Genmutation soll Lerntempo erhöhen

Genetische Veränderungen wie die Huntington-Krankheit führen nicht immer nur zu Verschlechterungen verschiedener Funktionen im Nervensystem. Im Gegenteil: Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der TU Dortmund (TU) wollen herausgefunden haben, dass Menschen, welche die Mutation in sich tragen, schneller lernen als gesunde Personen. Für ihre Studie testeten die Forscher 29 Probanden mit der genetischen Mutation für die Huntington-Krankheit und verglichen die Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe, die aus 45 Personen ohne die genetische Veränderung bestand.

Das Studienergebnis: Je stärker die Veränderung ausgeprägt war, desto schneller lernten die untersuchten Probanden. Die Huntington-Gruppe steigerte ihre Leistung doppelt so schnell wie die Kontrollgruppe. Deshalb könne „die Alltagsmeinung, dass neurodegenerative Veränderungen grundsätzlich mit Verschlechterungen einhergehen, in dieser dogmatischen Form nicht aufrechterhalten werden“, erklärt Dr. Christian Beste, Leiter der Emmy Noether-Nachwuchsgruppe „Neuronal Mechanisms of Action Control“ an der RUB. „Es könnte sein, dass die gleichen Mechanismen, die zu den degenerativen Veränderungen im zentralen Nervensystem führen, auch die wesentlich bessere Lernleistung bewirken“, so Beste weiter.