Duell am Donnerstag: Wie sozialverträglich sind Smartphones?


Sie sind zu einem ständigen Begleiter geworden: die Smartphones. Sie erleichtern unseren Alltag mit vielen hilfreichen Apps, über die sozialen Netzwerke sind wir permanent mit Leuten aus aller Welt vernetzt. Aber wir beschäftigen uns manchmal mehr mit unseren Handys, als mit den Menschen um uns herum. Ist das eine Gefahr für das soziale Miteinander?

„Ja, durch Smartphones verpassen wir das ‚echte‘ Leben“,
sagt Stefanie Luthe.

Wir reden nicht mehr. Anstatt uns zu unterhalten, sind wir permanent mit unseren Smartphones beschäftigt: im Wartezimmer, in der S-Bahn oder in der Mensa. Das soziale Miteinander verkümmert, paradoxerweise in Zeiten, in denen soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. ständig präsent sind und soziale Kontakte eigentlich fördern sollten.

Natürlich, Smartphones sind praktisch, allerlei Apps erleichtern unseren Alltag. Aber bei den vielen Vorteilen, die ein Smartphone mit sich bringt, darf man eines nicht vergessen: Ein Facebookchat oder ein Gespräch bei Whatsapp kann eine richtige Unterhaltung nicht ersetzen. Der eigentliche soziale Kontakt fällt weg. Persönliche Beziehungen sind so gefährdet. Sie brauchen richtige Kommunikation und gemeinsame Erlebnisse. Aber nicht nur das: Smartphones können Beziehungen und Freundschaften auch auf eine andere Weise schädigen. Wer im Beisein Anderer ständig auf das Handy schaut, gibt ihnen schnell das Gefühl, sich nicht richtig für sie zu interessieren. Stress und Enttäuschungen sind dann vorprogrammiert.

Schönere Atmosphäre

Warum bei Treffen mit Freunden nicht eine einfache Regel einführen? Einfach alle Handys in einen Korb legen und erst wieder nehmen, wenn man nach Hause geht. Die Atmosphäre ist so viel schöner: Man ist nicht abgelenkt von ständigen Signaltönen irgendwelcher Nachrichten und kann sich besser aufeinander konzentrieren.

Streitereien und Konflikte sollten auf keinen Fall in den sozialen Netzwerken oder per Whatsapp ausgetragen werden. Denn dabei kann es sehr schnell zu Missverständnissen kommen. Da helfen auch Smileys nur wenig, um den richtigen Ton zu treffen. Außerdem: Wenn man sich streitet, sollte man sich die Meinung wenigstens gegenseitig ins Gesicht sagen. Sich hinter dem Smartphone zu verstecken, ist feige.

Wenn wir uns nur mit unserem Handy beschäftigen, verpassen wir das eigentlich Wichtige. Wer uns alles begegnen könnte, während wir gebückt und auf unser Handy schauen und die Straße entlang laufen. Ein Promi? Die große Liebe? Das mag weit hergeholt sein, aber Fakt ist: Uns entgeht zumindest eine ganze Menge „echtes“ Leben.

Das heißt nicht, dass man ganz auf Smartphones verzichten sollte. Natürlich erleichtern sie uns in vielen Situationen den Alltag. Aber deswegen müssen wir sie nicht ununterbrochen benutzen. Ein sensibler und bewusster Umgang mit dem Smartphone ist wichtig.

Zum einen für unsere Mitmenschen, weil es unhöflich ist, in ihrer Gegenwart permanent auf das Handy zu gucken. Zum anderen ist der sensible Umgang auch wichtig für einen selbst: Wer möchte schon 400 Facebookfreunde, 300 Follower bei Twitter und zahlreiche WhatsApp Chats haben, aber mit niemandem wirklich persönlich reden können?

 

„Nein, Smartphones helfen uns Kontakte zu halten“,
meint Luisa Hess.

„Leg doch mal das Handy weg!“ „Warum denn? Stört es dich etwa?“ „Ja.“ Ein typischer Dialog am Essenstisch. Inzwischen werben sogar einige Restaurants mit einem Handyverbot in ihren Räumlichkeiten. Doch sind Smartphones, iPhones & Co. wirklich kleine Monstergeräte, die nur darauf aus sind, uns in unkommunikative, sozialfeindliche Einsiedler zu verwandeln? Nein.

Virtuelle statt reale Kommunikation – ein Wandel, der vielen Bauchschmerzen bereitet. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass uns Smartphones sogar helfen können, mit unseren Mitmenschen in Kontakt zu treten. Und das rund um die Uhr. Treffen lassen sich mittels Whatsapp und Facebook schneller arrangieren, in Gruppen-Chats können mehrere Personen gleichzeitig kommunizieren und via Selfie können auch abwesende Freunde am Geschehen teilhaben. Schon längst haben die Minicomputer die Welt der Kommunikation revolutioniert.

Kritiker bemängeln hierbei, dass man sich bei Streitigkeiten hinter seinem Smartphone leichter verstecken könne. Tatsächlich sollten Konflikte immer besser persönlich als via Chat ausgetragen werden. Aber was ist, wenn ein persönliches Gespräch – aus welchen Gründen auch immer – zurzeit nicht möglich ist? Soll man das schlechte und bedrückende Gefühl dann tagelang mit sich rumtragen, bis es endlich zu einem Treffen kommt? Da ist es doch besser, die Meinungsverschiedenheit direkt aus dem Weg zu räumen. Und wenn das persönlich nicht geht, ist das Smartphone die beste Alternative.

Handelt es sich daher bei der Debatte über die Sozialverträglichkeit dieser Multifunktionsgeräte nicht eher um eine der vielen „Früher war doch alles besser- Diskussionen“? Natürlich musste man sich ohne soziale Netzwerke treffen, um sich austauschen zu können. Eben kurz eine Nachricht per Whatsapp zu verschicken, war nicht möglich. Aber deshalb war die Zeit vor den Smartphones lange noch nicht besser.

Unverzichtbarer Service

Schließlich erleichtert ihr Service unseren Alltag. Und das bringt uns auch für das soziale Miteinander viele Vorteile. So ist man jederzeit erreichbar und kann insbesondere in Notfällen schnell reagieren. Nachrichten-Apps informieren uns mittels Liveticker brandaktuell über das Weltgeschehen. Ein Unterhaltungsthema, das ohne App vielleicht gar nicht erst zur Sprache käme. Außerdem können Fotos und Videos auch für Gesprächsstoff sorgen. Folglich können Smartphones manchmal sogar eher zu Gesprächen anregen, als sie zu stören.

Wenn ein Tischgespräch also durch eine Whatsapp-Nachricht nur ganz kurz unterbrochen wird, ist das noch lange kein Grund, ständig auf der scheinbar sozialen Unverträglichkeit dieser Geräte herumzureiten. Vielmehr sollten Tischsitten und Kommunikationsregeln eher endlich an das moderne Zeitalter angepasst werden.

 

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Foto: stockxchng/bizior, Teaserfoto: S. Hofschlaeger / pixelio.de, Montage: Steinborn/Schweigmann 

Teaserfoto: Ich-und-Du /pixelio.de

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