Mit dem EFD ins Ausland

Für einige Monate im Ausland arbeiten, junge Menschen aus ganz Europa treffen, die Kultur und die Sprache des Gastlandes kennen lernen – all das ermöglicht der europäische Freiwilligendienst. Die EU bezahlt den Aufenthalt, bei dem man in einem gemeinnützigen Projekt arbeitet. Olesia (23) studiert Deutsch in Leeds und verbringt ein Jahr in Dortmund, Steffi (21) war ein halbes Jahr in Griechenland. Für pflichtlektüre online berichten sie von ihren Erfahrungen.

Olesia auf dem Oktoberfest in München. Foto: privat

Olesia auf dem Oktoberfest in München. Foto: privat

Olesia ist eine echte Europäerin. Sie wuchs in Litauen auf, ging auf eine russische Schule, und verbrachte einige Zeit in Deutschland. Jetzt studiert sie in England und absolviert gerade ihren europäischen Freiwilligendienst (EFD) in Dortmund. „Deutschland ist mein Lieblingsland“, sagt Olesia. Die 23-Jährige spricht sieben Sprachen, reist gerne und hat Freunde in ganz Europa.
Für einige Wochen oder Monate in ein anderes Land zu gehen, dort zu arbeiten und die Kultur des Landes besser kennen zu lernen – das ermöglicht der europäische Freiwilligendienst. Durch ihn können junge Menschen bis zu einem Jahr im Ausland arbeiten und müssen nichts dafür bezahlen. Sie arbeiten in einem gemeinnützigen Projekt und bekommen dafür die Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung und ein Taschengeld gestellt. „Das ist ein fantastisches Projekt für junge Leute“, sagt Olesia, „die Möglichkeit muss man unbedingt ausnutzen.“ Der EFD wird von der EU finanziert und durch einen Zusammenschluss verschiedener gemeinnütziger Organisationen in Europa ermöglicht. Grundsätzlich erhält jeder junge Mensch zwischen 18 und 30 Jahren die Chance, dabei zu sein. Ein Aufenthalt dauert in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten. Es gibt aber auch Kurzprojekte, die nur einige Wochen dauern, vorzugsweise für Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf. Die Projekte, bei denen man seinen EFD machen kann, sind ganz unterschiedlich. Von der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen über  Unterstützung bei Umweltprojekten bis hin zur Organisation von Kulturveranstaltungen reicht die Bandbreite.

Für Olesia ist der EFD eine gute Möglichkeit, auch mit knapper Kasse ein Jahr im Ausland zu verbringen. Sie studiert in Leeds deutsche Sprachwissenschaften und Geschichte und muss deswegen ein Jahr in Deutschland verbringen, um die Sprache zu üben. Olesia unterbricht ihren Bachelor, um den EFD zu absolvieren. Aber auch zwischen Bachelor und Master, nach dem Studium oder während man auf einen Studienplatz wartet wäre die Mitarbeit in einem Projekt denkbar. EFDler gehen nicht nur umsonst ins Ausland, sie bekommen auch weiter ihr Kindergeld.

Mit knapper Kasse ins Ausland

Olesia mit anderen EFDlern. Foto: privat

Olesia mit anderen EFDlern. Foto: privat

Auch für Steffi war die Finanzierung ein Kriterium, sich für den europäischen Freiwilligendienst zu bewerben. Die 21-jährige Studentin wollte nach dem Abitur gerne ins Ausland, war sich aber nicht sicher, wie sie den Aufenthalt bezahlen sollte. Sie wäre gerne nach Südamerika gegangen, konnte sich dann aber schnell mit dem Gedanken anfreunden, in ein europäisches Land zu gehen. „Soviel kennt man von Europa ja nicht“, sagt Steffi heute und findet es im Nachhinein gut, dass sie nicht so weit weg gegangen ist. Denn obwohl Europa so nah scheint, gibt es viele Orte, an denen man noch nicht gewesen ist. Für Steffi war dieser Ort Griechenland. Jetzt studiert Steffi soziale Arbeit in Essen und denkt gerne an ihre Zeit in Griechenland zurück.

Flexibilität erhöht die Chancen

Schon 80.000 junge Menschen haben mit dem europäischen Freiwilligendienst eine Zeit im Ausland verbracht. Den EFD kann man in ganz Europa machen und auch in einigen anderen Ländern wie Israel, Ägypten oder Tunesien. Bei der Bewerbung ist es von Vorteil, sich nicht auf ein bestimmtes Land zu fixieren. „Ich würde empfehlen, vielleicht auch in ein Land zu gehen, in das man nicht unbedingt möchte“, sagt Steffi, die die Erfahrung gemacht hat, dass man so Vorurteile abbauen kann. Außerdem stünden so die Chancen besser, einen Platz zu bekommen. „Spanien zum Beispiel ist überlaufen. Da ist es nicht einfach was zu kriegen.“
Wer sich bewerben möchte, braucht zunächst einmal eine Entsendeorganisation. Die sucht zusammen mit dem Bewerber eine Aufnahmeorganisation im Ausland und hilft bei der Bewerbung. Die Entsendeorganisation hält während des Aufenthaltes Kontakt mit dem Freiwilligen, falls es Probleme gibt. Der Bewerber kann bei der Organisation Wünsche äußern oder sich auch selbst ein Projekt suchen, das ihm gefällt. „Ich würde jedem empfehlen, sich sein Projekt sehr gezielt auszusuchen“, rät Steffi.
Sie hat in Griechenland in einem Kindergarten gearbeitet. Ein Wermutstropfen war die Sprachbarriere, die die Arbeit mit den Kindern erschwerte, und auch nach einem halben Jahr Freiwilligendienst beschränkt sich ihr Wortschatz auf Grundlegendes. Dass es mit besseren Sprachkenntnissen leichter ist, Fuß zu fassen, hat  Olesia bewiesen. Sie konnte schon sehr gut Deutsch, als sie ihren Freiwilligendienst antrat und wird bei der Arbeit viel stärker eingesetzt. Im Auslandsinstitut der Auslandsgesellschaft NRW organisiert sie Kulturveranstaltungen. „Die Veranstaltungen zu besuchen macht mehr Spaß, als im Büro zu sitzen“, erzählt sie von ihrer Arbeit. „Die Kollegen sind sehr nett und hilfsbereit und erklären mir alles. Ich habe hier schon viel gelernt.“