Australien spielt nach eigenen Regeln

Lange Zeit sah es so aus, als wollten Australier nur in Deutschland Fußball spielen. Ihre bisherigen WM-Teilnahmen waren 1974 und 2006. In diesem Jahr sind sie auch in Südafrika dabei.  Am 13. Juni treffen die Socceroos auf Deutschland. Wie Australier zu Fußball stehen und ob sie Deutschland schlagen werden, verrät Richard Bell, Australier und Dozent an der TU Dortmund.

Richard Bell mag die australische Fußball-Variante lieber  Foto: privat

Richard Bell mag die australische Fußball-Variante lieber Foto: privat

Zunächst muss man einmal festhalten, dass Fußball in Australien weitaus weniger populär ist als in Europa. Anders gesagt, die Australier spielen Fußball lieber nach ihren eigenen Regeln. Das heißt nennen sie dann „Australian Rules Football“.  Das, was die Australier so an diesem Spiel lieben, würde auf unseren Fußballfeldern mit jeder Menge roter Karten belohnt. Richard Bell beschreibt seinen Lieblingssport so: „Es ist ein physisches und temporeiches Spiel mit vielen Punkten. Im Ausland wird es oft mit Rugby verwechselt.“ Wer Interesse daran hat kann sich das ganze auf dem Campusfest angucken. Da gibt Bell nämlich einen Workshop mit anschließendem Probespiel dazu. Jetzt aber zurück zum Thema.

Australien und das runde Leder

Die australische Fußballnationalmannschaft, liebevoll „Socceroos“ genannt, hat vor dieser WM-Qualifikation ein Schritt gemacht, der ihnen endlich ernstzunehmende Gegner und die dritte WM-Teilnahme beschert hat. Sie haben nicht in der ozeanischen, sondern in der asiatischen Qualifikations-Gruppe mitgespielt. Zuvor erreichten sie zwar Ergebnisse wie ein 31:0 gegen Amerikanisch Samoa, verloren dann aber meistens gegen den Relegationsgegner aus Südamerika.

Mit dem in Asien erreichten direkten Einzug in die Endrunde haben sie dieses Mal die Hoffnungen auf ein gutes Turnier geschürt. Bell ist sicher, dass  „wir es auf jeden Fall in das Achtelfinale schaffen. Ab da ist alles möglich“. Seiner Meinung nach können sie dabei auch mit der vollen Unterstützung des australischen Kontinents rechnen: „Fußball ist zwar auf Clubebene nicht so populär, aber bei einer Weltmeisterschaft steht die ganze Bevölkerung hinter ihren Socceroos.“ Bell ist sich sicher, dass die Australier trotz der ungünstigen Zeitverschiebung (die Spiele werden mitten in der Nacht ausgestrahlt) vor dem Fernseher sitzen werden.

Der Schiedsrichter als Spaßverderber

Australian Rules Footbal: Ein Spiel mit Hand und Fuß. Foto: imageshack.us

Australian Rules Football: Ein Spiel mit Hand und Fuß. Foto: imageshack.us

Bei der letzten WM hier in Deutschland haben es die Socceroos ebenfalls bis in das Achtelfinale geschafft. Dort wurden sie dann nicht, wie oftmals fälschlich angenommen, von den Italienern gestoppt, sondern vom Schiedsrichter.

Bell: „Ich denke jeder neutrale Zuschauer stimmt mir da zu, wenn ich sage, dass es eine klare Schwalbe war.“ Ja! Aber der ungerechtfertigte Elfmeter für Italien war nicht der einzige Moment, der Bell zu der Aussage verleitet: „Die WM 2006 hat meinen Hass gegen Fußballschiedsrichter noch vergrößert.“ Schon in der Vorrunde wurde Australien durch einen Fehler des Schiedsrichters benachteiligt. Der Kroate Simunic hat mit drei gelben Karten in einem Spiel einen hoffentlich ewigen Rekord aufgestellt.

Die „Socceroos“ gegen die „Mannschaft“

Australien und Deutschland sind das letzte Mal 2005 aufeinander getroffen. Das Spiel fand im Rahmen des Confederations Cup in Frankfurt statt. Ein unerwartet knappes 4:3 gegen hartnäckige Gegner war am Ende das Ergebnis. Doch fünf Jahre später ist selbst der sonst eher optimistische Australier skeptisch: „So gern ich es auch hätte, ich kann mir nicht vorstellen, dass Australien Deutschland schlägt.“ Ein kleines Hintertürchen hält sich Bell dann aber doch noch offen: „Aber wenn es nach 80 Minuten noch unentschieden steht, wer weiß?“.

Deutschland kommt weiter

Nicht nur ganz Deutschland hofft darauf, dass Poldi wieder jubelt.  Foto: dfb.de

Nicht nur ganz Deutschland hofft darauf, dass Poldi wieder jubelt. Foto: dfb.de

„Ich erwarte, dass sie es mindestens bis in das Viertelfinale schaffen!“, sagt Bell. Wie es dann im weiteren Verlauf aussieht macht er von zwei Dingen abhängig: Zum Einen komme es darauf an, ob Deutschland die Verletzung von Ballack kompensieren kann. Zum anderen müssten die Stürmer wieder treffen.

„Ich persönlich hoffe, dass Poldi wieder in Form kommt und die auch mit in die nächste Bundesligasaison nimmt.“ Bell hat nämlich eine Zeit lang in Köln gewohnt hat und drückt seitdem dem 1.FC Köln die Daumen.

Und wer wird Weltmeister?

Für Bell gibt es da drei Favoriten: „Deutschland, ist doch klar; Brasilien, wie immer; Italien, unglücklicherweise.“ Außerdem meint er, dass eine der afrikanischen Mannschaften noch um den Titel mitspielen wird, besonders Südafrika als Gastgeber. Wem er von diesen Mannschaften den Titel wünscht, ist mittlerweile keine Überraschung mehr: „Ich werde für Deutschland jubeln, solange das Ergebnis nicht das Ausscheiden der Australier bedeutet.“ Wer kann ihm diesen Zusatz verdenken?

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