„Ein Telefonat mit der Kanzlerin wäre nett“

Selten sorgte eine Investition von 11,80 Euro für so viel Aufruhr: Im September 2013 sicherte sich TU-Student Ramin Fleckner damit die Domain angelamerkel.info. Seitdem leitet er die Besucher seiner neuen Webseite auf diverse Internet-Adressen weiter – nur nicht auf die offizielle Präsenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Interview verrät der TU-Student, wie oft die CDU seitdem bei ihm angerufen hat und was er in Zukunft noch mit der Seite anstellen will.

Ramin Fleckner, TU-Student und Inhaber der Domain angelamerkel.info. Foto: Bastian Kaiser

Ramin Fleckner ist Logistik-Student an der TU Dortmund. Ihm gehört die Website angelamerkel.info. Foto und Teaserbild: Bastian Kaiser

pflichtlektüre: Für kaum 12 Euro hast du die Rechte an angelamerkel.info bekommen – und der Kanzlerin damit sicherlich keine Freude gemacht. Würdest du dich generell als etwas aufmüpfigen Menschen bezeichnen, oder bist du einfach nur ein Spaßvogel?

Ramin Fleckner: Nein, weder noch. (Lacht.) Im Radio habe ich damals zufällig einen Bericht darüber gehört, dass die Seite angelamerkel.de registriert und auf die Homepage von Peer Steinbrück weitergeleitet wurde. Dann habe ich online schnell geguckt, ob noch eine andere Variante mit Merkels Namen frei ist. Und so habe ich mir diese Adresse gesichert. Das war Zufall. Die Intention war jetzt nicht, irgendwas rauszusuchen, womit ich jemanden besonders ärgern kann. Grundsätzlich bin ich nicht aufmüpfig.

Normalerweise sichern sich prominente Personen gleich mehrere Schreibweisen ihrer Internet-Adresse. Warst du überrascht, dass genau diese noch frei war?

Ich hätte gedacht, dass sich die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der CDU eigentlich alles sichert. Normalerweise registriert man zehn bis 20 Domains mit allen möglichen Schreibweisen. Von daher war ich überrascht, dass bei so etwas Wichtigem quasi nichts registriert war. Die paar Euro im Jahr, die das kostet, sind ja nun wirklich marginal. Zumal man die Adresse ja auch aus dem Ausland erwerben und auf etwas Böswilliges hätte weiterleiten können.

Weitergeleitet hast du ja auch.

Genau, die Seite soll ja nicht leerstehen. Zurzeit sieht man ein Video des Künstlers Blumio, der darin über Politik und die Regierung rappt. Vorher kam man auf den Blog „Pofalla beendet Dinge“, der hat im Web ja auch schon für Aufsehen gesorgt. Ich dachte: Bevor nichts auf der Seite ist, leite ich sie lieber um. Wobei ich schon darauf geachtet habe, dass es nichts Beleidigendes ist. Es soll auf etwas verlinken, das sowieso öffentlich verfügbar ist.

Zuerst der Pofalla-Blog, dann der Rap über die Kanzlerin – beides sind Inhalte, die deutlich CDU-kritisch sind. Das Ziel kann also nicht nur sein, dass die Seite nicht leersteht. Was willst du noch bewirken?

Den Rap finde ich vom Inhalt her gar nicht schlecht. Ich dachte mir, vielleicht kann man Blumio ein bisschen helfen, das Video bekannter zu machen. Es geht eigentlich eher darum, dass auf der Seite etwas zu sehen ist. Und vielleicht bringt das ja die CDU dazu, früher zu handeln. Dazu, dass sie früher sagen: „Wir wollen die Domain haben.“ Schließlich könnte ich die Seite ja auch auf die SPD umleiten.

Die Adresse angelamerkel.de hat die CDU mittlerweile übernommen – jetzt soll auch deine Seite folgen. Was hat sich bis jetzt getan?

Die haben sich von sich aus noch gar nicht gemeldet, sondern ich habe über deren Kontaktformular auf der Homepage einfach mal hingeschrieben, ob sie die Domain überhaupt haben wollen. Dann kam allerdings erst einen Monat später eine Antwort. Aber da war nichts drin als ein Dankeschön, dass ich die Adresse an sie abgeben möchte. Die meinten einfach nur, ich solle ihnen eine Anweisung schicken, wie das funktioniert. Darauf habe ich bisher noch nicht geantwortet. Wenn die mich so lange warten lassen, kann ich das auch.

Da hattest du dir sicher mehr erhofft.

Erhofft nicht wirklich. Aber ich hätte es gedacht. Nachdem das in der Zeitung und im Radio erwähnt wurde und im Internet auch Beiträge dazu zu finden sind. Ich dachte, dass die CDU-Öffentlichkeitsarbeit da tätig würde.

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