Kicki und die Modewelt:
freier Wille versus Erfolg

Kicki näher

Sie war für Snipes vor der Kamera, für Cavalli auf dem Laufsteg und kennt Mailand, London und Kapstadt – dabei modelt sie nur nebenbei. Kicki Yang Zhang studiert Management and Economics an der Ruhr-Uni Bochum. Dass die 20-Jährige Model wurde, ist dem Zufall verschuldet. Dass sie sich heute wieder davon entfernt, nicht.

Kicki ist auffällig. Neben ihren ausgefallenen Klamotten und ihrem hübschen Gesicht ist die 20-Jährige mit ihren 1,77 Metern besonders groß für eine Asiatin. Ihre langen, glatten Haare hatten schon jede Farbe – Mintgrün ist es im Moment. Das kann sich aber schnell ändern. Rot, rosa, blond: Kicki hat schon viel ausprobiert. Die Persönlichkeit der gebürtigen Chinesin ist nicht weniger auffällig und interessant: Kicki sagt, was sie denkt und macht, was sie will. Ganz egal, was andere Menschen dazu meinen. Genau diese Einzigartigkeit und ihr Wiedererkennungswert sind es, die Kicki zum Model gemacht haben – und sie heute wieder vom Modeln entfernen.

https://twitter.com/kickiyangz/status/697882150834667520 https://twitter.com/kickiyangz/status/743118653240029184

Denn der Studentin fiel schnell auf, dass es im Modebusiness oft nur darum geht, sich anzupassen. „Wenn ich bei größeren Kunden arbeite, werde ich manchmal wie ein Objekt behandelt.“ Aber die eigene Individualität für eine erfolgreiche Karriere opfern? Für Kicki undenkbar. Ihren Charakter und ihren freien Willen möchte sie nicht für die oberflächliche Modewelt aufgeben.

Eine Agentur war unzufrieden, weil sie sich ständig die Haare gefärbt hat. Also ist sie ausgetreten. Von einer anderen Agentur hat Kicki sogar einen Ernährungs- und Sportplan bekommen und wurde angewiesen, viel abzunehmen. Das Model hat eine klare Meinung dazu: „Ich finde es Bullshit, was die da geschrieben haben. Meine Gesundheit geht vor und dünn sein ist nicht alles im Leben.“ Den Magerwahn lehnt sie ab, obwohl sie manche Kunden als „zu dick“ für den Laufsteg bezeichnen. Besonders in Italien und Frankreich ist es normal, dass Models mit 1,80 Metern Größe nur 40 Kilo wiegen, weiß Kicki. Sie selbst lässt sich davon aber nicht beirren und zählt keine Kalorien. „Wenn ich einigen meiner Modelkolleginnen beim Essen zusehe, denke ich oft: Wirst du davon satt?“

Die Studentin mag es außerdem nicht, dass es manchen Kunden egal zu sein scheint, wie es ihren Models geht. “Einmal wurde ich bei einer Fashionshow 15 mal an- und wieder abgeschminkt, weil jeder Designer ein anderes Makeup für mich wollte. Danach ging es meiner Haut gar nicht mehr gut.“ Oft muss Kicki auch Fotoshootings bei großer Hitze oder Kälte aushalten und darf trotzdem keine Miene verziehen. „Die Shootings sind nämlich saisonal verschoben“, erklärt sie. „Im Sommer werden Winterklamotten und im Winter werden Sommerklamotten geshootet. Deshalb mag ich Indoor-Shootings am liebsten“, sagt sie schmunzelnd. Halsbrecherische Fotos mit Feuer, gefährlichen Tieren oder Stunts à la Germany’s Next Topmodel musste sie allerdings – wie die meisten Models – noch nie machen.

Zufälliger Karrierestart
Angefangen hat Kickis Karriere ganz unscheinbar: Eine Fotografin hat die damals 15-Jährige über Facebook entdeckt und professionelle Bilder mit ihr gemacht, die anschließend wieder im Netz landeten. Dadurch wurden Fashiondesign-Studierende auf Kicki aufmerksam, und ehe sie sich versah, stand sie wegen ihres außergewöhnlichen Stils bei einer Fashionshow auf dem Laufsteg. Auf der Suche nach jungen Talenten haben Agenten Kicki dort entdeckt und wollten sie unter Vertrag nehmen. Schnell postete die Bloggerin immer mehr Bilder auf ihrer Facebook-Seite, wodurch sie von immer mehr interessierten Menschen angesprochen wurde, die mit ihr arbeiten wollten.

Aber nicht alles ist schwarz oder weiß. Natürlich gibt es einige Dinge, die Kicki an ihrem Nebenjob gefallen, sonst hätte sie ja nicht weiter gemacht. Eine Sache mag das Model ganz besonders: „Man kommt sehr viel herum.“ Mit der Zeit hatte sie Jobs in allen deutschen Großstädten, wie Hamburg, Berlin oder München. Auch nach Mailand, London und Kapstadt ist sie schon geflogen. Und der Einsatz lohnt sich: „Von 150 bis 3 500 Euro war alles schon mal dabei“, erzählt Kicki über ihr Gehalt für einen Job.

Ob Fotoshooting, Laufstegjob oder Fernsehdreh: Für ihre Aufträge ist Kicki mindestens einen Tag unterwegs, manchmal auch länger. „Mein Papa war deshalb zuerst misstrauisch, und hatte Angst, dass das die Schule oder die Uni beeinträchtigt“, erzählt sie. „Und ja, wahrscheinlich wäre ich noch besser, wenn ich nicht für einen Job zwischendurch die Uni schwänze.“ Weil sie aber einen strikten Zeitplan hat, relativ organisiert ist und nur ein bis zwei mal im Monat arbeitet, kommen sich Uni und Modeln nicht allzu oft in die Quere.

[metaslider id=211931]

Doch eben weil Kicki nicht nur die Puppe sein will, die lediglich Aufträge von anderen umsetzen muss, entfernt sie sich Stück für Stück vom Modeln. Denn die 20-Jährige hat noch einiges mehr auf dem Kasten: Sie ist nicht nur clever, sondern auch sehr kreativ und kann deshalb gut zeichnen und kochen. Das teilt sie gerne mit anderen Leuten im Internet.

Instagram, Twitter, Facebook, Youtube, Snapchat: Kicki ist auf allen Kanälen unterwegs und postet täglich neue Dinge – und das mit großem Erfolg. Auf allen Portalen folgen ihr mehrere tausend Menschen, auf Youtube sind es sogar über 56 000. Meistens geht es um veganes Essen, Fashion, Schminktipps und andere Lifestyle-Themen, die Kicki locker, humorvoll und mit einer guten Portion Selbstironie umsetzt. Wieder ist es ihre besondere Art, die sie erfolgreich macht. Nur eben auf einem Gebiet, in dem sie frei entscheiden kann, was sie tun möchte und was nicht. “Ich modele nur als Hobby, hauptberuflich möchte ich das auf keinen Fall machen”, sagt Kicki. “Ich blogge lieber, denn da kann ich meine Kreativität ausleben, anstatt nur Anweisungen zu befolgen.”

Beitragsbild: Sarah Puczewski
Fotos: Kicki Yang Zhang

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.