Erste Reformen an den Ruhrunis

Reformen an den Unis machen zuversichtlich

Reformen an den Unis machen zuversichtlich.

Es lag ein Gefühl von den 68ern in der Luft – mit Demos, Flashmobs und Hörsaalbesetzungen machten die Studenten NRWs das letzte halbe Jahr zum Semester des Bildungsstreiks. Doch was haben die Demonstrationen fürs neue Semester gebracht? Was gibt es für Reformen an den verschiedenen Ruhruniversitäten? Wir haben für euch nachgefragt…

Technische Universität Dortmund

Anwesenheitspflicht abgeschafft

Lars Koppers von der Asta Dortmund. Foto: pflichtlektüre

"Die Demos haben einiges bewirkt", sagt Lars Koppers vom AStA Dortmund. Foto: pflichtlektüre

Die ersten Tage des neuen Semesters sind vorüber, auf dem Campus der TU Dortmund geht der alte Trott los; wuselnde Studentenmassen schieben sich durch die Gebäude, Gelächter und Feriengespräche füllen die Gänge und auf dem Campus wird sich in frühlingshafter Sonne gelabt. Zugleich gibt es für einige Studiengänge Neuerungen, die wohl Grund zu guter Laune geben: Die Anwesenheitspflicht „ist generell an unserer Universität aufgehoben“, so Ole Lünnemann, Pressesprecher der TU Dortmund. Künftig darf jeder Dozenten selbst entscheiden, ob er Anwesenheitslisten in Veranstaltungen herumgehen lässt. Dass dies eine Auswirkung der Demonstrationen im vergangenem Jahr ist, da ist sich AStA-Mitglied (Allgemeiner Studierenden Ausschuss) Lars Koppers sicher.

Reformen in Germanistik, Statistik und Raumplanung

Leiter der Pressestelle der TU Dortmund

Anwesenheitspflicht "ist generell aufgehoben" - sagt Ole Lünnemann. Foto: TU Dortmund

Die meisten Maßnahmen sind noch im Gange. Konkrete Veränderungen, die schon dieses Semester betreffen, gibt es in der Germanistik und der Raumplanung: „In der Germanistik wurden bislang die Plätze von Lehrenden vergeben, nun wurde das System zentralisiert und ein Team vergibt die Plätze für die Kurse, sodass jeder unterkommt.“, sagt Lünnemann. Für das Fach Raumplanung wurde beim Studium fundamentale die Note abgeschafft, Praktika werden zukünftig mit 7 Creditpoints bewertet. Eine größere Prüfungsvielfalt spiegelt sich darin, dass statt Klausuren in den Fächern Forschungs- und Fachplanung auch Hausarbeiten eingereicht oder Referate gehalten werden können. Die Ingenieursstudiengänge werden sich allerdings noch etwas gedulden müssen, da Inhalte und Prüfungsleistungen weiterhin überprüft werden, dauern Reformen hier länger.
Statistikstudent Lars Koppers zieht eine positive Bilanz der Entwicklungen: „Es gab zwar nie viele Probleme beim Studium der Statistik, aber die Note der ‚Aussiebeklausur’ Analysis I fließt nicht mehr in die Endnote ein.“ Dies tritt ab dem 1. April 2010 in Kraft, bestätigt Prüfungsamtsleiter Dr. Thorsten Ziebach. Er sagt, dass „die Fakultät die Fachschaft gebeten hat, Wünsche zu äußern und dem wurde dann statt gegeben.“ Ein positives Beispiel für funktionierende Zusammenarbeit von Studenten und der Fakultät.

Weitere Pläne des AStA Dortmund

Doch der AStA ruht nicht. Die Vorbereitungen mit der FH Dortmund für die nächste Demonstration am 28. April sind bereits in vollem Gange. „Im Winter ging es um Änderungen innerhalb der Uni Dortmund, die Demonstration im April geht die Landtagswahl und Forderungen an die Landeshochschulpolitik an,“ sagt Lars Koppers.

Ruhr-Universität Bochum

Anwesenheitspflicht – ja oder nein?

So klar eine Abschaffung des Anwesenheitspflicht in Dortmund ist, so schwer tut sich die Ruhruniversität Bochum mit demselben Thema. Pressesprecher Josef König ist sich sicher, dass die „Anwesenheitspflicht fachspezifisch entschieden“ werden muss. Insgesamt entfacht dieses Thema rege Diskussionen. Der einzige Fachbereich, welcher offiziell die Studierenden von den Anwesenheitslisten befreit hat, ist Ostasienwissenschaften.

Ein langer Weg zu Reformen

Leiter der Pressestelle der RUB

Die Zusammenarbeit mit den Studenten läuft schleppend, sagt Josef König. Foto: RUB

Weitere Reformen sind seit Ende letzten Semesters angestrebt, allerdings habe sich bisher, so König, nicht viel getan. Es gab eine intensive Sondersitzung der Universitätskommission für Lehre, in der die Studiengänge bewertet worden sind. Die daraus resultierenden Vorschläge wurden noch nicht von den Studenten bewertet. Der ehemalige AStA-Sprecher Karsten Finke sieht es anders: „Das Rektorat hat Reformen angekündigt, diese bisher aber noch nicht durchgesetzt.“ Die letzte Fachschaftsvertreterkonferenz (FSVK) hat vor etwa zwei Wochen getagt und die Forderungen sind nun an die Prorektorate weitergegangen. Im Mai wird es eine Nachsitzung der Kommission geben.
Davor beschäftigt den Campus jedoch noch ein weiteres Thema; der amtierende Hochschulrektor Elmar Weiler will im Herbst wieder gewählt werden. Dazu stellt er sich am 15. April um 12:30 Uhr im HZO 50 noch einmal vor, sowie den Fragen der Anwesenden.

Universität Duisburg-Essen

Anwesenheitspflicht fachabhängig

Daniel Lucas vom AStA der Universität Duisburg-Essen sagt: „Einzelne Dozenten wehren sich gegen das Abschaffen der Anwesenheitspflicht, dabei wird die Studienleistung oft durch Prüfungen erbracht und Anwesenheit ist dadurch nicht erforderlich.“ Dies sieht das Rektorat ähnlich, daher hat es, so Pressesprecherin Beate Kostka, die Befreiung von der Anwesenheitspflicht vorgesehen. Anders sei dies bei den Lehrveranstaltungsformen, deren Lernziel nur mit aktiver Beteiligung der Studierenden erreicht werden kann.

„Prüfungsentschlackung“

Leiterin der Pressestelle der Uni Duisburg-Essen

Beate Kostka, Leiterin der Pressestelle der Uni Duisburg-Essen. Foto: Uni Duisburg-Essen

Der Senat der UDE hat die Problematik von überladenen Prüfungen aufgegriffen. Mit einer Neugestaltung der Rahmenprüfungsordnung (RPO) ist für Bachelorstudiengänge im Frühjahr 2010 und für Masterstudiengänge im Sommer 2010 zu rechnen, so Beate Kostka weiter. Die Prüfungspläne sollen in den Fakultätsräten diskutiert werden und ein studentisches Votum dazu an die Kommission für Lehre, Studium und Weiterbildung weitergeleitet werden. Zudem empfiehlt der Senat, die Prüfungen überschneidungsfrei zu terminieren und Prüfungskorridore einzurichten, wobei die letzten drei Wochen der vorlesungsfreien Zeit universitätsweit prüfungsfrei bleiben sollen. Eine neue RPO ist bereits für die Lehramtsstudiengänge beschlossen, nun muss sie auf weitere Fächer übertragen werden, sagte Daniel Lucas.

Werkstätten

Eine der ersten Initiativen zur Optimierung des Studiensystems an der UDE war die Durchführung einer Werkstatt zur Studienreform im November 2009. In dieser Veranstaltung ging es um Ansätze, Möglichkeiten und Praxisbeispiele zur Optimierung von Studiengängen. In den nächsten Monaten wird sich die Werkstatt vor allem mit der Erarbeitung von Standards der Studiengangsgestaltung beschäftigen, so die Pressestelle. Asta-Sprecher Daniel Lucas spricht davon, dass sie die Ergebnisse der Landtagswahl abwarten, bevor weitere Aktionen geplant werden. „Das Verhältnis von Fachschaft und Fakultät ist vom Fachbereich abhängig. Da ist das Mentoring System momentan eine Baustellle, die man eher angehen kann“, äußert er sich. Das Mentoring System ist eine ab diesem Semester einsetzende systematische persönliche Beratung und Betreuung. Man kann sie in allen Fakultäten über den gesamten Studienverlauf wahrnehmen.

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