Sterne, Statistiken und Rechenspiele

Trotz des gestrigen Sieges gegen Australien: Fußballexperten setzen nicht auf Deutschland, wenn es darum geht, den Weltmeister zu tippen. Auch unser Gefühl sagt uns – wenn wir ganz ehrlich sind – dass es wohl nichts wird mit dem vierten Stern auf dem Trikot. Aber abgesehen von sportlichen Maßstäben, wie sieht es denn mit den sonstigen Vorzeichen aus?

Sicher ist eins: Die deutsche Nationalmannschaft fühlt sich auf dem europäischen Kontinent am Wohlsten. Überhaupt hat es noch nie eine europäische Mannschaft geschafft, auf einem anderen Erdteil den WM-Titel zu holen. Deutschland scheiterte zum Beispiel im Finale 1986 in Mexiko und 2002 in Japan/Südkorea. Tröstlich ist wohl nur, dass es damit auch für die Favoriten aus Spanien und England schlecht aussieht.

Kein Sieg außerhalb des „Titelkorridors“

Der deutsche "Titelkorridor". Grafik: Jannik Sorgatz

Der deutsche "Titelkorridor". Grafik: Jannik Sorgatz

Erschwerend hinzu kommt, dass die DFB-Auswahl noch nie ein Endspiel (weder bei Welt- noch bei Europameisterschaften) außerhalb des „Titelkorridors“ zwischen 0° und 13° Ost gewonnen hat. Das Finale 2010 wird in Johannesburg stattfinden, die Stadt liegt etwa bei 28° Ost – kein gutes Zeichen.

Besser sieht es da schon aus, wenn wir einen Blick auf die Wettervorhersage werfen. In Südafrika ist Winter, das heißt die Höchsttemperaturen liegen bei etwa 25 Grad, nachts kann es stellenweise sogar frieren. Ein Vorteil für die deutsche Elf, die zu warmes Wetter eher bremst. So wie in Mexiko und Japan/Südkorea, wo die Temperaturen im Sommer die 30 Grad selten unterschreiten.

Gute Chancen dank Jupiter und Mars

Wie mit dem Wetter, steht es auch mit den Sternen gut. Den Widdern Manuel Neuer, Sami Khedira, Piotr Trochowski und Cacau bietet Jupiter im Sommer interessante, berufliche Chancen – wenn sich das nicht gut anhört. Und dank Mars, der im positiven Winkel zur Geburtssonne der Zwillinge Hans-Jörg Butt, Arne Friedrich, Miroslav Klose und Lukas Podolski steht, dürfte die Leistungskurve der vier steil nach oben zeigen.

Also einige Sorgen weniger für Bundestrainer und Wassermann Joachim Löw, den Mars laut Horoskop bis Juni zu kopflosen Entscheidungen verleitet hat. Hoffen wir mal, dass die Nominierung des einen oder anderen Spielers keine davon war.

Lahm als Kapitän ein Trumpf

Sorgen hatten Löw und sein Trainerteam vor Beginn des Turniers wahrlich genug. Mit Simon Rolfes, René Adler, Michael Ballack, Christian Träsch und Heiko Westermann verletzten sich gleich fünf wichtige Kräfte. So ein großes Verletzungspech hatte ein deutsches Team noch nie vor einer Endrunde.

Ein gutes Omen: Philipp Lahm als Verteidiger und Kapitän. Foto: philipplahm.de

Ein gutes Omen: Philipp Lahm als Verteidiger und Kapitän. Foto: philipplahm.de

Dass das Ganze allerdings auch positive Auswirkungen auf das Ergebnis der deutschen Nationalelf haben könnte, liegt daran, dass nun Philipp Lahm neuer Spielführer ist. Erst zum dritten Mal führt damit ein Verteidiger die DFB-Auswahl als Kapitän zu einer WM. Vor ihm waren das Franz Beckenbauer 1974, der bekanntlich den Titel holte, und Oliver Kahn 2002, der seine Mannschaft immerhin ins Finale führte.

Kapitulationen vor großer Kulisse

Eher hinderlich ist hingegen die Tatsache, dass zu viele Zuschauer vor Ort die deutsche Elf anscheinend nervös machen. Bei den drei Titelgewinnen waren nicht mehr als 75.200 Fans im Stadion. Bot die Arena Platz für mehr, verließ die DFB-Mannen angesichts der großen Kulisse regelmäßig der Mut. So verloren sie die Endspiele 1966, 1982 und 1986 vor 97.000, 90.000 beziehungsweise 114.600 Zuschauern. Das Soccer-City-Stadion in Johannesburg hat eine Kapazität von 94.700 Plätzen, würde demnach die Nerven unserer Jungs ordentlich auf Probe stellen.

Es spricht also einiges für unsere Elf, einiges gegen sie. Doch das beste Argument für den vierten deutschen WM-Titel hat weder etwas mit Planetenkonstellationen oder abwegigen Statistiken zu tun, sondern entspringt der puren Logik. Denn: 1974 + 1990 – 1954 = 2010. Damit ist dann wohl alles klar.

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