Ramadan fast geschafft – Einblick ins Fastenbrechen

Jedes Jahr fasten Millionen Muslime weltweit, vier Wochen lang wird während des Fastenmonats Ramadan tagsüber weder gegessen noch getrunken. Die pflichtlektüre-Autorinnen Riem und Feyza schreiben während des Fastenmonats über ihre persönlichen Erfahrungen. In Teil zwei ihrer Ramadan-Reihe beschäftigen sie sich diesmal etwas genauer damit, wie das traditionelle Fastenbrechen abläuft.

Ramadan 2015: Nur noch ein paar Tage sind es jetzt , bevor wir am 16. Juli das letzte Mal fasten und uns auf das bevorstehende Zuckerfest vorbereiten. Kurz vor dem Ende lassen wir die vergangenen  drei Wochen Revue passieren:

Drei Wochen Ramadan und wir haben ...
  • … gefastet und versucht nebenbei zu lernen.
    Mehr oder weniger erfolgreich.
  • … viel geschlafen, um die Zeit bis zum Essen zu überbrücken.
    Egal wann und egal wo.
  • … uns mit Filmen und Serien abgelenkt, damit die Zeit so schneller vergeht.
    Beschäftigung musste sein.
  • … VIEL gekocht und VIEL gespült.
    Vor allem wenn unsere Familien zum Essen andere fastende Familien erwartet haben.
Foto: Riem Karsoua

Ein gedeckter Tisch für rund 30 Personen. Foto: Riem Karsoua

Mit 20 Leuten am Esstisch

Unserer Meinung nach aber das schönste am Ramadan: d as gemeinsame Fastenbrechen mit anderen. Vor allem in diesem Monat versucht man sich so oft wie möglich mit Freunden und Familie zusammenzusetzen. Der Esstisch ist dabei so gut wie jeden Abend mit allem Möglichen an Essen gedeckt.

Der Besuch erscheint kurz vor dem Essen. Sobald die Sonne untergegangen ist, setzt man sich gemeinsam an den Tisch. Dabei kann es schonmal vorkommen, dass man 20 Personen zu Gast hat.

Dann wird das Fasten gebrochen. Meistens isst man zuerst eine Dattel oder trinkt ein Glas Wasser. Darauf folgt für gewöhnlich die Suppe, nach der wir – wie ihr bereits aus Teil eins unserer Serie wisst – meistens schon satt sind. Trotzdem lassen wir uns den Hauptgang nicht entgehen. Man hat die Auswahl zwischen mehreren Gerichten. Es soll ja niemand hungrig nach Hause fahren!

Türkisch-Arabische Spezialität: Baklava. Foto: Feyza Bicakci

Türkisch-arabische Spezialität: Baklava.
Foto: Feyza Bicakci

Traditionelles Essen und Trinken

Nachdem alle gegessen haben, bleibt für gewöhnlich mehr als die Hälfte des Essens übrig. Aber erkläre einer mal einer arabischen oder türkischen Mutter, sie habe zu viel gekocht und vorbereitet …

Ohne einen traditionellen schwarzen Tee nach dem Essen, dem Çay, geht es natürlich nicht weiter. Währenddessen sitzen die Familien zusammen und unterhalten sich. Es wird viel gelacht und vor allem: weiterhin gegessen. Besonders beliebt sind arabische oder türkische Spezialitäten wie beispielsweise Baklawa.

Foto: Riem Karsoua

Selbstgemachter Schokopudding: gute Alternative zu den typischen Süßspeisen. Foto: Riem Karsoua

Da wir erst gegen 22 Uhr essen dürfen, ist der Besuch meistens bis weit nach Mitternacht da. Einige Stunden später, gegen vier Uhr morgens, dürfen wir dann unsere letzte Mahlzeit essen und den letzten Schluck Wasser trinken, bevor die Sonne wieder aufgeht.

Davor noch schlafen gehen, obwohl wir am nächsten Tag eigentlich ausschlafen können? Lieber nicht. Also endet es meistens so, dass wir uns zwischen den Mahlzeiten anderweitig ablenken und erst spät in der Nacht schlafen gehen.

Religion im Ramadan

Im Ramadan gibt es zusätzlich zu den gewöhnlichen fünf Gebeten im Islam auch ein spezielles, freiwilliges Gebet, das Tarawih-Gebet, das kurz nach dem Essen stattfindet.

Foto: Jorien B. / flickr.com

Der Koran – Das heilige Buch der Muslime. Foto: Jorien B. / flickr.com

Außerdem findet irgendwann in den letzten zehn  Tagen des Ramadans die sogenannte „Nacht der Bestimmung“ (Lailat ul-Quadr) statt. Diese Nacht wird in der Moschee mit Beten, Bittgebeten und dem Lesen des Korans verbracht. Wer in dieser Nacht hoffnungsvoll und aufrichtig zu Gott betet, so ist es für ihn so, als hätte er 83 Jahre lang (1000 Monate) aufrichtig zu Gott gebetet und gelebt. 

Der Ramadan ist für uns wie im Flug vergangen. Kaum zu glauben, dass nur noch wenige Tage bleiben, bis das Zuckerfest beginnt. Dass das eigentlich nicht die richtige Bezeichnung dafür ist, erklären wir dann im nächsten und letzten Teil unserer Ramadan-Reihe.

Teaserbild: Riem Karsoua

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