Wissenswert: Wieso schlafen Gliedmaßen ein?

Der Schein trügt: Das Einschlafen ist für diesen Fuß eigentlich keine angenehme Sache. Foto: Franziska Lehnert

Es könnte so schön sein: Gemütlicher Fernsehabend auf der Couch, in der Werbepause nur kurz aufstehen und etwas zu knabbern holen. Da passiert es – ein Bein ist eingeschlafen. Und der Weg zum Kühlschrank wird begleitet von stechenden Schmerzen und einem unangenehmen Kribbeln. Was passiert eigentlich, wenn ein Körperteil „einschläft“? Und warum ist das „Aufwachen“ so schmerzhaft?

Oft ist diese Erklärung zu hören: „Das Blut war abgeklemmt und fließt jetzt wieder zurück ins Bein.“ Prinzipiell kann so eine Unterbrechung der Blutzufuhr Taubheitsgefühle auslösen. Das Kribbeln, das gleichzeitig auftritt, ist allerdings charakteristisch dafür, dass etwas mit den Nerven nicht stimmt.

Der ganze Körper ist von einem feinen Geflecht aus Nerven durchzogen. Es ist quasi das Kommunikationssystem des Organismus und tauscht ständig Signale zwischen allen Körperregionen und dem Gehirn aus. Bei bestimmten Haltungen – wie beispielsweise langem Sitzen mit übereinander geschlagenen Beinen – kann es passieren, dass so eine Nervenleitung eingeklemmt wird.

Signalübertragung abgebrochen

Es gibt viele Engstellen in den Nervenbahnen, die besonders leicht blockiert werden. Zum Beispiel am Ellenbogen, also einer Stelle, die mit wenig weichem Polstermaterial umgeben ist. Kommt es dann zu einer Blockade des Nervs, wird dieser nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Er verliert in Folge vorübergehend seine Funktion  und die Signalübertragung zwischen Nerv und Gehirn wird unterbrochen. Deswegen kommen die Reize, die etwa an der Hand entstehen, nicht mehr oder nur bruchstückhaft im Hirn an. 

Um vor so einer Situation zu warnen, schickt der Nerv bereits im Vorfeld ein Signal an das Gehirn: „Vorsicht – hier wird’s eng!“ Und zwar in Form eines starken Kribbelns, das so charakteristisch für leicht eingeschlafene Körperteile ist. Hat das Warnsignal allerdings nichts genützt oder wird ignoriert, sind irgendwann die motorischen Nerven von der Blockade betroffen und können keine Bewegungsreize mehr weiterleiten – die Hand wird taub und unbeweglich.

Alles Nervensache

In der Medizin heißt diese Art der Nervenbeeinträchtigung Neurapraxie – also eine leichte Nervenverletzung, die eine vorübergehende Funktionsstörung nach sich zieht. Durch Schütteln oder Reiben der betroffenen Stelle verschwindet die Störung aber schnell wieder und die Nervensignale können frei fließen.

Wer allerdings häufiger mit eingeschlafenen Gliedmaßen zu kämpfen hat, der sollte sich mal vom Arzt untersuchen lassen. Im Zweifelsfall könnten nämlich auch ein Bandscheibenvorfall oder eine Polyneuropathie (PNP) dahinter stecken. PNP ist eine krankhafte Schädigung von Nerven sowie Nervenfortsätzen und wird zum Beispiel durch Diabetes ausgelöst.

Eingeschlafene Beine beim Fernsehen sind aber in der Regel eher ein Indiz dafür, dass man mal die Position ändern oder – besser noch – einfach aufstehen sollte. Schließlich gibt der Körper ein eindeutiges Zeichen: „Das ganze Sitzen geht mir echt auf die Nerven!“

Beitragsbild: Franziska Lehnert