Satellit soll den Weltraum aufräumen

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Mit einem Roboterarm soll der „e.doerbit“-Satellit ab 2023 ausgediente Technik aus dem All auf die Erde zurückholen.

Der Weltraum wird immer voller. Waren es früher hauptsächlich die USA und Russland, die Satelliten ins All geschickt haben, mischen heute auch China, Indien und andere Länder in den endlosen Weiten mit. Satelliten und Sonden werden hochgeschossen – und bleiben dort meist für immer. Auch wenn sie nicht mehr gebraucht werden oder längst defekt sind.

Das wird zunehmend zum Problem. Als Weltraumschrott rotiert die Technik dann für Jahrhunderte um die Erde. Mehr als 750.000 Schrott-Teilchen, darunter auch ausgebrannte Raketenstufen, von Astronauten verlorene Werkzeuge und Treibstoffrückstände, kreisen momentan in erdnahen Sphären. Und werden mit zunehmender Dichte zu einer Gefahr für aktive Satelliten und Raumstationen: Aufgrund der enormen Geschwindigkeiten im All können auch Kleinstteilchen die Kraft einer Gewehrkugel haben. 

„Auch wenn wir einen neuen Satelliten ins All schicken, müssen wir die Flugbahn genau berechnen, damit wir nicht mit dem Weltraumschrott kollidieren“, sagt Benjamin Bastida, Ingenieur der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Dort sorgt man sich vor allem um eine neue Generation Wächter-Satelliten, die in den kommenden Jahren ins All gebracht werden sollen und Umweltdaten der Erde erfassen sollen.  

„Nur ein Bruchteil des Weltraum-Mülls wird in absehbarer Zeit von selbst verglühen“, sagt Bastida. Zwar gebe es Forderungen, dass jeder Satellit genügend Treibstoff mitführen solle, um sich selbst am Ende der Lebenszeit zum Absturz zu bringen oder in einen unproblematischen Friedhofs-Orbit zu schießen. Aber gerade die großen Mächte im All würden sich wenig um einen sauberen Weltraum sorgen.

ESA will ihren Weltraumschrott zurück auf die Erde holen

Die USA als zweitgrößter Urheber des Weltraumschrotts haben derzeit keine eigene Mission zur Säuberung des Alls in Planung und auch der größte Verursacher Russland hat bisher lediglich Planungen angekündigt. Die ESA will den Schrott dagegen zurück auf die Erde holen und eine Art Vorreiterrolle für den sauberen Weltraum einnehmen. Dazu arbeiten die Ingenieure gerade an einem neuartigen Satelliten, genannt e.doerbit, der defekte andere Satelliten oder Schrotteile wieder auf die Erde holen soll.

Zwei Varianten werden gerade diskutiert: „Denkbar ist ein Satellit mit einem großen Fangnetz“, erklärt Bastida. Favorisiert werde jedoch eine Art Roboter-Satellit mit einem langen Greifarm. „Wir wollen damit zu einem großen ESA-Satelliten fliegen, den packen und auf die Erde runterholen.“ Entweder soll der Schrott-Satellit dann direkt in der Atmosphäre verglühen oder aber man lässt ihn gezielt auf die Erde stürzen, beispielsweise ins Meer oder in die Wüste.

Mission muss noch bestätigt werden

Ungefähr zehn bis zwanzig defekte Satelliten der ESA befinden sich derzeit im Orbit. Das Ziel sei es erst einmal, einen davon wieder auf die Erde zu holen. Bastida: „Das Ganze ist natürlich unglaublich teuer und soll quasi erst den Anreiz geben, dass die Mission dann ausgebaut und auch von anderen Ländern mitgetragen wird.“ Denn Russland, China und die USA würden im Moment noch keine richtigen Bemühungen zeigen, den Weltraum sauber zu halten.

Im Dezember muss die Mission noch bei einem Treffen der zuständigen europäischen Minister bestätigt werden, im Jahr 2023 soll dann der erste alte Satellit runtergeholt werden.

Beitragsbild/Simulation: ESA