft unter ihm durch die Büsche. Es ist ein kalter Morgen. Das Laub ist feucht, es hat geregnet. „Am liebsten wär mir trockenes Wetter mit wenig Wind“, sagt Teichert. Er spricht mit leichtem Ruhrpott-Akzent, ein bisschen brummig, aber vielleicht ärgert er sich auch nur wegen des Wetters. Trotz des Regens hat sich Teichert an diesem Morgen auf den Weg gemacht. Denn sein Arbeitsauftrag bleibt bei jedem Wetter gleich: Zusammen mit Greifvogel Henry die Kaninchenplage auf dem Campus stoppen.

Teicherts Aufgabe: Kaninchen jagen. Foto: Pixelio

Sie sind das "Problem": Die Kaninchen auf dem Campus. Foto: Lisa-Marie/Pixelio

Ethische Bedenken?

Wolfgang Teichert sucht die Kaninchenbauten an einem kleinen Hang. Rund 200 Kaninchen tötet er pro Jahr auf dem Gelände der Universität. Bedenken, ob er das Richtige tut, hat er nicht. Während alle Welt über Tierschutz und Tierrechte debattiert, sieht Teichert seinen Job nüchtern. „Die Kaninchen richten immense Schäden an den Versorgungsschächten und im Erdreich an“, erklärt Teichert. Deshalb wolle die TU Dortmund die Population eindämmen. Aber das, schiebt er ein, sei ja nicht seine einzige Aufgabe als Jäger und Förster. „Die Hauptaufgaben sind Hege- und Pflegemaßnahmen.“ Natürlich gebe es auch unter den Jägern schwarze Schafe. Das Hauptinteresse Teicherts gilt aber dem Schutz der Tiere. Er hat eine Jagdethik verinnerlicht, die auf Außenstehende  ein wenig skurril wirkt: „Wenn ein Karnickel einmal Deckung hat, wird es nicht mehr bejagt. Dann hat es sich sein Leben verdient.“ Und Teichert lässt es laufen.

Keine Kaninchen in Sicht

Teichert mit Frettchen und Greifvogel. Foto: Alina Schwermer.

Teicherts Jagd dauert normalerweise zwischen zwei und vier Stunden. Foto: Alina Schwermer

Der Jäger hält inne. Er hat die ersten Kaninchenbauten gefunden. Jetzt folgt die Jagd einem einfachen Schema: Während Teichert das Frettchen in den Bau setzt, wartet der Greifvogel auf seinem Arm, bis die Kaninchen herauskommen. Henry flattert ungeduldig. Das weiße Frettchen verschwindet in den Bau, sucht und sucht. Doch es findet nichts. Auch in den Bauten einige Meter weiter nicht. Während Teichert stundenlang durch die Wälder stapft, wird bald klar, dass ein Falkner vor allem zweierlei braucht: Zeit und Geduld. Voraussetzungen, die offenbar nicht viele Leute erfüllen.

Hasenjagd mit einem Greifvogel ist eher die Ausnahme

Nur drei Jäger gibt es insgesamt in Dortmund, die mit einem Greifvogel arbeiten. „Bei der Jagd mit der Waffe ist das so: Waffe sauber machen, in den Schrank stellen. Um den Vogel dagegen musst du dich die ganze Zeit kümmern. Pflegen, füttern, trainieren.“ Und bei insgesamt sechs Vögeln und fünf Frettchen ist das reichlich Arbeit. Einfach mal in den Urlaub ist da nicht drin. „Nur, wenn die Schwiegereltern sich um die Tiere kümmern. Die Frettchen müssen täglich gereinigt werden.“ Und die Greifvögel wollen gefüttert werden. Ihre Standardspeise: Küken.

Kampf mit dem Iltis

Solche Küken hat Teichert auch heute dabei. Denn falls Greifvogel Henry kein Kaninchen kriegt, ist er hungrig. Normalerweise fängt Henry vier bis sechs Kaninchen pro Jagd. Aber bisher ist kein einziges Tier aufgetaucht. Dann plötzlich springt ein dunkler Schatten aus einem Bau. Teichert lässt den Vogel los, der steigt kurz auf, stürzt sich hinab. Blitzschnell. Doch dann schreit Teichert auf. Der Schatten ist kein Kaninchen – es ist ein wilder Iltis. Die beiden Tiere beginnen einen Kampf. Jetzt muss der Jäger schnell eingreifen. Er pfeift, ruft den Greifvogel zurück. Da lässt Henry von dem Iltis ab.

Ohne Kaninchen auf den Heimweg

Jetzt wird auch klar, warum keine Kaninchen aufgetaucht sind: Der Iltis hat sie verjagt. Die Jagd ist für diesen Tag vorbei. Als Trost bekommt der Greifvogel einige Küken zum Fressen. „Ob Karnickel oder Küken ist dem egal“, sagt Teichert, „der schmeckt eh keinen Unterschied.“

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